Die Frauen spuren für Petkovics Mannen vor

Nach zwei vergebenen Matchbällen kämpft das Schweizer Frauen-Nationalteam ab Freitag gegen Belgien um das Ticket für die WM 2019 in Frankreich.

Sie will die Schweizerinnen noch viermal betreuen: Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Sie will die Schweizerinnen noch viermal betreuen: Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

(Bild: Keystone Piotr Polak)

Sie war gespannt, in welcher mentalen Verfassung sie ihre Spielerinnen antreffen würde. Letzten Montag traf sich das Frauen-Nationalteam von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg in Brüssel, um die Zusatzschlaufe für die WM 2019 in Angriff zu nehmen. «Der Dämpfer der verpassten Matchbälle ist nicht vergessen», sagt Arsenal-Mittelfeldspielerin Lia Wälti. Sie und ihre Kolleginnen spuren für die Männer vor, die nächste Woche Freitag in der Nations League in Belgien ranmüssen.

Parallelen zu den Schweizer Männern gab es auch in der Qualifikation. Die Mannschaft von Vladimir Petkovic hatte in der WM-Qualifikation alle bis auf eine letzte Partie gewonnen und musste gegen Irland in die Barrage. Die Frauen haben nach sechs Spielen und 18 Punkten in den beiden letzten Spielen das direkte Ticket für die WM 2019 in Frankreich verpasst. In den Partien gegen Schottland (1:2) und Polen (0:0) resultierte nur ein Punkt und auch die Frauen müssen nun den Umweg via Barrage nehmen. Aber der ist etwas steiniger als bei den Männern. Die Frauen müssen zwei Zusatzschlaufen überstehen.

Es fehlt der Erfahrungsschatz von 350 Länderspielen

«Es galt unter der Woche dem Team zu vermitteln, was es heisst, Barrage zu spielen.» Denn viel Erfahrung habe ihr Team nicht mit solchen Situationen. Seit der EM 2017 hat Voss-Tecklenburg den Erfahrungsschatz von 350 Länderspielen verloren. «Der Druck, der auf den vier, fünf Leistungsträgerinnen lastete, war gross», sagt Lia Wälti, die gegen Polen gesperrt war.

Die 76-fache Internationale ist eine der Führungsspielerinnen, auf deren Schultern auch gegen Belgien viel Verantwortung lastet. «Ich denke nicht gerne zurück, will lieber den Blick nach vorne richten», so die Mittelfeldspielerin. «Allerdings nicht zu weit nach vorne, denn wir wissen: Den November gibt es nicht, wenn wir den Oktober nicht überstehen.»

50:50 sei kein Understatement

Gegen Belgien, die Nummer 23 im Fifa-Ranking, erwarten die Schweizerinnen (Rang 18 im Fifa-Ranking) ein Duell auf Augenhöhe, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden. Belgien komme in einer Euphorie in dieses Duell und fühle sich schon als Gewinner, nachdem in der Qualifikation wenig darauf hingewiesen habe, dass sich für die Mannschaft mit ManCity-Superstar Tessa Wullaert, Rekordtorschützin der Belgierinnen (65 Länderspiele/37 Tore), noch die Chance via Barrage auftun könnte. «Ein wichtiges Auswärtstor», sieht Wälti entscheidend für einen Erfolg an, «wir müssen unsere Chancen besser ausnützen, nachdem wir zuletzt häufig im Abschluss gesündigt haben.» Und Trainerin Voss-Tecklenburg sagt: «Die Chancen stehen 50:50, und das ist kein Understatement.»

Die Schweizer Erfolgstrainerin wäre schon weg, hätte sich das Team für die WM direkt qualifiziert. Der Vertrag als künftige deutsche Bundestrainerin ist unterschrieben. Offen ist, wann sie ihren Job antritt. Ende Oktober? Ende November? Im Erfolgsfall gegen Belgien käme es im November zum Playoff-Final gegen den Sieger aus der Begegnung zwischen Europameister Holland und EM-Finalist Dänemark.

«Ich habe von Anfang an alle Szenarien in Betracht gezogen», so die 51-jährige Duisburgerin. Aber das sei derzeit kein Thema. Voss-Tecklenburg ist seit Februar 2012 Trainerin der Schweizerinnen, führte die sie 2015 erstmals in der Verbandsgeschichte an eine WM, und klar, sie will mit einem Erfolgserlebnis abschliessen. «Jedes Turnier bringt eine Nation und ein Team weiter. Und wir wollen natürlich an dieser WM dabei sein», sagt sie.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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