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Die Verwandlung von GC

Nach fünf Runden war GC Letzter und wurde mit Spott und Hohn überschüttet. Jetzt ist das Team kaum mehr wiederzuerkennen und schlägt die Titelanwärter Basel und YB.

Stephan Roth
Jugendlicher Elan: Die 18-jährigen Nassim Ben Khalifa und Steven Zuber (rechts).
Jugendlicher Elan: Die 18-jährigen Nassim Ben Khalifa und Steven Zuber (rechts).

Manchmal braucht es im Fussball keine Transfers und auch keinen Trainerwechsel, um eine Mannschaft vom Weg des Misserfolgs auf die Siegerstrasse zu lenken. Das beste Beispiel dafür sind die Grasshoppers.

Am 8. August 2009 verlor GC im Letzigrund gegen Aufsteiger St. Gallen 1:3 und war mit nur drei Punkten aus fünf Spielen Letzter der Super League. Was damals wohl kaum einer jener, die über die Zürcher lachten und über Trainer Ciriaco Sforza lästerten, wusste: Es sollte die letzte Heimniederlage des Rekordmeister (27 Titel) sein.

Acht Monate später präsentiert sich GC ganz anders. Nach den Young Boys (2:1) schlug das Sforza-Team am Sonntag mit dem FC Basel auch den zweiten Meisterschaftsanwärter (4:0) diskussionslos.

Besonders erstaunlich ist die Verwandlung, wenn man die Aufstellungen der letzten Heimniederlage und der jüngsten Gala-Vorstellung (siehe links) vergleicht.

Das neue System

Sforza änderte das System. Ricardo Cabanas spielt nicht mehr im defensiven, sondern nun im offensiven Mittelfeld. Der Routinier, den Sforza nach schwachen Leistungen zwischenzeitlich aus der Schusslinie genommen und auf die Bank gesetzt hatte, blühte in der neuen Rolle auf und hat inzwischen acht Treffer auf dem Konto. Auch gegen den FCB gehörte der Ex-Internationale wieder zu den Torschützen. Im defensiven Mittelfeld zieht nun Veroljub Salatic die Fäden und dirigiert seine Mitspieler so gestenreich, wie es einst Sforza tat.

Die Rückkehr von Smiljanic

In der Abwehr wirkte die Rückkehr von Boris Smiljanic, der Anfangs verletzt gewesen war, Wunder. Ausserdem brach Sforza das missglückte Experiment, mit dem jungen Lausanner Offensivspieler Vullnet Basha als Linksverteidiger, ab und setzt auf den fleissigen Kay Voser.

Die Veränderungen auf den Flügelpositionen erfolgten unfreiwillig. Mit Davida Callà und Nenad Lulic verletzten sich zwei Spieler, die zu den Leistungsträgern gehörten. An ihrer Stelle wirbeln nun der 18-jährige Steven Zuber, der in den letzten Wochen zur Entdeckung wurde und gegen Basel das 1:0 schoss, sowie Topskorer Gonzalo Zarate. Im Zentrum ergänzt der 19-jährige Kongolese Nzuzi Bundebele, genannt «Toko», mit seiner Betriebsamkeit das Gefüge und verhilft der Mannschaft zu einer guten Balance.

Ausserdem rutschte U17-Weltmeister Nassim Ben Khalifa, der im Sommer nach Wolfsburg wechseln wird, für den verletzten Vincenzo Rennella, als Stürmer ins Team.

Sforza erneut mit Fehlstart, aber mit Ruhe und Gespür

In der Negativphase behielt Trainer Sforza die Nerven. Er diskutierte nach den Niederlagen nicht nur mit den aufgebrachten Fans, sondern auch mit seinen Spielern. Er hörte ihnen zu, ging auf sie ein und zeigte ein Gespür für sie, das ihm manche nicht zugetraut hatten.

Dem ehemaligen Weltklassespieler halfen dabei auch die Erfahrungen in Luzern. Auch dort hatte sein Team jeweils nach harter Vorbereitung einen Fehlstart hingelegt und danach stark zugelegt.

Lohnreduktion mit Signalwirkung

Während der Zeit der sportlichen Verwandlung vom Tabellenletzten zum zweitbesten Team der Rückrunde musste GC auch noch eine grosse Sparrunde bewältigen. Dass die bestbezahlten Spieler wie Smiljanic und Cabanas, den schon das Etikett der Abzocker angeheftet worden war, dabei auf am meisten Geld verzichteten, stärkte den Zusammenhalt und Identifikation im Verein und im Team.

Es entstand ein neuer Esprit im Campus von Niederhasli, eine neue Lust und Unbeschwertheit. Das mit vielen jungen Spielern gespickte Team entwickelte wieder den Stolz das Trikot des 27-maligen Meisters zu tragen. Oder wie es Mittelfeld-Abräumer und -Stratege Veroljub Salatic nach dem Triumph gegen den FC Basel sagte: «Wir sind stark, wir sind wieder jemand.»

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