Der FCZ konnte nicht mit YB mithalten

Die Young Boys steigern sich gegen den FC Zürich markant, sie gewinnen ungefährdet 2:0. Zum Ärger von FCZ-Trainer Ludovic Magnin. 

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Dominic Wuillemin

Ludovic Magnins Kopf wird noch ein bisschen röter, als er das gewöhnlich schon ist. Der FCZ-Trainer ist sauer. Die Medienkonferenz nach dem Spiel ist im Gang, es geht um das 1:0 der Young Boys durch Christian Fassnacht, der in der 48. Minute nach einem Eckball trifft. Er habe seine Mannschaft immer und immer wieder vor den Stärken der Berner bei Standardsituationen gewarnt, sagt Magnin. «Und doch passen wir nicht auf – das ist inakzeptabel und regt mich brutal auf.»

Es ist das 20. Tor der Young Boys in dieser Saison nach stehendem Ball, wie Magnin vorrechnet, es ist auch das siegbringende, weil die Zürcher nach ansprechender erster Halbzeit nichts mehr entgegenzusetzen haben. Die einzig nennenswerte Chance nach der Pause hat der FCZ, als YB-Goalie David von Ballmoos einen Fehlpass spielt, Marco Schönbächler scharf passt und Assan Ceesay in der Mitte knapp verpasst. In der zweiten Halbzeit habe YB einen Gang hochgeschaltet, sagt Goalie Yanick Brecher, der klar beste Zürcher an diesem Nachmittag. «Dem hatten wir nichts mehr entgegenzusetzen.»

Aufgedrehter Mambimbi

Und so kommen die Young Boys ungefährdet zu ihrem 18. Sieg im 21. Saisonspiel. Neun Minuten nach dem 1:0 kann Nicolas Ngamaleu erhöhen, nach Balleroberung von Abwehrchef Steve von Bergen und mustergültigem Konter über Roger Assalé und Jean-Pierre Nsame. Das Spiel hat nun bei Sonnenschein und vor schöner Kulisse mit über 27'000 Zuschauern Züge eines Schaulaufens.

Fassnacht und Ngamaleu: Die beiden YB-Tore gegen den FCZ. (Quelle: SRF)

Jeder der YB-Offensivakteure darf sich im Abschluss üben. Der 18-jährige Felix Mambimbi, bei Anbruch der Nachspielzeit unter grossem Applaus eingewechselt, kommt bei seinem Debüt innert dreier Minuten zu zwei Gelegenheiten. Am Ende verzeichnet das Heimteam 19 Schüsse, 12 mehr als der Gegner. Die Darbietung in der ersten Halbzeit sei pomadig gewesen, sagt YB-Trainer Gerardo Seoane. «Doch dann spielten wir dynamisch, aggressiv, zielgerichtet – so wie wir das in der Regel eben tun.» Seoane trägt seinen Teil zur Leistungssteigerung bei, indem er in der Pause auf ein 4-2-3-1-System umstellt und Fassnacht in die Mitte beordert.

Laut sei der Trainer in der Pause nicht geworden, sagt Fassnacht. «Wir wussten ja selbst, dass wir es besser können», meint Thorsten Schick. Zwar haben die Young Boys auch in der ersten Halbzeit gute Chancen, Nsame trifft nach Flanke von Loris Benito und grossartiger Parade Brechers den Pfosten, Ngamaleu verzieht gleich mehrmals. Aber bei den Gelb-Schwarzen schleichen sich auch Fehler ein, die man in dieser Qualität von ihnen nicht kennt.

Einmal laden Captain Steve von Bergen und sein Nebenmann Gregory Wüthrich Zürichs Spielmacher Antonio Marchesano zum Spaziergang durch die Abwehr ein, von Ballmoos rettet ebenso grossartig wie zuvor Brecher. «Wir mussten uns bei unserem Goalie bedanken», sagt Seoane, von Ballmoos habe sein Team im Spiel gehalten – was dann doch eine sanfte Übertreibung ist.

Von Ballmoos verhindert den Gegentreffer durch Marchesano bravourös. (Quelle: SRF)

Anders als Magnin ist Seoane am Ende ein zufriedener Trainer, weil er nach diskreter Darbietung vor Wochenfrist beim FC Thun eine Reaktion gesehen habe. Dass mit Guillaume Hoarau, Miralem Sulejmani und Kevin Mbabu gleich drei Stützen verletzt fehlen und der formstarke Michel Aebischer zudem gesperrt fehlt, fällt nicht ins Gewicht.

Überraschter Fassnacht

Auch das darf als Zeichen dafür gewertet werden, wie weit die Young Boys ihrer Konkurrenz entrückt sind. Sie haben nun schon doppelt so viele Punkte (56) wie der viertplatzierte FCZ. Am Sonntag gelang den Bernern zudem zum 52. Mal in Folge ein Treffer. Die Serie sei ihm nicht bekannt gewesen, sagt Fassnacht. Aber kürzlich hätten sie im Team darüber geredet, dass es eine gute Idee wäre, immer auf ein Tor von YB Geld zu setzen.

Letztmals torlos blieben die Young Boys am 19. August 2017, im Letzigrund beim FC Zürich. Damals war der erste Meistertitel nach 32 Jahren höchstens ein zarter Traum. Nun steuert YB ziel- und stilsicher auf den zweiten in Folge zu.

Berner Zeitung

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