Die Erinnerung an den 24. Mai 1995

Ajax Amsterdam besitzt die vielleicht weltbeste Nachwuchsausbildung. Genau 22 Jahre nach dem Gewinn der Champions League strebt der Traditionsklub am Mittwoch im Europa-League-Final endlich wieder einen grossen Titel an.

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Morgen ist Patrick Kluiverts Sternstunde in Wien genau 22 Jahre her. Am 24. Mai 1995 er­zielte der Jungstürmer, erst 18 Jahre alt, kurz nach seiner Einwechslung in der 85. Minute das 1:0-Siegtor für Ajax Amsterdam im Champions-League-Final gegen das damals sehr grosse Milan.

Ajax, dieser ruhmreiche, legendäre Verein aus Holland, begeisterte unter Anleitung des Trainers Louis van Gaal mit seinem wilden, stürmischen Talentschuppen, erreichte eine Saison später erneut das Endspiel der Königsklasse gegen Juventus – und erinnerte stark an die äusserst erfolgreichen Zeiten mit dem magischen Johan Cruyff etwas mehr als zwei Jahrzehnte vorher.

Sprungbrett für viele Stars

Vor 22 Jahren besass Ajax meh­rere Fussballer von Weltklasseformat, erinnert sei an Goalie Edwin van der Sar, an Frank Rijkaard und die Zwillinge Frank und Ronald de Boer, an Clarence Seedorf und Edgar Davids, Jari Litmanen und Marc Overmars sowie eben Torjäger Patrick Kluivert.

Diese goldene Mannschaft brach später auseinander, die Akteure zog es zu den gut betuchten Organisationen des Weltfussballs. Und Ajax gelang es seither nie mehr, kontinentales Topniveau zu erreichen – obwohl der Klub Champions-League-Stammgast ist.

Als ausgesprochene Talentschmiede aber galt der holländische Traditionsverein stets, viele Topstars wie Zlatan Ibrahimovic, Wesley Snejider oder Luis Suarez realisierten auch später ihren Durchbruch in Amsterdam.

Durchschnittsalter knapp 23

Nach 1997 stand Ajax jedoch nur noch je einmal im Viertelfinal der Europa League (1998) sowie der Champions League (2003), die reichere Konkurrenz aus mächtigen Ligen erwies sich als zu stark. Nun aber steht der holländische Rekordmeister (33 Titel, letztmals 2014) endlich wieder einmal in einem europäischen Endspiel – und trifft am Mittwochabend im schwedischen Solna auf Manchester United.

Das klingt nach ganz grossem Fussball, es ist eine Art Revival, und Ajax besitzt die Aussicht, als erster Verein nach der Champions League (1971–­1973 und 1995), dem Uefa-Cup (1992) und dem Europacup der Pokalsieger (1987) auch die Europa League zu gewinnen. «Wir sind Aussenseiter», sagte Trainer Peter Bosz nach dem dramatischen Sieg im Halbfinal gegen Lyon (4:1, 1:3). «Aber diese Rolle liegt meinen jungen, selbstbewussten Spielern ausgezeichnet.»

Der 53-jährige Bosz spielte nie bei Ajax, erlebte eine ordentliche, aber keine grandiose Karriere als Fussballer und Trainer – und trat letzten Sommer die Nachfolge des langjährigen Ajax-Coaches Frank de Boer an. In der heimische Eredivisie triumphierte in dieser Saison zwar erstmals seit 1999 Rivale Feyenoord Rotterdam, doch der Höhenflug im Europacup sorgt in Amsterdam für schier grenzenlose Fussballeuphorie.

Was vor allem daran liegt, dass die junge, spielfreudige, talentierte Truppe mit einem Durchschnittsalter von knapp 23 Jahren stark an jenes Team um Seedorf, Kluivert und Overmars erinnert.

Offensiv

Im Kader stehen jede Menge hochbegabter Akteure wie der überragende Stürmer Kasper Dolberg (19 Jahre), die ­Innenverteidiger Davinson Sanchez (20) und Matthijs de Ligt (17), die Taktgeber Davy Klaassen und Hakim Ziyech (beide 24) oder die Flügelspieler Bertrand Traoré (21), David Neres (20) und Amine Younes (23), der vor wenigen Tagen erstmals in die deutsche Nationalmannschaft für den Konfed-Cup im Sommer aufgeboten wurde.

