Der Umweg führt durch ein Stadion voller Euphorie

Ersatzgeschwächt und Aussenseiter: Auf die Schweiz wartet in der WM-Barrage in Holland eine Herausforderung.

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Der Stau hat sie aufgehalten. Spät, aber gerade noch rechtzeitig erreichen sie das Stadion Galgenwaard von Utrecht, um das Abschlusstraining abzuhalten. Immerhin passt das, denn auch dieses Abschlusstraining ist ein Umweg für die Schweizer Fussballerinnen. Noch im September hatten sie sich auf direktem Weg an die WM 2019 in Frankreich befunden, ehe sie in Schottland (1:2) und Polen (0:0) in die Barrage abbogen. Jetzt müssen sie sich das Ticket gegen Europameister Holland verdienen.

Ob sie es auch noch nach Frankreich schaffen? Es ist eine «Herkulesaufgabe» für das Team von Martina Voss-Tecklenburg, so nennt das die Nationaltrainerin selbst. In Holland herrscht seit dem Titel an der Heim-EM im Sommer 2017 ein Frauenfussball-Hype: 25 000 Zuschauer werden das Heimteam am Freitagebend in Utrecht antreiben – das Spiel war in weniger als einer halben Stunde ausverkauft.

Auch für Voss-Tecklenburg ist das Duell die ultimative Herausforderung für den Abschluss mit der Schweiz. Nach dem Rückspiel am kommenden Dienstag in Schaffhausen wird sie noch in diesem Jahr ihr neues Amt antreten, eines der prestigeträchtigsten im Frauenfussball überhaupt: jenes als deutsche Nationaltrainerin. In der Schweiz übernimmt Nils Nielsen.

Hollands offensive Kraft

Aber vorher hat die 50-Jährige einen Plan zu entwerfen, wie sie die spielstarken Holländerinnen bezwingen will, die eine offensive Kraft haben wie kein anderes Team in Europa. Die sich seit der Heim-EM auf einen eingespielten Kern von maximal 15 Spielerinnen verlassen. Die es sich im Barrage-Halbfinal gegen Dänemark leisten konnten, Vivianne Miedema auf der Bank zu lassen, die bei Arsenal Stammspielerin ist. «Das sagt eigentlich alles über die Qualität Hollands aus», findet Voss-Tecklenburg.

Bei den Schweizerinnen ist die Lage deutlich weniger feudal. Dass Lara Dickenmann für die Barrage ausfallen würde, war nach der Diagnose Kreuzbandriss früh klar – der Captain wurde gestern in Berlin operiert. Auch die Gelbsperre von Ramona Bachmann war absehbar. In dieser Woche kam aber ein Bänderriss von Malin Gut hinzu, die im Mittelfeld gesetzt gewesen wäre. Und nun droht auch noch Vanessa Bernauer auszufallen.

Im Sturm dürfte Voss-Tecklenburg so auf zwei Teenagerinnen setzen, die noch kürzlich die U-19-EM bestritten: die 19-jährigen Fabienne Reuteler und Alisha Lehmann. Reuteler ist erfahrener als Lehmann, doch die Bernerin brachte vor allem im Barrage-Halbfinal gegen Belgien Glück: Sie erzielte beide Tore zum 2:2 im Hinspiel. Das Duell gewann die Schweiz am Ende dank der Auswärtstorregel.

Jetzt steht wieder ein Hinspiel an, und wieder fordert Voss-Tecklenburg schwungreich: «Wir müssen uns eine Ausgangslage erarbeiten, erspielen, erkämpfen und erlaufen, die uns Hoffnungen fürs Rückspiel lässt.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2018, 19:08 Uhr

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