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Der Grosse-Spiele-Liebhaber und der Kleine-Märchen-Aufsteiger

Die YB-Flügelzange mit Miralem Sulejmani und Christian Fassnacht muss heute in Zagreb greifen.

Der Feinfuss Miralem Sulejmani (links) und der Dynamiker Christian Fassnacht.
Der Feinfuss Miralem Sulejmani (links) und der Dynamiker Christian Fassnacht.
Raphael Moser

Miralem Sulejmani ist ein ­Fussballer für grosse Spiele. Das könnte für YB heute in Zagreb noch ganz hilfreich werden. Vielleicht führt der Serbe sein Team mit einem 30-Millionen-Franken-Schuss in die Champions League, beispielsweise mit einem Freistoss oder nach einer frechen Finte, möglicherweise auch im ­Penaltyschiessen. «Wir müssen und werden auf alles vorbereitet sein», sagt Sulejmani.

Das 1:1 aus dem Hinspiel sei zwar kein perfektes Resultat. «Doch ich glaube, Zagreb weiss auch nicht genau, was es mit dieser Ausgangslage anfangen soll.» Der YB-Flügel erwartet einen ­Gegner, der nicht auf Teufel komm raus attackieren werde. «Dinamo wird kaum so defensiv wie in der ersten Halbzeit in Bern spielen, aber auch nicht die totale Offensive suchen.»

Alles oder nicht nichts

Es könnte also am Dienstagabend eine Geduldsprobe ­werden. Sulejmani mag solche Alles-oder-nichts-Partien, ­wobei er sofort einschränkt: «Scheiden wir aus, geht es für uns in der Europa League ­weiter. Das ist nicht nichts.»

Die Europa League aber kennt YB nach fünf Teilnahmen seit 2010 ausgezeichnet. Und Sulejmani kennt auch die Champions League bestens, 16 Partien hat er für Ajax Amsterdam und Benfica Lissabon in der Sternenliga absolviert, deutlich mehr als alle anderen YB-Spieler zusammen. «Es wäre die Krönung unserer starken ­Entwicklung, würden wir diese Saison dabei sein», sagt er.

Miralem Sulejmani wird ­seinen Mitspielern heute bestimmt noch einmal erzählen, wie es sich anfühlt, in der Champions League gegen die Topteams des Kontinents anzutreten. Er ist ein weitgereister, erfahrener Fussballer, 2014 bestritt er mit Benfica sogar den Europa-League-Final, verletzte sich nach überragender Startphase aber Mitte der ersten Halbzeit nach einem üblen Foul von Alberto Moreno schwer an der Schulter – und fiel weit über ein halbes Jahr aus.

Auch deshalb hat Sulejmani sein Glück in der Schweiz gefunden, die einstige Sonderklasse erreichte er nie mehr ganz. Bei YB hat er sich als Führungsspieler und Leistungsträger etabliert. Und vor zwei Jahren traf er im Hinspiel des Champions-League-Playoff gegen Gladbach (1:3) zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

«Wir sind deutlich weiter als damals», sagt er. Seinen feinen linken Fuss ­würde er gerne noch einmal auf allerhöchster Bühne präsentieren. Im Dezember wird der zweifache Familienvater 30, viele Gelegenheiten bieten sich ihm nicht mehr, die Königsklasse zu erreichen.

Nationalspieler?

Immer noch irgendwie erst am Anfang seiner Karriere steht dagegen Christian Fassnacht, der andere YB-Flügelspieler, obwohl er bald 25 wird. Vor ein paar Jahren kickte er noch in der 2. Liga interregional, über Thalwil, Tuggen, Winterthur, Thun und die Young Boys realisierte er einen steilen Aufstieg. Es ist ein kleines Märchen.

Vielleicht bis in die Champions League. Er ordne das alles schon ab und zu für sich ein, sagt Fassnacht, «denn was ich erlebt habe, war ja so nie zu erwarten gewesen». Dank starken Leistungen in der Meistersaison – und trotz nicht mal annähernd überzeugender Chancenverwertung – wurde der Zürcher im Sommer bei mehreren Vereinen im Ausland gehandelt.

Der Transfer zum HSV scheiterte knapp, jener kürzlich zu Frankfurt war dann für Fassnacht kein ernsthaftes Thema mehr. Die Ablöseforderungen der Young Boys waren ohnehin zu hoch. «Es ist gut, wie es ist», sagt er, «und wir haben auch bei YB hohe Ziele.»

In eine Topliga wird Fassnacht, Verletzungen ausgenommen, wie einige Teamkollegen wohl schon noch irgendwann gehen. Und mit seiner Schnelligkeit und Frische wäre er vielleicht ­bereits an der WM im Sommer eine ansprechende Alternative im Nationalteam gewesen. Nun steht er wie Loris Benito, Kevin Mbabu und Djibril Sow im vorläufigen Aufgebot der Schweizer Auswahl für die Länderspiele Anfang September.

«Wenn ich da wirklich dabei bin, wäre das sensationell», sagt Fassnacht. In den letzten Partien blieb der Offensivspieler bei YB übrigens blass, die Begegnung in Zagreb wäre ein passender Zeitpunkt, um sich mit einer forschen Vorstellung zurückzumelden. «Das wird ein heisses Spiel», sagt Fassnacht, «in toller Ambiance.»

Miralem Sulejmani kennt die fanatischen Anhänger in den Balkanstaaten aus seiner Zeit bei Partizan Belgrad. Dass er als Serbe in Kroatien spielt, ist für ihn kein Thema. «Es geht um Fussball», sagt Sulejmani. «Und es geht vor allem darum, dass wir ein richtig grosses Spielbestreiten dürfen.»

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