Der Cup ist für GC eine kleine Flucht aus dem Alltag

In der Liga haben die Grasshoppers ihre Rolle noch nicht richtig gefunden – da kommt Luzern vielleicht gerade recht.

GC-Trainer Uli Forte sucht im Cup «positive Emotionen». Foto: Keystone

GC-Trainer Uli Forte sucht im Cup «positive Emotionen». Foto: Keystone

Florian Raz@razinger

Es war ein klares Zeichen. Dafür, was alles möglich ist. Dafür, wo die Grasshoppers eigentlich hinwollen. Schade nur, dass kaum jemand da war, der es sich ansehen wollte. Nicht einmal 2500 Menschen waren Mitte September in den Letzigrund gekommen, um das 1:0 von GC gegen Servette zu sehen.

Möglich, dass wenigstens ein paar Anhänger heute Verpasstes nachholen werden, wenn im Achtelfinal des Cups wieder ein Team aus der Super League nach Zürich reist. Zumal GC auch gegen den FC Luzern ein Ex­ploit zuzutrauen ist.

Das Problem ist bloss, dass die Grasshoppers seit jenem Sieg über die Genfer ein wenig aus dem Tritt geraten sind. Nichts, was Uli Forte so nicht erwartet hätte, bevor er sich daranmachte, das Team nach dem Abstieg frisch zusammenzubauen. «Zwei Schritte vorwärts, einer zurück», so beschreibt es der GC-Trainer. «Es braucht auch Rückschläge auf diesem Weg.»

Forte nennt es «Leichtsinn»

Aber unbefriedigend waren die letzten beiden Auftritte halt trotzdem. Gegen zwei Teams aus dem letzten Tabellendrittel gaben die Grasshoppers vier Punkte ab. Zuletzt verspielten sie gegen Vaduz eine 3:1-Führung. Forte spricht von «Leichtsinn», von «Punkten, die fehlen». Und so liegt GC wieder einmal auf Rang 3 der Challenge League, einen Punkt hinter dem Barrage-Platz.

Da kommt der Cup ganz gelegen. Ein anderer Wettbewerb, eine kleine Flucht aus dem Liga-Alltag, in dem GC seine Rolle noch nicht so richtig gefunden zu haben scheint. Spitzenteam, Talentschmiede, irgendetwas dazwischen? Wie viel einfacher ist da die Aufgabe, die sich gegen Luzern stellt: eine klare Rollenverteilung, der Druck nur beim Gegner – das kann einer Mannschaft helfen, der es laut ihrem Trainer an einem ganz besonders fehlt: «Routine.»

Und wahrscheinlich war es auch kein Zufall, dass GC gerade gegen Servette jene Qualitäten ausspielte, die Forte-Teams oft auszeichnet: eine klare Organisation, gepaart mit dem unbedingten Willen zur Defensivarbeit. Vermutlich sind die Sinne gegen einen oberklassigen Gegner einfach besser geschärft, als wenn man gegen den Drittletzten der Challenge League 25 Minuten vor Schluss 3:1 führt.

«Du kannst aus dem Cup viele positive Emotionen mitnehmen. Dazu musst du aber auch gut spielen.»Uli Forte, GC-Trainer

Forte weiss, dass es seine Aufgabe ist, der Mannschaft diese Ernsthaftigkeit auch in den ­Ligaspielen einzuimpfen. Zugleich hat er von der Vereins­leitung einen Wunsch erfüllt bekommen: GC hat vor 14 Tagen den vertragslosen Oliver Buff angestellt. Der hat die Erfahrung und die Abschlussqualitäten, die Forte im Angriffsspiel seiner Mannschaft fehlen.

Der 27-Jährige kommt aber auch aus einer Saison, in der er in Spanien und Zypern nur dreimal über die ganze Distanz gespielt hat. Entsprechend sagt ­Forte: «Er musste ­Zusatzschichten schieben, um sich an den ­Rhythmus heranzutasten.» Offen ist, ob es Buff gegen ­Luzern zum Debüt reicht.

Sicher ist dagegen, dass GC aus dem heutigen Cupspiel möglichst viel Schwung für die Liga holen will. Forte sagt: «Du kannst aus dem Cup viele positive Emotionen mitnehmen. Dazu musst du aber auch gut spielen.» Zum Beispiel so wie gegen Servette.


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