Der wundersame Basler Streich

Basel feiert zum Champions-League-Auftakt einen der grössten Siege seiner Geschichte. Die umjubelten Torschützen gegen Chelsea heissen Salah und Streller.

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Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Mutig hatte sich Murat Yakin seine Mannschaft gewünscht, nicht nur mutig, auch clever und abgezockt. Und entsprechend hatte sie der Basler Trainer aufgestellt, mit Salah, Stocker und Sio als Dreierreihe hinter Streller, dem Captain und ersten Angreifer. Er wusste, sie hatte nichts zu verlieren und nur zu gewinnen, weil eine Niederlage gegen dieses Chelsea die allgemeine Erwartung war.

Lange, lange Zeit war in der Offensive nur sehr wenig zu sehen von den Baslern. Ihre guten Angriffe waren leicht aufzuzählen: ein Konter nach einer halben Stunde, den Salah schliesslich mit einem unplatzierten Schuss beendete; eine Flanke Safaris kurz nach der Pause, bei der Cole in Corner klären musste.

Alles andere erstickte in der Abwehr der «Blues», die überhaupt nicht gefordert waren. Sie kontrollierten Spiel und Gegner, nach Belieben, schien es. Mit Beginn der zweiten Halbzeit erhöhten sie noch den Druck, sie kamen zu Chancen, und es machte den Eindruck, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis sie aus dem 1:0 ein 2:0 machen würden.

Dann kam es anders, ganz anders. Safari spielte von links flach in die Mitte, Delgado, eben erst eingewechselt, legte den Ball zu Streller ab, der spielte direkt in den Lauf von Salah, und der Ägypter behielt die Übersicht und drehte den Ball in die entfernte tiefe Ecke. Auf einmal stand es 1:1.

Chelsea im Schock erstarrt

Der FCB hatte das Resultat, das den Anhang Chelseas vorübergehend komplett verstummen liess. Und er hatte das Erfolgserlebnis, das ihn so selbstbewusst machte, wie sich Yakin das von Anfang an gewünscht hatte. Das ging einmal so weit, dass Schär, der junge Innenverteidiger, bei einem Konter mitstürmte. Streller kam zum Abschluss, David Luiz lenkte den Ball in Corner ab. Diesen Corner trat Delgado, Streller reagierte vor dem Tor am schnellsten und erzielte mit seinem Kopfball das 2:1. Chelsea erstarrte im Schock.

Der Favorit musste sich vorwerfen, aus seiner Überlegenheit nicht mehr, viel mehr gemacht zu haben. Die Führung fiel erst in der 45. Minute, nach einem herrlichen Angriff, den Oscar erfolgreich abschloss. Später wurden die Londoner Mal für Mal gefährlich, Oscar traf die Latte, Oscars Schuss wurde in Corner abgelenkt, Hazard verzog, Ivanovic kam aus wenigen Metern zum Kopfball.

Es schien alles klar, auch wenn es nur 1:0 stand. Der Qualitätsunterschied schien viel grösser zu sein, als das Resultat vorgab. Und wahrscheinlich spürten das auch die Spieler des Favoriten auf dem Platz, sie glaubten sich auf der sicheren Seite, der Seite der Sieger. Doch dann wurden sie kalt erwischt und waren danach zur entscheidenden Reaktion nicht mehr fähig, bei allem Bemühen. Was für die Basler sprach: Sie hatten in den letzten Minuten nicht eine wirklich gefährliche Szene mehr zu überstehen.

Und jetzt ist viel möglich

Als das Spiel fertig war, drückte Chelseas Coach José Mourinho kurz die Hand von Murat Yakin und verzog sich sofort in die Kabine. Yakin dagegen strahlte übers ganze Gesicht und liess sich mit der Mannschaft in der Basler Kurve feiern.

Der wundersame Streich der Basler ist eine der grössten Taten einer Schweizer Mannschaft im Europacup überhaupt, und er weckt die Hoffnungen, dass sie in der Champions League überwintern können, wie sich das ihr Trainer zum Ziel gesetzt hat. Mit diesem Glück, das ihnen gestern auch beistand, mit dieser Bereitschaft zum Kampf, den sie das ganze Spiel über zeigten, und diesem Wissen, dass sie selbst auswärts nach einem Rückstand gewinnen können – mit all dem ist wirklich viel möglich.

Nur sollte das keinen zur Annahme verleiten, dass es von nun an einfacher wird, es wird schwieriger, weil mit diesem Coup die Erwartungen gestiegen sind und niemand mehr Grund hat, den FCB zu unterschätzen. Wie er damit umgeht, kann er schon in zwei Wochen zeigen. Dann empfängt er daheim Schalke, das Schalke, das gegen Steaua Bukarest dank drei Treffern in den letzten 25 Minuten 3:0 gewann.

Chelsea - Basel 1:2 (1:0) Stamford Bridge. - 40'358 Zuschauer. - SR Orsati (It). - Tore: 45. Oscar (Lampard) 1:0. 71. Salah (Streller) 1:1. 81. Streller (Corner Delgado) 1:2. Chelsea:Cech; Ivanovic, Cahill, David Luiz, Cole; Van Ginkel (76. Mikel), Lampard (76. Ba); Willian (67. Mata), Oscar, Hazard; Eto'o. Basel:Sommer; Voser, Schär, Ivanov, Safari; Frei; Salah (88. Xhaka), Diaz, Stocker (81. Ajeti), Sio (65. Delgado); Streller. Bemerkungen: Chelsea ohne Ramires (gesperrt), Basel ohne Elneny und Serey Die (beide verletzt). 56. Lattenschuss von Oscar. Verwarnungen: 42. Van Ginkel (Foul). 64. Diaz (Foul).

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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