Die weisse Weste verloren, die Punkte nicht

Die Young Boys bleiben nach dem 3:2 in Luzern verlustpunktlos. Guillaume Hoarau feiert sein Jubiläum mit zwei Toren, Nicolas Ngamaleu drängt sich auf.

Dem ersten Punktverlust von der Schippe gesprungen: Nicolas Ngamaleu feiert sein Tor zum 2:1 spektakulär.

Dem ersten Punktverlust von der Schippe gesprungen: Nicolas Ngamaleu feiert sein Tor zum 2:1 spektakulär.

(Bild: Claudio de Capitan (Freshfocus))

Dominic Wuillemin

David von Ballmoos liegt am Boden, die weisse Weste ist befleckt. In Luzern läuft die 67. Minute, als der YB-Goalie nach einem Penalty von Pascal Schürpf erstmals in dieser Saison bezwungen ist – nach 337 Minuten. Die Young Boys mögen von Sieg zu Sieg eilen, den einen Rekord aber brechen sie nicht: Zum Start der Saison 1975/1976 waren sie fünfmal in Folge ohne Gegentor geblieben. Allerdings hatten die Berner damals dreimal torlos unentschieden gespielt.

(Nach dem versenkten Penalty von Schürpf, verliert der ungeschlagenen Goalie David von Ballmoos seine weisse Weste.)

So etwas ist bei der aktuellen YB-Ausgabe unvorstellbar. Gestern erzielten die Young Boys im 35. Spiel in Folge einen Treffer. Mit ihren Offensivqualitäten nehmen sie all jenen, die auf einen Ausrutscher des verlustpunktlosen Leaders hoffen, rasch die Zuversicht. Nicolas Ngamaleu lässt den überforderten Marvin Schulz an der Mittellinie aussteigen, danach ist der schnelle Kameruner nicht mehr einzuholen. Er bezwingt Goalie Mirko Salvi cool mit einem Schuss in die kurze Ecke.

(Ngamaleu trifft nach einem Spurt über das halbe Spielfeld zum 1:2.)

Fünf Minuten später erhöht Guillaume Hoarau mit seinem zweiten Treffer per Penalty auf 3:1. «In der Phase vor dem Ausgleich hatten wir Mühe», sagt YB-Trainer Gerardo Seoane, der nach elf Jahren beim FCL erstmals in Luzern gastiert und von den Fans mit unschönem Transparent und Sprechchören bedacht wird. «Kompliment an mein Team, wie es auf das 1:1 reagiert hat. Das war souverän.»

Angeschlagener Captain

Es ist eine eindrückliche Antwort und die vermeintliche Entscheidung. Doch die unterhaltsame Partie auf unebenem Terrain hält ein Schlussbouquet bereit. Die Luzerner verkürzen in der 88. Minute durch Valeriane Gvilia auf 2:3. Die Young Boys benötigen in der Folge Glück, um zum vierten Sieg in Folge zu kommen. Schiedsrichter Stephan Klossner verwehrt dem Heimteam in der Nachspielzeit nach Hands von Kevin Mbabu einen Penalty.

(Gvilia schiesst per Kopf zum 2:3 Endresultat.)

Es wäre der dritte Handelfmeter gewesen. Vor dem 1:1 der Innerschweizer war der Ball Gregory Wüthrich an den Ellbogen gesprungen. Vor dem 3:1 berührte Schürpf den Ball unabsichtlich mit dem Arm. Es waren zwei sehr strenge Entscheide. Hätte der Unparteiische denselben Massstab bei der Aktion Mbabus an­gewendet, wäre ein Penaltyentscheid unumgänglich gewesen.

So aber wankt der Leader nur, er ist angeschlagen und leidet, fällt aber nicht. YB hat nach vier Partien schon fünf Punkte Vorsprung auf Basel und Zürich, die Verfolger duellieren sich am nächsten Spieltag. «Es war eine schwierige Partie», sagt Guillaume Hoarau, der eine Matchwinner. Der andere, Ngamaleu, sagt: «Wir mussten uns diesen Erfolg hart erarbeiten.» Sinnbildlich war die Auswechslung Steve von Bergens in der 78. Minute, der Captain beklagte ein Ziehen im Bein. «Er hätte gerne weitergespielt, aber ich wollte nichts riskieren», sagt Seoane. Das Playoff zur Champions League rückt näher.

Chance für Nsame?

Der Abwehrchef ist im Berner Kader alternativlos, im Angriff hat Seoane dagegen die Qual der Wahl – das ist eine Erkenntnis der gestrigen Partie. Ngamaleu ersetzte den verletzten Roger Assalé vorzüglich, er tat der unsortierten Luzerner Defensive mit seinen Läufen in die Tiefe Mal für Mal weh, das herrliche 2:1 samt spektakulärem Jubel war die Veredelung seiner Darbietung. «Er kommt immer besser in Fahrt», sagt Seoane. Meisterschütze Jean-Pierre Nsame kam derweil einmal mehr nur zu einem Teileinsatz.

Gut möglich, dass der YB-Trainer Nsame am Samstag in der ersten Runde des Cups beim FC Biel von Beginn an nominieren wird, Hoarau dürfte eine Pause erhalten. Der Franzose bestritt gestern seine 100. Meisterschaftspartie für die Young Boys, erzielte die Treffer 71 und 72. Wer solche Stürmer in seinen Reihen weiss, kann es verkraften, nicht zu null zu spielen.

Berner Zeitung

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