Der FCZ gerät ins Schwitzen

Die Zürcher starten auf Zypern gegen AEK Larnaca in die Europa League. Trainer Ludovic Magnin erwartet einen spielstarken Gegner – aber auch, dass seine Mannschaft eine Runde weiterkommt.

«Jetzt haben jene, die hartes Brot ­assen, die Chance zu zeigen, dass ich mich geirrt habe», sagt FCZ-Trainer Ludovic Magnin. Bild: Keystone

«Jetzt haben jene, die hartes Brot ­assen, die Chance zu zeigen, dass ich mich geirrt habe», sagt FCZ-Trainer Ludovic Magnin. Bild: Keystone

Es ist wahrlich eine heisse Begrüssung. Fast 40 Grad werden gemessen, als die FCZ-Delegation auf Zypern landet, die Spätsommerhitze hat die 2500 Kilometer entfernte Mittelmeerinsel noch fest im Griff. Jeder Schritt ist eine Belastung.

Doch es gibt wohl keinen Zürcher, der nicht trotzdem gut aufgelegt ist. «Das ist der Lohn für die Leistungen in der letzten Saison», sagt Trainer Ludovic Magnin, «wir freuen uns sehr.» Er ganz besonders: Der einstige Champions-League-Spieler steht heute erstmals als Trainer international im Einsatz.

Die Spanier von Larnaca

Als AEK Larnaca als Gegner gezogen wurde, hatte so mancher FCZ-Exponent mit den Schultern gezuckt. Ratlosigkeit pur, die zypriotische Meisterschaft zählt in der Schweiz nicht gerade zu den Quotenrennern. Anders Magnin. Schon Wochen vor der Auslosung hatte er eine Partie von AEK gesehen, das 2:0 in der 2. Qualifikationsrunde bei Sturm Graz. «Ich habe ein paar Spieler beobachtet und hoffte, einen Rohdiamanten zu finden», sagt Magnin.

Das ist zwar nicht gelungen, Larnaca steht aber trotzdem unter verschärfter Beobachtung. Am Wochenende sah Sportchef Thomas Bickel das 1:1 bei Nea Salamina Famagusta und übermittelte seine Eindrücke dem Cheftrainer. «Sie sind im Durchschnitt über 31», resümiert Magnin, «es ist ein sehr gutes Team, sehr spanisch geprägt.» Seit knapp fünf Jahren setzt AEK verstärkt auf iberische Qualität, Andoni Iraola ist der dritte spanische Trainer in Serie, im Kader stehen zehn Landsleute, total sind es 17 Ausländer.

Dass die Mannschaft spielstark ist, belegen die sechs Resultate der Qualifikation: Dundalk, Graz und Trencin wurden mit dem Gesamtskore von 15:1 abgefertigt, besonders das kumulierte 7:0 gegen die Österreicher des früheren FCB-Trainers Heiko Vogel war eine Demonstration.

Personell kann Magnin aus dem Vollen schöpfen

Leverkusen und Rasgrad komplettieren die Gruppe A, und für alle drei Gegner gilt: spielstark, aber ohne grosse Zugkraft. Für Magnin hat diese Konstellation Vor- und Nachteile: «Ich hätte mir namhaftere Gegner gewünscht, aber ich denke, so ist das Weiterkommen möglich.» Der heutigen Partie – sie wird um 22 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ) im GSP-Stadion von Nikosia angepfiffen – misst der frühere Nationalspieler wegweisenden Charakter zu. Die Deutschen seien favorisiert, die übrigen Teams auf Augenhöhe: «Details werden entscheiden. AEK ist ein direkter Gegner, wir wollen punkten.»

Personell kann er aus dem Vollen schöpfen, einzig die rekonvaleszenten Kempter, Rohner und Sauter stehen nicht zur Verfügung. Nun werde es sich auszahlen, dass man ein derart breites Kader habe, sagt Magnin. Und fügt an: «Ohne die Europa League wäre dies unmöglich.»

19 Wettkampfpartien sind bis zur Weihnachtspause noch fixiert, für etliche Nationalspieler kommen im Oktober und November weitere Verpflichtungen dazu. Klar, dass in der nächsten Zeit mehr rotiert wird. Magnin sieht das pragmatisch: «Bisher haben die Spieler das super gemacht, und auch wer unzufrieden war, hat dies nicht gezeigt. Jetzt haben jene, die bisher hartes Brot assen, die Chance, mir zu zeigen, dass ich mich geirrt habe.»

Sorgen im Angriff

Bauen konnte der FCZ in dieser Saison bisher auf den Abwehrbereich, einzig YB kassierte in der Liga weniger Tore. Bei weitem noch nicht optimal läuft es dagegen in der Offensive, 5 Treffer in 6 Spielen bedeuten Ligaminusrekord. Diese Schwäche ist allerdings ein Stück weit verständlich, wechselten doch mit Raphael Dwamena und Michael Frey die beiden besten Skorer nach Meisterschaftsstart ins Ausland.

Auf den Nigerianer Stephen Odey angesprochen, sagt Magnin: «Man kann nicht erwarten, dass ein 20-Jähriger die Lücke füllt. Er braucht Zeit.» Immerhin steht dem Trainer mit dem 24-jährigen Lugano-Zugang Assan Ceesay nun eine Alternative zur Verfügung.

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