Die Kehrseite des YB-Erfolgs

Der personelle Umbruch bei den Young Boys im Sommer wird massiv ausfallen. Die talentierten Fussballer im Team haben sich für Topligen empfohlen.

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Fabian Ruch

Man ist ja immer noch ein wenig berauscht vom grandiosen Osterspektakel, welches YB und der FC Basel vorgestern beim 2:2 im ­Stade de Suisse zelebrierten. Der «Tages-Anzeiger» zitierte mit seinem Titel gar Goethes Faust: «Verweile doch! Du bist so schön!» Und man fragt leicht euphorisiert: Ach, wieso ist nicht 36-mal in einer Saison YB versus FCB? Wobei: Der Zauber des Klassikers zwischen Bernern und Baslern ginge gewiss verloren bei einer derartigen Reizüberflutung.

Die besten und grössten Vereine des Landes drehten am Montag einen rasanten Werbespot für den Schweizer Clubfussball (oder eher für YB und Basel). Nun aber ist wieder Alltag, YB tritt am Sonntag in St. Gallen an, der FCB in Lugano. Und irgendwann im April oder Mai dürfte YB die erste Meisterschaft seit 1986 feiern.

Viele Scouts beim Spiel

Die Berner Clubvertreter nehmen zwar keine Stellung zu den Planungen der Feierlichkeiten, aber hinter den Kulissen wird fleissig überlegt, wo die Meisterparty über die Bühne gehen könnte. Die Stadt Bern dürfte angesichts der Menschenmassen zu eng sein, vielleicht eignet sich die Allmend gegenüber dem Stade de Suisse. Man wird es erfahren. Es sind angenehme Probleme für YB.

Komplizierter gestaltet sich die Kaderplanung. Auch am Montag besetzten Beobachter aus grossen Ligen Dutzende Plätze im Stade de Suisse. «Ich habe die Liste gesehen», sagt Christoph Spycher, «es waren viele Scouts da.» Der Sportchef weiss, dass einige Akteure gehen werden.

Der fliegende Rechtsverteidiger Kevin Mbabu wird von mehreren Vereinen umworben wie der robuste Innenverteidiger Kasim Nuhu und der flinke Angreifer Roger Assalé. Für das sehr talentierte Trio wird es entscheidend sein, den nächsten Arbeitgeber umsichtig auszuwählen. Alle drei besitzen das Potenzial, dereinst bei einem europäischen Topclub zu agieren – aber es wäre sinnvoller, einen Zwischenschritt einzulegen. Vielleicht nach dem Motto: besser Leverkusen als Liverpool.

Auch der smarte Taktgeber Djibril Sow steht längst auf der Liste ausländischer Vereine. Sein Konkurrent Leonardo Bertone ist derweil unzufrieden mit seiner Rolle, er ist zu stark für die Bank. Und könnte wie Reservist Marco Bürki, der nach Belgien zu Waregem wechselt, YB verlassen. Dazu sind die Verträge mit den wertvollen Routiniers Steve von Bergen und Miralem Sulejmani noch nicht verlängert worden.

Auch die Routiniers sind stark

Die Scouts kamen, um die begabten Kräfte der Young Boys (und Basel) in einer grossen Partie zu beobachten. Und sie sahen auch einen erneut überragenden Sékou Sanogo (28). Der Ivorer würde längst im Ausland spielen, wäre sein Knie nicht in einem derart schlechten Zustand, dass seine Verpflichtung aus ärztetechnischer Sicht problematisch ist.

Die Späher sahen auch einen treffsicheren Guillaume Hoarau, der in sieben Auftritten nach der Winterpause neun Tore geschossen hat. Der Franzose ist 34, er will die Fussballwelt nicht mehr erobern, es gefällt ihm in Bern sehr. Hoarau könnte man sich aber problemlos immer noch in einer Top-5-Liga vorstellen. Doch er wird die Karriere wohl in Bern beenden.

Wie Steve von Bergen, der vermutlich für eine weitere Saison unterschreiben wird. Der bald 35-jährige Captain befindet sich seit Monaten in meisterlicher Verfassung. Gegen Basel rettete er zweimal fantastisch bei den Valentin-Stocker-Topchancen. «Er denkt immer mit», sagt Goalie Marco Wölfli, «auf ihn ist Verlass.» Nachdem von Bergen den Pfostenschuss Stockers irgendwie von der Linie befreit hatte, schlug er die Hände fassungslos über dem Kopf zusammen.

Thuns Lauper ein Kandidat

Es war vorgestern eine Partie mit vielen Geschichten und Gesichtern. Und das Gesicht des YB-Teams wird sich in den nächsten zwei Jahren eklatant verändern, auch Loris Benito, Christian Fassnacht, Goalie David von Ballmoos und vor allem Toptalent Jordan Lotomba sind Kandidaten für einen Auslandtransfer – wohl erst ab 2019.

Sportchef Spycher und Chefscout Stéphane Chapuisat müssen bei all den personellen Veränderungen auf dem Spielermarkt erneut umsichtig agieren. Auch sie beobachten die Szene intensiv. Und könnten möglicherweise unter anderem mal wieder beim kleinen Kantonsnachbarn fündig werden. Der torgefährliche Offensivspieler Marvin Spielmann, 22 Jahre jung, ist bereit für den nächsten Schritt. Und auch Sandro Lauper, ehemaliger YB-Junior, überzeugt beim FC Thun. Er passt perfekt ins Stadtberner Beuteschema: jung, begabt, polyvalent. Der elegante Lauper, 21-jährig, ist im zentralen Mittelfeld sowie in der Innenverteidigung einsetzbar.

Allerdings wird Sandro Lauper dem Vernehmen nach auch bereits von Bundesligisten umworben. Die ausländischen Scouts besuchen in der Super League nicht nur die Topspiele.

Berner Zeitung

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