Der FC Thun setzt ein Lebenszeichen

Das 3:2 bei Xamax ist der erste Sieg für die Thuner seit dem 11. August – Miguel Castroman gelingt dabei ein Traumtor

Zwei Tore und kämpferisch stark: Castroman (r.) Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Zwei Tore und kämpferisch stark: Castroman (r.) Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Und jetzt? Droht den Thunern etwa der nächste Rückschlag? Nach 84 Minuten ist ihr 2-Tore-Vorsprung auf einmal weg. Xamax gleicht zum 2:2 aus, und Xamax will mehr. Das 3:2. Den Sieg. Aber zur Geschichte dieser Begegnung gehört eben auch die Szene, die sich zwei Minuten später zuträgt. Die Berner Oberländer wagen sich noch einmal in die Offensive, bekommen einen Freistoss, und für solche Fälle haben sie Matteo Tosetti. Er schlägt den Ball in den Strafraum, Chris Kablan lenkt mit dem Kopf ab – und darum ist am Ende der Gast der Gewinner.

Das 3:2 ist ein deutliches Lebenszeichen des Tabellenletzten, der seit dem 11. August auf einen Erfolg wartete. Der in den vergangenen neun Runden lediglich einen Punkt geholt und dabei nur vier Tore erzielt hatte. Der nun aber den Beweis erbrachte, dass seine Moral trotz langer Negativserie intakt ist.

Thuns spektakuläres 2:0 lässt auch die Neuenburger staunen

Bis zur Pause deutet nichts darauf hin, dass der Abend unterhaltend und turbulent werden, ja gar spektakuläre Züge annehmen könnte. Der Neunte trifft auf den Zehnten, die Risikobereitschaft ist auf beiden Seiten sehr überschaubar. Das Spiel ist – vorsichtig formuliert – zäh, arm an Ereignissen und alles andere als temporeich.

Aber das ändert sich mit Beginn der zweiten Halbzeit. Und einen grossen Anteil daran haben die Thuner Miguel Castroman sowie Tosetti. Ihren ersten Auftritt haben sie beim 1:0. Tosetti ist der Vorbereiter, Castroman der Torschütze. Es kommt noch besser für die Gäste und vor allem: noch ­schöner. Nach einem Corner von ­Tosetti wagt Castroman aus 18 Metern eine Direktabnahme. In dieser Aktion passt alles perfekt zusammen, vom Zuspiel bis zum Abschluss. Der 24-Jährige trifft den Ball ideal und bringt mit seinem Abschluss selbst die Neuenburger Zuschauer zum Staunen. Allein dieser Treffer entschädigt für den Leerlauf in der ersten Hälfte.

Das 0:2 zwingt Xamax, seine Passivität abzulegen. Das Team von Trainer Joël Magnin investiert mehr und bringt den Gegner in Schwierigkeiten. Zuerst glückt Arbenit Xhemajli das 1:2 nach 64 Minuten, 20 Minuten später gleicht Gaëtan Karlen aus. Aus der Ferne schaut Thuns Trainer Marc Schneider zu, ihm schiesst durch den Kopf: «Das darf nicht wahr sein!»

Aber seine Spieler sind zu einer Reaktion fähig, die ihn hinterher sagen lässt: «Wir wussten, dass der Tag kommen wird, an dem wir uns für unsere Arbeit belohnen werden.» Schneider atmet nach Kablans 3:2 tief durch, Sportchef Andres Gerber tut es auch. Er sagt: «Die Art und Weise, wie wir die drei Punkte geholt haben, kostete zwar Nerven. Dafür ist das Gefühl jetzt umso besser. Dieser Erfolg gibt uns Luft.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt