Drei Posterboys begeistern die Fussballwelt

Am Final Four in dieser Woche in Portugal sind drei der aufregendsten Jungfussballer dabei: Portugals João Félix, Hollands Matthijs de Ligt sowie Englands Jadon Sancho.

Hollands Matthijs de Ligt ist erst 19 aber jubelt schon wie die Grossen. (Bild: Reuters)

Hollands Matthijs de Ligt ist erst 19 aber jubelt schon wie die Grossen. (Bild: Reuters)

Fabian Ruch

Der Fussball steht vor einem Sommer der Transferexzesse – und mittendrin sind all die gehypten Jünglinge, die der Welt heute auch dank Social Media viel früher bekannt sind. Hier eine Liste der besten Supertalente unter 18. Da die grössten U-21-Versprechen, fein säuberlich aufgelistet nach Ländern und Positionen. Nicht nur die Italiener und Franzosen, Brasilianer und Spanier haben vielversprechende Begabungen in der Pipeline. Und längst werden schon Teenager für dreistellige Millionensummen an der Wechselbörse gehandelt.

Neben den 18-jährigen Brasilianern Vinicius Junior (Real Madrid) und Rodrygo (noch Santos, bald Real Madrid) sowie Deutschlands Kai Havertz (Leverkusen) gehören drei zu den begehrtesten U-20-Fussballern, die wie die Schweiz am Finalturnier der Nations League diese Woche in Portugal teilnehmen werden.

Englands tolle Perspektive

Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Englands Jadon Sancho, Hollands Matthijs de Ligt ­sowie Portugals João Félix am ­Final Four ihre bereits schwindelerregenden Marktwerte in die Höhe treiben. Sancho, Typ Hochgeschwindigkeitsdribbler, wird ab 120 Millionen Franken gehandelt, nachdem er bei Borussia Dortmund eine starke Saison ­absolviert hat.

«Er ist ein guter Junge», sagt sein Clubtrainer Lucien Favre. Aber der Schweizer betont: «Er kann sich noch in allen Bereichen verbessern.» Sancho, seit wenigen Wochen 19, figuriert auf der Wunschliste aller Premier-League-Edelvereine, fühlt sich in Dortmund aber in dieser frühen Phase seiner Karriere ideal aufgehoben. Er stammt aus der Nachwuchsschule von Manchester City, sah vor zwei Jahren im Starensemble von Coach Pep Guardiola jedoch keine günstige Perspektive und ging in die Bundesliga. Sancho ist das prominenteste Beispiel einer Reihe junger Fussballer, die bei den Grossclubs Englands in hochmodernen Leistungszentren mit bis zu 18 Rasenplätzen ausgezeichnet ausgebildet werden, den Sprung in die Stammformation allerdings nicht realisieren.

Jadon Sancho ist mit seiner aufregenden Spielweise der Posterboy einer bemerkenswert starken englischen Generation. Die Fülle an begabten Akteuren führte zum U-20-WM-Titel 2017. Auch Marcus Rashford (21) von Manchester United, Trent Alexander-Arnold (20) und Joe Gomez (22) von Champions-League-Gewinner Liverpool, Phil Foden (19) von Manchester City, Callum Hudson-Odoi (18) und Ruben Loftus-Cheek (23) von Chelsea, Dele Alli (23) von Tottenham sowie Ryan Sessegnon (19) von Fulham zählen zu den Hoffnungsträgern. Und weil Harry Kane, John Stones, Eric Dier (alle 25) und Harry Maguire (26) ebenfalls noch relativ jung sind, steht Englands Auswahl vor einer verlockenden Zukunft.

Bereits Captain bei Ajax

Das gilt auch für Holland, das den heiklen Umbruch nach der Generation um Arjen Robben und Wesley Sneijder smart moderiert hat. Ajax Amsterdam gab in dieser Champions-League-Spielzeit eine Kostprobe der ­holländischen Nachwuchsarbeit ab – mit einem Captain, der keine 20 ist.

Matthijs de Ligt wird nahezu täglich mit einem anderen Club in Verbindung gebracht, von den 20 grössten Vereinen interessieren sich 20 für ihn. Erst hiess es, er werde wie Teamkollege Frenkie de Jong, eben 22 geworden, zum FC Barcelona wechseln, mittlerweile gilt Manchester United als Favorit auf die Verpflichtung de Ligts. Zumal der kriselnde Gigant den Holländer mit Geld zuschütten würde. Der robuste, spielintelligente de Ligt will sich bald entscheiden und erklärte dem holländischen TV-Sender NOS, es lägen mehrere attraktive Angebote vor. «Ich überlege mir ganz genau, was für meine Karriere das Beste ist. Ich bin erst 19, und solange ich einen Vertrag bei Ajax habe, besteht die Möglichkeit, dass ich noch bleibe.»

Auch Liverpool wird gehandelt als Arbeitgeber de Ligts, der dort zusammen mit dem aktuell weltweit wohl besten Abwehrspieler Virgil van Dijk eine herausragende Innenverteidigung bilden könnte – wie im Nationalteam.

Wie CR7 – nur anders

Gespannt darf man gleichfalls sein, bei welchem Verein der umworbene João Félix ab Sommer wirbeln wird. Über ihn raunt man sich seit Jahren Wunderdinge zu, als «neuer Cristiano Ronaldo» wurde er gepriesen. Weil er Portugiese ist. Weil er eine vielseitige Offensivkraft ist. Und weil er mindestens ein Jahrzehnttalent sein soll.

In der Spielanlage jedoch unterscheidet er sich deutlich vom 15 Jahre älteren Star. João Félix ist feingliedrig, 62 kg verteilen sich auf 180 cm. Er ist ein leichtfüssiger Ballartist, der ­diese Saison bei Meister Benfica Lissabon durchstartete. 24 Skorerpunkte (darunter 15 Treffer) sammelte er in 26 Ligaeinsätzen, beim 4:2 im Hinspiel des Europa-League-Viertelfinals gegen Frankfurt gelangen ihm drei Tore und ein Assist.

Und es wird ja irgendwann tatsächlich eine Fussballwelt ohne CR7 geben. Die Portugiesen sehen sich ganz gut gerüstet dafür – nicht nur wegen João Félix. Vorerst könnten Ronaldo (156 Länderspiele) und sein Nachfolger (0 Länderspiele) am Mittwoch in Porto im Final-Four-Halbfinal der Nations League gegen die Schweiz erstmals gemeinsam für den Europameister auf dem Rasen stehen.

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