Zum Hauptinhalt springen

YB: Des Meisters breite Brust

Der Meisterschrei hallt bei den Young Boys nach. Der Club zehrt vom Erfolg. Sportchef Christoph Spycher hält die Balance zwischen Demut und Selbstbewusstsein.

Wer Meister wird, will Meister bleiben: YB-Trainer Gerardo Seoane (links) und Sportchef Christoph Spycher.
Wer Meister wird, will Meister bleiben: YB-Trainer Gerardo Seoane (links) und Sportchef Christoph Spycher.
Christian Pfander

Was sehr lange währte, wurde dann auch wirklich gut. 32 Jahre haben die Young Boys auf den Meistertitel gewartet, vor bald drei Monaten haben sie ihn gewonnen, und dem sehnsuchtsstillenden Pokalgewinn war eine Ansage vorausgegangen, die vergleichsweise defensiv klang.

Damals, vor genau 364 Tagen, war es ein Angriff der Demütigen, als YB seine Ziele für die neue Saison ­bekannt gab. Über die Ansage, einen Titel gewinnen zu wollen, war man in früherer Vergangenheit auch schon gestolpert, andere Jahre wiederum exponierten sich die Berner demonstrativ als zweite Kraft im Land.

Das ist jetzt anders. Kampflustige Rhetorik liegt der besonnenen Führung um Sportchef Christoph Spycher nach wie vor fern, aber die Young Boys nehmen die neue Spielzeit mit der breiten Brust des Meisters in Angriff. An der Pressekonferenz am Mittwoch vor dem Saisonauftakt am Sonntag gegen die Grasshoppers durfte CEO Wanja Greuel Rekordumsätze in der Gastronomie vermelden, die Partner verlängern ihre Verträge, weil YB ein attraktiver Partner, eine prominente Werbeplattform ist.

Am Mittwoch Nachmittag haben die Young Boys zudem die 15'000. Dauerkarte verkauft, der Modellwechsel von der Jahres- zur Saisonkarte scheint sich nach dem Meistertitel ausbezahlt zu haben.

Spycher: «Wir sind attraktiv»

Der Laden also brummt, und in solchen Zeiten kann man es sich sogar leisten, Heiligtümer anzufassen: Die YB-Wurst wartet mit neuer Rezeptur auf. Auch sportlich ist bei den Young Boys mehr Fleisch am Knochen als vor einem Jahr. Das hängt stark damit zusammen, dass es am Meisterkader bislang kaum Veränderungen gegeben hat. Kevin Mbabu, Roger Assalé oder Kasim Nuhu sind noch da, obwohl Letzterer gerade heftig vom Bundesligisten und Cham­pions-League-Teilnehmer Hoffenheim umworben wird.

«Vor einem Qualifikationsspiel im Europacup geben wir bestimmt keinen Schlüsselspieler ab.»

Christoph Spycher

Was nicht ist, kann in diesen Wochen sehr schnell noch werden. Doch es ist bei diesen bestimmt auftretenden Young Boys auch vorstellbar, dass sie einen Spieler halten, wenn die Rahmenbedingungen für einen Transfer nicht stimmen. «Dazu zählt das Timing», sagt Spycher, «vor einem Qualifikationsspiel im Europacup geben wir sicher keinen Schlüsselspieler ab.»

Das Standing des Meisters bringt Vorteile auf dem Verhandlungsparkett – auch finanziell. «Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber. Viele Transfers im tiefen Bereich sind nicht, was wir anstreben.» In anderen Worten: YB soll kein Durchlauferhitzer werden, sondern eine Perspektivstelle für junge Spieler mit Potenzial bleiben.

Wie eingangs erwähnt: Der Zielsetzungsprozess war bei den Young Boys bestimmt schon komplizierter als in diesem Sommer. Wer Meister wird, will Meister bleiben – auch wenn das oft schwierig ist. «Selbstverständlich reden wir nicht vom zweiten und auch nicht vom dritten Platz», sagt Spycher. «Aber Borussia Dortmund will in der Bundesliga auch immer Meister werden – obwohl das nicht so einfach ist.»

Spycher hält die Balance zwischen Demut und Selbstbewusstsein mittlerweile ziemlich gekonnt. Fast beiläufig nennt er den FC Basel einmal «Ligafavoriten», einmal erwähnt er, der langjährige Seriensieger habe sich seinen Status nicht durch nur einen Titel und eine Champions-League-Qualifikation erarbeitet. «Man muss die Sprunghöhe kennen», sagt Spycher und meint damit: Erwartungen an neuerliche Erfolge will er nicht zusätzlich schüren, sie sind ohnehin da.

Bei aller Vorsicht: Verstecken muss sich YB als Meister bestimmt nicht. Das Risiko, dass Basel YB den Topspieler abwirbt, wie es in der Vergangenheit immer mal wieder passiert ist, ist klein. An Miralem Sulejmani gab es mal ­Interesse vom Ligakonkurrenten, auch an Guillaume Hoarau. Sie sind beide geblieben, haben den Titel gewonnen und langfristige Verträge unterschrieben.

YB könnte auch auf die anstehende Saison hin von dieser ­neuen Stärke profitieren; obwohl sich eine Transferbilanz aktuell schwierig gestaltet, weil das Geschäft in den meisten Ligen gerade erst Fahrt aufnimmt.

Seoane: «Eine Idee zum Erfolg»

Den wichtigsten Transfer vollzogen die Young Boys neben dem Platz. Mit Gerardo Seoane kompensierten sie den Abgang Adi Hütters. Seoane macht sich auf Veränderungen gefasst, «das kannte ich als Spieler, das weiss ich nun als Trainer». Bei YB will der Jungcoach seine Handschrift anbringen. «Der Club war sehr erfolgreich letztes Jahr. Nun wollen wir eine Idee entwickeln, wie wir erneut zum Erfolg finden.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch