Zufriedenheit auch dank «Monsieur YB»

Durchatmen angesagt: Einmal mehr wechselten sich bei den Berner Young Boys Licht und Schatten ab – auf, aber auch neben dem Rasen. Das zweite Halbjahr 2016 in Bildern.

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Fabian Ruch

76 Punkte hat YB im Kalenderjahr 2016 in 36 Partien in der Super League geholt. Es ist eine meisterliche Bilanz – und doch werden die Young Boys in diesem Schaltjahr an keinem der 366 Tage ein aussichtsreicher Titelkandidat gewesen sein. Dank einer massiven Leistungssteigerung in den letzten Wochen – mit nun fast dreieinhalbmonatiger Ungeschlagenheit in der Liga – dürfen sie aber trotz Basler Dominanz auch zufrieden auf das abgelaufene Halbjahr mit 31 Pflichtspielen in viereinhalb Monaten blicken. «Es war eine strenge, intensive Zeit», sagt Trainer Adi Hütter. «Und ich denke, unter dem Strich ist unsere Bilanz gut, wir erreichten unsere Ziele. Wir sind im Cupviertelfinal, stehen in der Liga auf Rang 2, erreichten eine europäische Gruppenphase. Leider schieden wir in der Europa League ziemlich unglücklich aus und verpassten somit unser letztes Ziel im Europacup.»

Das Beispiel Schick

Die Young Boys blicken auf ein turbulentes Halbjahr zurück. Mit Höhepunkten wie in der Champions-League-Qualifikation gegen Schachtar Donezk (2:0) Anfang August und heftigen Rückschlägen wie den zehn Gegentoren innerhalb von drei Tagen in Gladbach (1:6) und bei GC (1:4) Ende August. «Davon erholten wir uns sofort, unsere Defensive stand danach deutlich besser», sagt Hütter. «Darauf legten wir den Fokus.» Leider habe YB während der gesamten Vorrunde ständig mehrere Verletzte gehabt. «Und es waren halt auch Spieler regelmässig dabei, die wir nicht so ­einfach ersetzen können.»

Zum Beispiel, es sei noch einmal erwähnt, Guillaume Hoarau. Den «Monsieur YB» auf dem Spielfeld, der mit seiner Torgefährlichkeit, Klasse, Präsenz oft den Unterschied ausmachte. In der Super League, aber auch in der Europa League. Hoarau ist wenig überraschend Hütters «YB-Spieler der Vorrunde», selbst wenn der Trainer seine Wahl selber wenig kreativ findet und einschränkt, er möge es ohnehin nicht besonders, einzelne Fussballer herauszuheben. «Aber bei Hoarau sieht ja jeder, wie wertvoll er ist.»

Yoric Ravet überzeugte im Herbst ebenfalls, bis auch er sich verletzte. Und besonders zufrieden ist Hütter mit den Fortschritten der jungen Akteure wie Goalie Yvon Mvogo oder den Mittelfeldspielern Denis Zakaria und Leonardo Bertone. Stei­gerungspotenzial besitzen der begnadete Linksfuss Miralem Sulejmani, Königstransfer 2015, ­sowie Stürmer Michael Frey, ­Königstransfer 2016. Sulejmani schlägt sich immer wieder mit Blessuren herum, Frey setzt sich oft zu sehr unter Druck, bewies zuletzt aber wie Thorsten Schick Aufwärtstendenz. «Schick hat gezeigt, dass man mit harter Arbeit viel erreichen kann», sagt Hütter.

Basel nicht weit weg

Der Trainer freut sich aber vor allem über die allgemeine Entwicklung seines Teams. «Wir reagierten stark, als die Ergebnisse im Spätsommer kurz nicht stimmten.» Damals hätten intensive Gespräche stattgefunden, einmal versammelte er sich sogar ohne den Rest der Trainercrew mit den Fussballern zu einer Aussprache. Die Spieler bestätigten später, es habe gut getan, offen untereinander diskutiert zu haben. In den erfolgreichen Herbstwochen erhielt man den Eindruck, die Stimmung im Betrieb sei trotz ständigen Verletzungen gut. «Wir rückten noch enger zusammen», sagt Captain Steve von Bergen. «Und es ist uns gelungen, fast wieder so stabil zu agieren wie im Frühling.» Insgesamt aber büsste YB bei zu vielen Unentschieden wertvolle Zähler ein, die Effizienz im Abschluss liess in Abwesenheit Hoaraus stark zu wünschen übrig.

Und so schmerzen die 12 Punkte Rückstand auf das selten starke, aber stets stabile Basel. Denn wenn man die Kader vergleicht, spricht vielleicht einzig die leicht besser besetzte Ersatzbank für den FCB. Auch YB-Coach Hütter muss jedenfalls lange überlegen, als er gefragt wird, welcher Basel-Spieler zwingend einen Stammplatz bei den Young Boys hätte. Vielleicht würde Renato Steffen am Flügel eine Verstärkung gegenüber dem oft blassen Sulejmani darstellen, Michael Lang wäre wohl in der Defensive ein Upgrade. Und einen Spielmacher, wie es Matias Delgado beim FCB ist, gibt es im YB-System nicht. Aber sonst? Nehmen sich die zwei Teams qualitativ nicht viel.

Junge integriert

Die Tabelle sagt etwas anderes. «Und die zählt», sagt Hütter. «Der FCB war konstanter als wir und gewann halt viele Spiele in der Schlussphase.» Der Coach glaubt trotzdem, dass YB einen Schritt weiter sei als vor sechs Monaten. «Wir sind gewachsen, wir haben neue Junge integriert. Und es ist ja unsere Philosophie, stark auf Talente zu setzen», sagt Hütter.

Und im Übrigen, das sei an dieser Stelle auch noch erwähnt, drängt sich mit Ausnahme von Guillaume Hoarau auch keiner von den Young Boys zwingend als Stammkraft beim FC Basel auf.

Berner Zeitung

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