Zum Hauptinhalt springen

Ein bisschen unsterblich werden

Urs Fischer fühlt sich ungerecht behandelt. Im Cupfinal gegen Sion will der FCB-Coach seine Arbeit krönen.

Meistertrainer: Urs Fischer.
Meistertrainer: Urs Fischer.
Keystone

Urs Fischer erblickt im Stadionbauch des Stade de Suisse YB-Sportchef Christoph Spycher. Die Umarmung fällt herzlich aus. Fischer wirkt trotz der 1:2-Niederlage gegen die Young Boys aufgeräumt. So relaxed erlebt man den Basel-Trainer selten, beim FCB sieht er sich nicht mehr sehr willkommen.

Er hat sich rar gemacht, fühlt sich von einem Grossteil der Medien ungerecht behandelt, gibt im Vorfeld des Cupfinals nur zwei Interviews. Der «Tageswoche» sagte er bemerkenswerte Dinge über sein Schaffen im St.-Jakob-Park: «Beim FCB sind alle gefangen im Erfolg.» Oder: «Der Druck ist riesig, alles hängt von deiner Arbeit ab, in Basel betrifft das rund 240 Mitarbeiter.»

Und: «Das ganze Drumherum ist gewaltig. Dieser Verein ist derart präsent, das ist der Wahnsinn. Da entstehen Dynamiken, positive und negative, unvorstellbar, wenn man das nicht selber erlebt.»

Gekränkt wegen Kritik

Der dünnhäutige Zürcher Fischer in Basel – diese Beziehung stand unter keinen guten Vorzeichen. So gesehen hat der frühere Thun-Coach das Optimum herausgeholt, er ist zweimal souverän Meister geworden, wurde aber regelmässig – nicht zu Unrecht – kritisiert, weil er ein vorsichtiger Trainer ist.

Der FCB begeistert selten, sammelt aber pflicht­bewusst Sieg um Sieg. Deshalb darf Fischer die zweite Saisonniederlage in Bern cool beurteilen: «Die letzte Konsequenz hat heute natürlich gefehlt. Das ist normal, wenn sich alles um den Cupfinal dreht und wir einen so klaren Vorsprung ­haben.»

Fischer stellte gegen YB ein B-Plus-Team auf, das Resultat spielte im grossen Bild keine Rolle. Am Donnerstag tritt der Verein als «Aussenseiter», wie es Fischer sagt, gegen Sion im Cupfinal an.

Und der Fussballlehrer kann ein bisschen Unsterblichkeit erlangen, falls es ihm als erstem Trainer gelingen sollte, die Walliser Pokalspezialisten in einem Cupendspiel zu bezwingen. Es würde die Bilanz des 51-Jährigen noch erheblich aufwerten. Und ihn möglicherweise ein wenig versöhnen mit seiner aufreibenden Arbeit.

Urs Fischer ist gekränkt, weil er zuweilen harsch kritisiert wurde. Der «Tageswoche» erklärte er: «Es werden dir Dinge unterstellt, die nicht stimmen. Es heisst, der Fischer habe keinen Spieler weitergebracht. Da geht es um meine Person. Um meinen Lebenslauf. Um meine Bewerbungsschreiben für die Zukunft. Meine Karriere ist nach dem FCB nicht zu Ende.»

Zukunft im Ausland?

Man kann den Ärger Fischers im Ansatz verstehen, weil das Moderieren des FCB-Luxuskaders mit unzähligen Nationalspielern eine schwierige Aufgabe ist. Dennoch strahlt er mit seiner kratzbürstigen Art wenig Souveränität aus. Zuletzt konstatierte Fischer in seiner Belegschaft «Unruhe», weil viele Akteure vom Ausland träumen. «Am Schluss haben wir 27 Individualisten, 27 Einzelunternehmungen, die für ihre Zukunft schauen müssen.»

Seine Ablösung durch U-21-Coach Raphael Wickykann Fischer nachvollziehen, weil die frische FCB-Führung einen Neustart auf allen Ebenen plant. Nach der Saison will Fischer erst mal Ferien mit seiner Frau machen, «das haben wir uns verdient», danach wird er ein Sabbatical einlegen – oder den nächsten Klub übernehmen. «Murat Yakin und sein Projekt in Schaffhausen, das sind Sachen, die reizvoll sind. Ich war nie einer, der mit weniger nicht umgehen konnte.»

Der bodenständige Fischer hat für den Markt im Ausland nun sogar einen Berater. Für ein Nationalteam fühlt er sich zu jung, beim kriselnden Rapid Wien mit Ex-YB-Sportchef Fredy Bickel als Manager wird er nicht mehr so heiss gehandelt. Und in St-Etien­ne, wo ihn österreichische Medien sehen, dürfte eher Lausannes Aufsteiger Fabio Celestini landen. Zumal man sich Fischer in Frankreich nicht vorstellen kann.

Aber unterschätzt wurde der zweifache Meistertrainer oft.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch