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Der Ärger über ein verkauftes Heimspiel

Weil Lausanne das Heimrecht im Cupviertelfinal aus finanziellen Gründen für 175000 Franken an YB verkaufte, ist die Aufregung riesig. Im letzten Spiel 2009 ist YB morgen deutlich favorisiert (15.30 Uhr, TSR2 live).

Verkommt der Schweizer Cup zur Farce? Diese Befürchtung ist weit verbreitet, und abwegig ist sie nicht. Es ist traurig, wenn ein wirtschaftlich angeschlagener Traditionsklub wie Lausanne sein Heimspiel im Viertelfinal gegen YB verkaufen muss, um finanziell nicht noch mehr Probleme zu erhalten. Challenge-League-Vereine machen in Cup-Heimspielen gegen Teams mit grosser Anhängerschaft wie Basel, YB oder Zürich regelmässig Verluste, weil die Sicherheitskosten zu hoch sind. So hat Le Mont im Sechzehntelfinal gegen den FCB auf der Lausanner Pontaise ein Minus von 32000 Franken eingefangen. Und weil im Cup nicht nur die Gewinne, sondern auch die Verluste geteilt werden, muss Le Mont nun im vermeintlichen Höhepunkt des Jahres einen Verlust von 16000 Franken bilanzieren. So gesehen muss man einen Klub wie Lausanne verstehen, wenn er das Heimrecht für 175000 Franken an die Young Boys verkauft – selbst wenn es sehr schade und moralisch fragwürdig ist.

Erst 4500 Tickets verkauft

Nicht nur in Lausanne sind Aufregung und Ärger über den «verkauften Heimvorteil» bei Mannschaft und Fans, Sponsoren und Umfeld riesig – auch die YB-Anhänger wehren sich gegen diese Entwicklung, sie kritisierten unter anderem die Young Boys (diese Zeitung berichtete am Donnerstag). Mittlerweile fanden Gespräche zwischen dem Verein und Fanvertretern im Beisein von vier YB-Spielern (Marco Wölfli, Mario Raimondi, Marc Schneider und Paolo Collaviti) statt. Die Fans möchten weiterhin ein Zeichen gegen den Spielabtausch setzen. Aber es ist aus Sicherheitsgründen kaum vorstellbar, dass der harte Kern der YB-Supporter die Partie morgen wie angestrebt im Gästesektor verfolgen kann. Denn die Young Boys als Organisator der Veranstaltung dürfen keine Fandurchmischung erlauben. Möglicherweise werden nun einige Supporter die Begegnung morgen boykottieren

Die Stimmung dürfte am Sonntag im Stade de Suisse so oder so eher trist sein, bis gestern Mittag waren erst rund 4500 Tickets verkauft. Allerdings wird für YB trotz der Auslagen an Lausanne kein Verlust resultieren. Nicht viele Worte über den Heimspielabtausch mag Vladimir Petkovic verlieren. «Das passiert nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal», sagt der YB-Trainer. Und: «Wir wollen und müssen Lausanne bezwingen, egal, ob die Partie zu Hause oder auswärts ausgetragen wird.»

Petkovic und der Fokus

Die Young Boys müssen morgen gegen Lausanne auf Abwehrpatron Emiliano Dudar (gesperrt nach Platzverweis im Achtelfinal bei Xamax) und Mario Raimondi (an der Wade verletzt) verzichten, sind aber natürlich deutlich favorisiert. «Lausanne ist ein kompaktes Team und hat in der Challenge League erst zweimal verloren», sagt Petkovic. Mit bereits sieben Unentschieden aus 15 Partien belegt Lausanne den vierten Rang in der zweitobersten Spielklasse – und möchte in einigen Jahren (nach dem Abriss der alten Pontaise) in einem neuen, modernen Stadion unten am Ufer des Genfersees wieder in der Super League mitmischen. Vor dem Konkurs 2003 feierte Lausanne-Sports sieben Meistertitel und neun Cupsiege. Vorerst geht es aber erneut ums wirtschaftliche Überleben, und da hilft der Zustupf aus Bern gewaltig.

YB ging es vor zehn Jahren noch schlechter als Lausanne heute, doch mittlerweile sind die Berner so selbstbewusst geworden, dass Vladimir Petkovic und sein Team in den nächsten Monaten das Double anstreben. Dazu soll im Winter mindestens ein starker Angreifer verpflichtet werden. «Aber daran denke ich noch nicht. Für mich zählt jetzt nur das Spiel gegen Lausanne», sagt Petkovic. Der Trainer wird die Zeit bis Weihnachten im Tessin verbringen, ehe er über Neujahr Familie und Freunde in Sarajewo besucht. Am 7.Januar 2010 starten die Young Boys mit der Vorbereitung auf die Rückrunde.

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