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Der Sicherheitschef und die Hooligans

Peter Landolt schaffte es vom einfachen Koch zum Manager und Sicherheitschef im Fussball. Auf dem Weg nach oben halfen ihm Hooligans. Jetzt droht das jähe Ende seiner Karriere.

Unter Zürcher Fussballfans herrscht in diesen Tagen Angst vor einem Mann, der eigentlich für Sicherheit zuständig ist: vor Peter Landolt, Sicherheitschef der Swiss Football League und seit Mittwoch Stadionmanager des Letzigrunds im Zwangsurlaub. «Der Mann ist unberechenbar», sagt eine Person, die oft mit ihm zu tun hatte.

Wie alle anderen Quellen dieses Artikels, die nach Einschätzung des TA integer und glaubwürdig sind, will auch diese anonym bleiben. Der Grund: Hinter Landolt steht die «Hardturm-Front», eine von ihm bis heute protegierte Hooligan-Gruppierung des Grasshopper-Clubs. Wer über Landolt und die «Hardturm-Front» aussagt, muss sogenannte Hausbesuche befürchten: Hooligans klingeln an der Haustür und beschimpfen, bedrohen oder verprügeln die missliebige Person.

Chlausabend war Spitze des Eisbergs

Die Liaison zwischen Landolt und den GC-Hooligans begann 1997, als der gelernte Koch Sicherheitschef im Hardturm wurde. Zehn Jahre später war er ein angesehener Mann: Manager des neuen Letzigrund-Stadions, einstimmig zum Sicherheitschef der Fussballliga gewählt und Experte für Fanfragen auf allen Kanälen. Landolt galt als Saubermann, der für Ruhe und Ordnung sorgt.

Seit die Wochenzeitung WOZ letzte Woche enthüllt hat, dass er vor fünf Jahren einen Chlausabend mit Nackttänzerinnen für die «Hardturm-Front» organisiert und moderiert hatte, stellt die Öffentlichkeit die Frage, mit welchen Methoden Landolt arbeitet. Recherchen des «Tages-Anzeigers» haben ergeben, dass der Chlausabend lediglich die Spitze des Eisbergs ist. Landolt arbeitet systematisch und seit Jahren mit Hooligans zusammen.

«Er hat mir wörtlich gesagt: Ich stelle mich mit den Hooligans gut, besorge ihnen ein paar Katzen, und dann helfen sie mir, wenn ich Probleme mit andern Fans habe», so ein Informant. Die «Katzen» liess er am besagten Chlausabend in einem VIP-Zelt hinter dem Hardturm tatsächlich tanzen und mit Stadionverbot belegte Hooligans mit Gratistickets ins Stadion hinein, wo sie sich zwischen den Sektoren frei bewegen konnten.

Ein Mann aus dem GC-Umfeld, der nicht zur Fanszene gehört, hat Folgendes während Jahren beobachtet: «Männer in schwarzer Kleidung, die Landolt direkt unterstellt waren, standen an neuralgischen Punkten und liessen die Hooligans passieren.» Einer von ihnen arbeitet heute in einer ähnlichen Funktion im Letzigrund, ein anderer ist Angestellter im Stadionmanagement, wo Peter Landolt bis zur Beurlaubung durch Stadtrat Gerold Lauber (CVP) sein Chef war.

«Landolt hat oft willkürlich Stadionverbote gegen Fans in der Kurve ausgesprochen und sie schikaniert. Bei den Hooligans hat er aber ein Auge zugedrückt und ihnen auf diese Weise eine Machtstellung verschafft», sagen zwei Sozialarbeiter, die von 2002 bis 2005 ein Fanprojekt im Hardturm leiteten. Der Informant aus dem GC-Umfeld bestätigt diese Einschätzung: «Die Fans hatten Angst vor Landolt. Sie wussten ja, dass er die Hooligans privilegiert.»

VIP-Tickets für Basler Hooligans

Gemäss den ehemaligen Fansozialarbeitern hatte Landolt das Gefühl, Ausschreitungen im Stadion verhindern zu können, indem er den Hooligans «Zückerchen verteilte». «Aber er hat die professionelle Distanz völlig verloren», sagen sie.

Im Mai 2003 organisierte Landolt ein Spiel zwischen ehemaligen GC-Fussballern und der FC-Basel-Hooligan-Gruppe «Bande Basel» im Hardturm. Das Bild, das ihm die Hooligans zum Dank geschenkt hatten, hängte Landolt stolz in seinem Büro auf. Im gleichen Jahr schenkte er ihnen VIP-Tickets für ein Spiel GC - Basel, erzählt ein anderer Informant. Die «Bande Basel» galt in dieser Zeit als die gewalttätigste und gefürchtetste Hooligan-Gruppe der Schweiz.

Auch als Stadionmanager des Letzigrunds, also als städtischer Angestellter, pflegt Peter Landolt seine Beziehungen zur «Hardturm-Front» weiterhin und zeigt sich den Hooligans gegenüber zuweilen grosszügig: Am 23. August dieses Jahres soll er gemäss einer zuverlässigen Quelle rund ein Dutzend von ihnen zum Spiel GC - Luzern in die VIP-Zone des Letzigrunds eingeladen haben.

Was Landolts Vorgesetzte davon halten, werden sie nach Abschluss der Administrativuntersuchung sagen, die Stadtrat Gerold Lauber angeordnet hat. Was die Swiss Football League findet, wird man allenfalls bereits heute Freitag nach der Sitzung des Nationalliga-Komitees hören.

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