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Die Thuner Evolution

Der FC Thun hat in den letzten Wochen einen erstaunlichen Wandel vollzogen. Am Mittwoch kann er sich im Heimspiel gegen den ­FC Zürich vorzeitig den Klassenerhalt sichern.

Am Boden gelegen, aufgestanden, zum Siegen gefunden: Der FC Thun hat sich in den letzten Wochen kontinuierlich verbessert.
Am Boden gelegen, aufgestanden, zum Siegen gefunden: Der FC Thun hat sich in den letzten Wochen kontinuierlich verbessert.
Keystone

Er scheint jetzt weit weg, in diesen Wochen, in denen die Thuner viel gewinnen und fast nie verlieren. Doch es gab ihn, den Moment, an dem die Zukunft des FC Thun an einem seidenen Faden hing.

Es war im ersten Spiel nach dem 2:7 in Sitten, die Oberländer empfingen Mitte März Lausanne, und es lief die 49. Minute, als Benjamin Kololli beim Stand von 0:0 zum Penalty antrat. Einen Gegentreffer hätte das gehemmt agierende Heimteam vielleicht nicht verkraftet, womöglich wäre die sechste Niederlage in Folge die eine zu viel gewesen – nicht für Trainer Marc Schneider, aber für die Psyche der Spieler, das Team, den Club als Ganzes.

Die Stimmung aus diesen Tagen ist in einem Videotalk mit Sportchef Andres Gerber auf der Clubwebsite festgehalten, während fünfzehn Minuten setzt er sich kämpferisch gegen Vorwürfe aus dem Fanlager zur Wehr, er setzt sich leidenschaftlich für seinen FC Thun ein, der, wie er im Gespräch mehrmals sagt, sein Leben sei.

Doch Goalie Guillaume Faivre lenkte den Elfmeter mit einer grossartigen Parade an den Pfosten. Das 0:0 ist im Rückblick der Beginn der Thuner Evolution, welche den Club knapp zwei Monate später bis auf Platz 6 geführt hat. Gewinnt der FCT das Heimspiel gegen den FC Zürich (Mittwoch, 20 Uhr), ist der Klassenerhalt gesichert, einmal mehr vorzeitig, wie immer seit dem Wiederaufstieg 2010. Das ist erstaunlich, weil der FC Thun heuer zu kämpfen hatte wie nie in den letzten acht Jahren.

Rapps Abgang ohne Folgen

Es begann im Sommer mit drei Niederlagen und zog sich fast durch die komplette Saison hindurch. Es musste Frühling werden, bis die Oberländer erstmals drei Partien in Folge ungeschlagen blieben. So waren sie von Beginn an unten drin und blieben es, erst Ende April waren sie besser als Rang 7 klassiert.

Als Thun am vergangenen Sonntag GC 2:1 besiegte, sagte Gerber, das sei die komplizierteste Saison, seit er Sportchef ist. Das will etwas heissen, letztes Jahr hatte der Club ­etwa einen Spendenaufruf sowie den vorzeitigen Abgang von Trainer Jeff Saibene zu verarbeiten.

Unter solchen Umständen wie heuer ist es schwierig, ein Team zu entwickeln, zumal die vielen Verletzungen (zeitweise fehlten zehn Spieler) Trainer Marc Schneider immer wieder zu Umstellungen zwangen.

Und da war ja auch noch der Verkauf von Simone Rapp: Dem Stürmer brachte das stärkste Halbjahr im Thuner Trikot einen gut dotierten Vertrag in Lausanne ein, dem Verein einen wertvollen Zustupf in die Clubkasse, aber auch viel Kritik.

Es sei ein Tabu, den erfolgreichsten ­Angreifer an einen Konkurrenten zu verkaufen, wurde den Oberländern vorgeworfen. Nun dürften sie ohne Rapp mehr Punkte holen als mit ihm, derweil befindet sich der Tessiner mit Lausanne in akuter Abstiegsgefahr.

Lauper ja, Spielmann nein

Die Oberländer sind weiterhin darauf angewiesen, dass Gerber Jahr für Jahr mit Spielerverkäufen Einnahmen generiert, insofern hat der Abgang Rapps den Druck auf den Sportchef erheblich minimiert. Und doch ist jenes Team, das den Zuschauern in der Stockhorn-Arena zuletzt schöne Momente bescherte, eines mit Ablaufdatum.

Sandro Laupers Wechsel zu YB steht seit geraumer Zeit fest, er dürfte bald kommuniziert werden. Der beidfüssige und polyvalent einsetzbare Marvin Spielmann ist laut gut unterrichteter Quelle zwar kein Thema in Bern, der Offensivakteur, mit 12 Toren bester Thuner Torschütze, dürfte aber das Interesse von vielen Clubs auf sich ziehen.

«Derzeit ist es völlig offen, ob er bleibt oder nicht», sagt Gerber. Bei Matteo Tosetti, mit 15 Assists bester Vorbereiter der Liga, kann sich der Sportchef derweil vorstellen, dass er auch nächste Saison in Thun spielt. Natürlich nur, wenn tatsächlich der Klassenerhalt gelingt.

Brachliegendes Potenzial

Wegen der ungewissen Zukunft war die Kaderplanung in den letzten Wochen blockiert, nun dürfte sie bald Konturen annehmen. Im Falle von Grégory Karlen wollen und können die Oberländer die Kaufoption ziehen, der Walliser Mittelfeldspieler will in Thun bleiben.

Gerber sagt, das Gerüst stehe, er rechnet damit, dass mindestens zwei Drittel des jetzigen Kaders auch nächste Saison das Thuner Trikot tragen werden. Darunter befinden sich etliche Akteure mit Steigerungspotenzial. Roy Gelmi, der vermeint­liche Königstransfer des letzten Sommers, hat in den vergangenen Wochen seine Qualitäten als Abwehrchef angedeutet.

Flügel Dominik Schwizer, im Winter aus der Challenge League geholt, wurde von Verletzungen zurückgeworfen, letzten Sonntag gegen GC gab er sein Debüt. Und da ist auch Nicolas Hunziker, im Sommer geholt und von vielen schon abgeschrieben, der mit zwei Toren gegen GC zum Matchwinner avancierte. Vielleicht wird er mit knapp einem Jahr Verspätung doch noch zur Verstärkung.

Nach dem Sieg gegen GC sah sich Sportchef Gerber in einem ruhigen Moment die Tabelle vom 18. März an. Nach dem 0:0 gegen Lausanne waren die Oberländer als Zweitletzter in die Länderspielpause gegangen, der FC Zürich hatte als Fünfter zehn Punkte mehr auf seinem Konto. Heute, knapp zwei Monate später, können die Thuner mit einem Sieg gleichziehen.

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