Ajax steht wieder eine multikulturelle Belegschaft aus vielen Ländern zur Verfügung, wobei nahezu jeder Akteur mit ausländischen Vereinen in Verbindung gebracht wird. Der erneute Ausverkauf wird dem Klub in den nächsten Jahren weit über 100 Millionen Franken Ab­lösesumme einbringen.

Ajax begeisterte in der Europa League oft mit attraktivem, schnellem Offensivfussball und beeindruckendem Pressing, im Hinspiel gegen Lyon stellte die Equipe mit sechzehn Schüssen einen Europa-League-Rekord auf.

Der Anteil von Overmars

Baumeister des Erfolges ist Marc Overmars, der seit fünf Jahren als Sportdirektor tätig ist. Dank vorzüglicher Nachwuchsarbeit und smartem, globalem Scouting ist es Overmars und seinen Mitstreitern wie Geschäftsführer van der Sar und Co-Trainer Dennis Bergkamp, ebenfalls eine Ajax-Legende, gelungen, ein spektakuläres Kader zusammenzustellen.

Auch Overmars wird längst von den Giganten des Klubfussballs umworben, Arsenal soll interessiert sein. «Unser Ziel ist es», sagt Overmars, «die Mannschaft in diesem Sommer noch zusammenzuhalten.» Ein Sieg morgen würde helfen, dann müsste Ajax keine Qualifikation zur Champions League bestreiten, sondern wäre bereits sicher in der Gruppenphase.

Wieder ein Kluivert

Patrick Kluivert übrigens arbeitet als Sportchef bei Paris Saint-Germain, er beobachtet seine filigranen Nachfolger genau. Und sein Name ist immer noch stark mit Ajax verbunden. Zumal morgen Abend, genau 22 Jahre nach dem Papa, sein Sohn möglicherweise ebenfalls in einem Europacupendspiel eingewechselt wird.

Justin Kluivert ist 18. Wie 1995 sein Vater. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.05.2017, 11:57 Uhr

Manchester mit Mourinho und Moneten

Manchester United absolviert eine enttäuschende Saison – kann aber gegen Ajax schon den zweiten Titel gewinnen.

Manchester Uniteds Philosophie widerspricht jener des vielleicht weltbesten Ausbildungsklubs Ajax Amsterdam diametral. Seit einem Jahr sowieso, da übernahm Startrainer José Mourinho das Ensemble. Manchester läuft seit einigen Saisons den früheren Erfolgen hinterher, gilt aber vor allem wegen seiner Beliebtheit im asiatischen Raum immer noch als vielleicht grösster Klub der Welt.

Im letzten Sommer in­vestierte Manchester weit über 200 Millionen Franken in frische Kräfte, holte unter anderem für rund 125 Millionen mit Paul Pogba den teuersten Fussballer der Geschichte sowie ablösefrei den im Unterhalt sündhaft teuren Zlatan Ibrahimovic. Der schwedische Superstar fehlt morgen im Final der Europa League gegen seinen früheren Verein mit einer schweren Knieverletzung.

Dennoch gilt Mourinhos erfahrenes Team als leichter Favorit. Am Montag begann der Coach seine Psychospielchen und meinte, Ajax habe es nicht verdient, im Final zu stehen. «Sie haben ein Team für die Champions League und sind dort ausgeschieden. Man sollte nicht in zwei Wettbewerben spielen», sagte Mourinho. Und: «Die Europa League sollte für Vereine sein, die nur dort gespielt haben. So wie wir.»

Die Premier League beendete Manchester auf dem enttäuschenden 6. Platz, das Leistungsgefälle im Team ist riesig. Das Resultat sind oft ungenügende, ungeniessbare Auftritte, mitreissend geraten Partien von Mourinho-Teams ohnehin selten. Er ist aber seinem Ruf als Titeltrainer halbwegs gerecht geworden, gewann Manchester doch den Ligapokal in England. Und als Europa-League-Ge­winner würde die United doch noch den Sprung in die Champions League realisieren.

Ajax ist möglicher YB-Gegner

Falls Ajax triumphiert, hätte das Auswirkungen für YB, denn Amsterdam ist ein möglicher Gegner in der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League. Bei einem Sieg morgen stünde Ajax direkt in der Gruppen­phase der Königsklasse.

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