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Sanogo bleibt: Der Motor gibt weiterhin den Takt vor

Eigentlich sollte Sékou Sanogo gar nicht mehr in Bern sein. Zweimal stand der Ivorer im letzten Jahr vor dem Abgang. Nun hat der 27-Jährige seinen Vertrag bei den Young Boys bis 2020 verlängert.

Marco Oppliger
Sanogo am Sonntag (05.02.2017) während des Spiels gegen den FC Sion. Nun ist klar: Der Ivorer bleibt bis mindestens 2020 bei YB.
Sanogo am Sonntag (05.02.2017) während des Spiels gegen den FC Sion. Nun ist klar: Der Ivorer bleibt bis mindestens 2020 bei YB.
Andreas Blatter
Ab Anfang August 2016 fiel Sanogo für mehrere Wochen aus. Er hatte sich einen Muskelfaserriss zugezogen.
Ab Anfang August 2016 fiel Sanogo für mehrere Wochen aus. Er hatte sich einen Muskelfaserriss zugezogen.
Andreas Blatter
Ende Juni 2016 platzte der Wechsel von Sékou Sanogo zum VfB Stuttgart überraschend. Unter anderem habe man sich nicht über die Länge der Vertragslaufzeit einigen können.
Ende Juni 2016 platzte der Wechsel von Sékou Sanogo zum VfB Stuttgart überraschend. Unter anderem habe man sich nicht über die Länge der Vertragslaufzeit einigen können.
Andreas Blatter
Grosses Drama um Sanogo Anfang Februar 2016: In letzter Minute platzte ein Transfer zum Hamburger SV, weil die Transferunterlagen einige Minuten zu spät in der Hansestadt eintrafen.
Grosses Drama um Sanogo Anfang Februar 2016: In letzter Minute platzte ein Transfer zum Hamburger SV, weil die Transferunterlagen einige Minuten zu spät in der Hansestadt eintrafen.
Keystone
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Irgendwann im Gespräch wird die Winterpause zum Thema, welche im Schweizer Fussball im Allgemeinen und bei YB im Speziellen sehr ereignislos verlief. Sékou Sanogo lächelt, wie er das häufig macht, und sagt dann: «Die letzten Wochen waren in der Tat ruhig, sogar für mich.»

Die Aussage ist nicht ganz frei von Selbstironie, hat der 27-Jährige doch ein bewegtes Jahr hinter sich. Zweimal stand Sanogo kurz vor dem Abgang. Doch weder mit dem HSV noch mit dem VfB Stuttgart wollte es klappen. Jüngst hat im Januar der FC Genua sein Interesse am kräftigen Mittelfeldspieler bekundet, doch die Berner lehnten ab, weil das Angebot zu tief war. Vor einer Woche erklärte Sportchef Christoph Spycher: «Sékou ist ein Eckpfeiler in diesem Team, die jungen Spieler können an seiner Seite reifen.» Gestern nun hat YB den bis 2018 laufenden Vertrag mit Sa­nogo um zwei weitere Jahre ver­längert. Lange habe er nicht überlegen müssen, hält der Ivorer fest. «Ich glaube, ich habe die beste Wahl getroffen.»

Das Sprungbrett

Im Januar 2011 hat Sanogo seinen Lebensmittelpunkt von Abi­djan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, ins beschauliche Thun verlegt. Er gibt unumwunden zu: «Für mich war von Anfang an klar: Das ist ein Sprungbrett für meine Karriere.» Er habe sich ans europäische Niveau gewöhnen wollen, wofür die Super League ideal sei. «Hier stehst du weniger im Rampenlicht als in den besten Ligen und hast deshalb auch weniger Stress.» Genau so ehrlich äussert sich Sanogo zur Dauer seines Aufenthalts in der Schweiz. Er habe nicht vorgehabt, so lange zu bleiben. «Aber die Schweiz ist ein sehr ange­nehmes Land. Die Sicherheit ist gross. An einem solchen Ort willst du lange leben.»

Im Juli 2014 wechselte Sanogo vom FC Thun zu YB. Bei den Gelb-Schwarzen vermochte er sich mit seiner physischen Spielweise rasch durchzusetzen. Trainer Adi Hütter schätzt ihn für seine vorbildliche Einstellung – auf und neben dem Platz. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In der Vorrunde fiel Sanogo zwar während über zweier Monate mit einem Muskelfaserriss aus. In den zehn Meisterschaftspartien, welche er indes absolvierte, verlor YB nie.

«Das sind Prüfungen, die das Leben für dich bereithält.»

Sanogo ist Antreiber und kompromissloser Zweikämpfer, er zieht im defensiven Mittelfeld die Fäden. Manche nennen ihn deshalb den «YB-Motor», doch die Bezeichnung mag er nicht sonderlich. «Wenn ich einen guten Eindruck hinter­lasse, liegt das an meinen Teamkollegen.» Er versuche lediglich seine Qualitäten einzubringen. «Mein Image und meine Aufgabe ist es, physisch zu spielen, also mache ich das, so oft es geht.» Die Transfer-Misere

Gleichwohl stellt sich die Frage: Ist einer wirklich zufrieden bei YB, wenn er nur wegen unglücklicher Umstände nicht in der Bundesliga spielen kann? «Das sind Prüfungen, die das Leben für dich bereithält», meint Sanogo. Na­türlich habe es wehgetan, als der Transfer zum HSV im letzten Februar nur deswegen nicht zustande kam, weil die entsprechenden Unterlagen vier Minuten zu spät auf der Hamburger Geschäftsstelle eingetroffen waren. «Aber ich bin gesund, das zählt. Und bei YB bei einem guten, ambitionierten Klub. Deshalb kann ich mich überhaupt nicht beklagen.»

«Ich will, dass sie ihre Entscheidung bereuen.»

Im Sommer 2016 schliesslich sah alles nach einem Wechsel zu Stuttgart aus. Doch dann machte der Bundesligaabsteiger einen Rückzieher. Später wurde bekannt, dass Sanogo den medizinischen Check nicht bestand, offenbar, weil die Ärzte Knorpelschäden in den Knien entdeckt hatten. Lächerlich sei diese Dia­gnose, sagt der Ivorer. Hätte man ihm mitgeteilt, er habe Probleme mit den Adduktoren, hätte er dies verstanden, meint Sanogo. «Weil das stimmt. Aber eine Knieverletzung hatte ich noch nie.» Mittlerweile dient ihm die Absage als Motivation. «Ich will, dass sie ihre Entscheidung bereuen.»

Auch wenn sich Sanogo in Bern wohl fühlt, von den vielversprechenden Jungen und dem guten Mix im Team schwärmt – den Traum von der Bundesliga hat er noch nicht aufgegeben. «Denn wenn du aufhörst zu träumen, hörst du auf zu leben.» Spielt ­Sanogo weiterhin so dominant, dürfte YB weitere Angebote für ihn erhalten. Schmeichelhaft seien diese, meint Sanogo lächelnd, «etwa so, wie wenn eine Frau von mehreren Männern umworben wird. Es zeigt mir, dass ich gute Arbeit leiste, so will ich weitermachen.»

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