Der Weg zur Perfektion à la Messi

Freistoss-Tipps von den grossen Technikern und was die Physik uns lehrt.

Messis Zauberfreistoss und vier weitere Traumtore: Der Argentiniers hat beim FC Barcelona nun 600 Treffer erzielt. (Videos: SRF, Sky, al-Jazeera, Guga TV)

Lionel Messi sitzt hinter der Grundlinie am Boden, die Beine ausgestreckt, die Mundwinkel hochgezogen. Er schaut Richtung Tribüne. Und da auf den Rängen drehen die Barça-Fans durch, für die knapp 95'000 gibt es kein Halten mehr. Sekunden zuvor hat der 31-jährige Superstar aus Rosario seinen FC Barcelona mit einem Bilderbuch-Freistoss zur 3:0-Führung gegen den FC Liverpool geschossen – aus 28 Metern, unhaltbar in den Winkel.

Mittlerweile ist Messi einer der besten Freistossschützen des Planeten. Doch das war nicht immer so. Als Nachwuchsspieler bei Barcelona durfte er die ruhenden Bälle nicht schiessen, verriet ein ehemaliger Teamkollege der Onlineplattform «Spox». Generell spielte die Freistoss-Schulung in der katalanischen Talentschmiede keine grosse Rolle. Technik und Spielverständnis sind dort zentral. Der Argentinier legte jahrelang Sonderschichten ein, wiederholte die Abläufe immer und immer wieder, feilte an der Technik. 42 direkt verwandelte Freistösse sind der bisherige Lohn.

Spezialisten sind sich einig

Auch andere Freistossspezialisten sagen: Die Basis ist Fleiss. So beschreibt Andrea Pirlo, der grossartige italienische Regisseur, in seiner Biografie, wie er Tag für Tag alleine auf dem Trainingsplatz Freistösse übte. Lange ohne Erfolg. Er schoss so viele Bälle über den Zaun, dass der Zeugwart nicht mehr gut auf ihn zu sprechen war. Sein Freistoss-Vorbild war Juninho. Ein begnadeter Schütze, lange in Diensten von Olympique Lyon. 75 seiner 100 Karriere-Tore erzielte der Brasilianer mit direkt verwandelten Freistössen.

«Im Wesentlichen geht es darum, den Ball von unten mit den ersten drei Zehen zu treffen.»Andrea Pirlo

Nach langem Tüfteln wurde Pirlo bewusst: «Es geht darum, wie der Ball getreten wird, nicht wo.» Pirlo verrät Juninhos Geheimnis: «Im Wesentlichen geht es darum, den Ball von unten mit den ersten drei Zehen zu treffen. Man muss den Fuss zunächst so steif wie möglich halten und dann in der Bewegung locker lassen. So dreht sich der Ball in der Luft nicht, sondern fällt mit grosser Geschwindigkeit in Richtung Tor. Erst dann fängt er an zu rotieren.» Das ist neben dem Fleiss nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zum perfekten Freistoss.

Denn Anlauflänge und -winkel spielen eine Rolle. Nicht mehr als vier Schritte Anlauf in einem Winkel von 90 bis 45 Grad zur Schussrichtung empfehlen die drei Spezialisten Willian (Chelsea), Pjanic (Juventus) und Calhanoglu (Milan) gegenüber dem «Football Magazine». Auch beim Standbein sind sie einer Meinung: es zeigt Richtung Tor, wird neben den Ball gestellt und bleibt möglichst lange durchgestreckt.

Physik liefert die Zauberformel

Für jede Freistossposition und Mauer, bei jedem Wetter, in jeder Höhenlage lässt sich mithilfe von Physik und Mathematik der perfekte Freistoss berechnen. So viel Zeit bleibt in der Praxis natürlich nicht. Dennoch setzte sich Amateurfussballer Diego Schaad in seiner Maturarbeit am Sportgymnasium in Bern mit dem Thema auseinander. Er berechnete verschiedene Modelle: ohne Luftwiderstand, mit Luftwiderstand und mit Drall.

Der Schlüssel zum Erfolg ist viel Drall kombiniert mit einer hohen Geschwindigkeit.

Seine Ergebnisse zeigen: Der Drall ist ein wichtiger Faktor auf dem Weg zum perfekten Freistoss. Bei Simulationen mit Drall erhöhte sich die Schussgeschwindigkeit massiv. Mit Effet lässt sich der Ball an der Mauer vorbei schiessen. Das bedeutet, der Schütze kann den Ball härter treten und verringert somit die Zeit, die dem Goalie zur Reaktion bleibt. Beim Schuss aus 30 Metern beträgt die Flugzeit des Balls mit Effet bis ins Netz nur noch drei Viertel der ursprünglichen Zeit.

Der Schlüssel zum Erfolg ist viel Drall kombiniert mit einer hohen Geschwindigkeit. Die Grundlagen sind Ihnen nun bekannt, nun ist Ihr Fleiss gefragt.

tzi

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