Der Überlebenskampf ist für den FC Thun härter geworden

Sportredaktor Dominic Wuillemin zum Abschluss des Thuner Fussballjahres.

Auf die Zähne beissen: Durch die Niederlage gegen Lugano rutscht der FC Thun in der Tabelle auf Rang 8 ab.

Auf die Zähne beissen: Durch die Niederlage gegen Lugano rutscht der FC Thun in der Tabelle auf Rang 8 ab.

(Bild: Patric Spahni)

Dominic Wuillemin

Die Heimniederlage gegen Lugano ­verändert die Ausgangslage des FC Thun markant: Bei einem Sieg hätten die Oberländer mit beruhigender ­Distanz zum Tabellenende und nahe an den Europacupplätzen überwintert. Sie hätten ein schwieriges Jahr – mit Spendenaufruf, zwei Trainer- und vielen Spielerwechseln – nach drei Siegen im Hoch abgeschlossen.

Ja, die Thuner hätten die Wintervorbereitung, in der man aus Spargründen erneut nicht ins Trainingslager reisen wird, beschwingt in Angriff nehmen können. So aber sind die Zweifel grösser geworden, die Zweifel an der Zukunft in der Super League und somit am Fortbestehen des FCT in seiner heutigen Form.

Das hängt in erster Linie mit der Konkurrenz zusammen. Die Gegnerschaft präsentiert sich so stark wie nie, seit die Thuner 2010 in die Super League wiederaufgestiegen sind. Luzern und vor allem das letztplatzierte Sion blicken auf eine Vorrunde zurück, in der sie viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten machten. Lugano agierte derweil trotz Mehrbelastung durch den Europacup stabil, in drei Partien vermochten die Oberländer gegen die Tessiner nur einen Punkt zu holen.

Und Lausanne verfügt plötzlich über deutlich bessere Voraussetzungen. Der neue Besitzer, das milliardenschwere Chemieunternehmen ­Ineos, verspricht Investitionen. 2019 werden die Westschweizer zudem in ein neues Stadion ziehen. Solche Perspektiven bleiben für Thun zur Weihnachtszeit Wunschdenken.

Der FC Thun muss mit dem leben, was er hat: Das ist eine Vereinsführung, die sich schwere Zeiten gewohnt ist und mit Ruhe und Sachlichkeit glänzt. Das ist eine junge Equipe, die über Potenzial verfügt, sich aber mehr als einmal für gute Darbietungen nicht belohnt hat.

Dennoch befinden sich die Oberländer im Überlebenskampf in ordentlicher Position, obwohl sie zwischenzeitlich zehn Verletzte beklagen mussten. Abwesend war mit Matteo Tosetti wochenlang der stärkste Spieler. Und als die Vorrunde einen kritischen Verlauf hätte nehmen können, beispielsweise nach drei Niederlagen zu Beginn oder dem äusserst bitteren Aus im Cup beim FC Zürich, reagierte die Equipe mit Derbysiegen gegen die Young Boys.

Das zeigt, dass die Thuner trotz Unerfahrenheit über eine gewisse mentale Robustheit verfügen. Zudem ist der Zuschauerschnitt gegenüber der letzten Saison nicht weiter gesunken, sondern von 5405 auf 5629 gestiegen. In Thun ist das nicht unerheblich. Umso bitterer, verpasste es das Team zum Jahresende gegen Lugano, Lust auf mehr zu machen.

Bleibt Trainer Marc Schneider. Der 37-Jährige darf mit seinem ersten Halbjahr in der Chefrolle zufrieden sein. Thun agiert variabler als auch schon, mit ungewohnter Dreierkette besiegten die Oberländer YB und Sion. Und Schneider scheut sich nicht davor, junge Spieler zu integrieren und ihnen viel Verantwortung zu übertragen.

Beim FC Thun, bei dem jeder Franken umgedreht werden muss, ist das der einzig richtige Weg. Nur einmal ist Schneider mit der Nachwuchsförderung zu weit gegangen: Hinter einer verjüngten Defensive auch noch einen unerfahrenen Torhüter zu installieren, erwies sich als falsch. Der im Sommer zur Nummer 1 ernannte Francesco Ruberto erlaubte sich schwerwiegende Fehlgriffe. Nun hat Schneider angekündigt, die ­Situation zu überdenken.

Vorerst haben die Thuner knapp drei Wochen Zeit, die Batterien aufzuladen. Ihnen steht eine schwierige Rückrunde bevor. Das Startprogramm mit Partien gegen den FC Zürich, Basel und YB hat es in sich.

Berner Zeitung

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