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Donezk: Das Lieblingsspielzeug des Oligarchen

Rinat Achmetow ist mächtig, reich und fussballverrückt: Heute spielt sein Klub Schachtjor Donezk gegen den FC Basel. Es treffen zwei Welten aufeinander.

Demolierte aus Frust über einen Rückstand auch schon mal die Limousinen seiner Fussballer mit einem Baseballschläger: Rinat Achmetow, Oligarch und Klubbesitzer.
Demolierte aus Frust über einen Rückstand auch schon mal die Limousinen seiner Fussballer mit einem Baseballschläger: Rinat Achmetow, Oligarch und Klubbesitzer.
Keystone

Er ist Herr über ein Milliardenvermögen, er kommandiert 160'000 Mitarbeiter - und zieht auch in der Politik die Fäden. Doch richtig emotional wird Rinat Achmetow, wenn er von Fussball spricht: «Würde man mir Schachtjor Donezk wegnehmen», sagt der 41-jährige, «dann wäre das, wie wenn man mir das Herz herausreisst.»

Der Oligarch und sein Klub - die beiden sind schon lange ein Paar. Angefangen hat Achmetow ganz unten: Er wuchs als Kind von Tataren in einfachsten Verhältnissen auf. Nicht einmal Möbel soll die Familie besessen haben. Sein erstes Geld verdiente Rinat angeblich als Hütchenspieler an der Strandpromenade des Schwarzmeer-Kurorts Sotschi. Später arbeitete er als Spediteur in einem Kleidergeschäft, bis er Anfang der Neunzigerjahre eine Bank gründete. So richtig durchgestartet ist seine Karriere aber 1995: Während eines Spiels von Schachtjor zerfetzte eine Bombe die VIP-Lounge des Stadions. Sechs Menschen starben, darunter Alexander Bragin, der Chef eines Firmenimperiums.

Es war die Zeit, als sich mafiöse Unternehmer mit Kalaschnikows und Handgranaten um die einträglichsten Geschäfte stritten. Auch um das Erbe Bragins brachen Verteilkämpfe aus. Als Sieger bleib nur einer übrig: Rinat Achmetow. Seither hat er seinen Reichtum vervielfacht: Ihm gehören unter anderem Minen, Stahlschmelzen, Banken, Hotels - und eben auch der Fussballklub Schachtjor. Manche sagen, dass im Donbass, wie das industrielle Herz der Ukraine heisst, nichts gehe ohne Achmetow. Die Zeitschrift «Forbes» schätzt sein Vermögen auf 7,3 Milliarden Dollar, ukrainische Journalisten vermuten, dass er über 30 Milliarden Dollar reich ist.

Auch politisch ist Achmetow ein Schwergewicht: Im Rating der wichtigsten Ukrainer, welches das Journal «Korrespondent» kürzlich veröffentlichte, steht der Oligarch auf Platz zwei; nur Premierministerin Julia Timoschenko hat mehr zu sagen im Land. Offiziell ist Achmetow «nur» Parlamentsabgeordneter für die russlandfreundliche Partei der Regionen. Bei Beobachtern gilt er aber als Financier der Partei - und als starker Mann hinter dem früheren Ministerpräsidenten Wiktor Janukowitsch.

Nach der sogenannten Orangen Revolution, als die Volksmassen in Kiew Janukowitsch wegen Wahlfälschungen zum Teufel schickten, soll Achmetow getobt haben - obwohl doch die Farben seines Klubs Orange-Schwarz sind. Doch die Sorgen waren nicht unbegründet: Die orange Regierung unter Timoschenko nahm dubiose Privatisierungen unter die Lupe. Und wurde offenbar fündig: Achmetow hatte vor der Revolution das gigantische Stahlwerk Kriworoschstal für läppische 800 Millionen Dollar gekauft. Timoschenko machte den Deal rückgängig, das Werk wurde für 4,8 Milliarden Dollar an die indische Mittal-Steel-Gruppe verkauft.

Ein neues Stadion und Spitzenlöhne

Achmetows teuerstes Spielzeug aber, Schachtjor Donezk, bleibt fest in seinen Händen. Der Oligarch steckt weiterhin riesige Summen in den Klub: Allein im vergangenen Sommer kaufte er neue Spieler für über 120 Millionen Franken. Schachtjor bezahlt selbst für westliche Verhältnisse fürstliche Gehälter. Zudem baut der Klub ein neues Stadion, es soll im nächsten Jahr eröffnet werden. Sein Ziel sei es, Schachtjor auf europäisches Spitzenniveau zu bringen, sagt Achmetow. In der Champions League, wo der Klub heute auf den FC Basel trifft, wollen die Ukrainer die Gruppenphase überstehen - etwas, das ihnen bisher nicht geglückt ist.

Nach Europa schielt Achmetow auch, wenn es um seinen eigenen Ruf geht: Er plant offenbar, künftig auch im Westen zu geschäften. Da kann er schlechte Presse nicht brauchen. Seine Anwälte haben bereits eine ukrainische Internetzeitung verklagt wegen kritischer Artikel. Auch die «Neue Zürcher Zeitung» musste im vergangenen Jahr zurückkrebsen: In einem Artikel bezeichnete sie Achmetow als «ehemaligen Mafiosi». Kurz darauf folgte eine «Klarstellung»: Achmetows Anwalt teilte mit, es gebe keine Verbindung zwischen Achmetow und dem organisierten Verbrechen in der Ukraine.

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