Der 0:0-Hattrick

YB spielt erneut 0:0. Diesmal in Astana im zweiten Europa-League-Spiel der Saison. Die solidarischen Young Boys überzeugen defensiv.

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Und dann kombinieren sich die eingewechselten YB-Offensivkräfte tatsächlich zum Matchball beim FC Astana. Thorsten Schick legt auf für Kwadwo Duah, aber der Youngster schiesst in der 89. Minute aus bester Lage übers Tor.

Es bleibt im zweiten Gruppenspiel der Europa League beim 0:0, dem dritten 0:0 von YB innerhalb von acht Tagen nach den Nullnummern in Vaduz und Sitten. Trainer Adi Hütter spricht von einem «verdienten Punkt», einer «guten Leistung» und davon, dass sich sein Team taktisch ausgezeichnet verhalten habe.

Aber er gibt auch zu, dass mehr möglich gewesen wäre. «Wir waren im Abschluss leider erneut nicht effizient», sagt Hütter. Er erwähnt diesmal zwar nicht die verletzten Stammstürmer Guillaume Hoarau und Alexander Gerndt, aber es ist offensichtlich: YB fehlt es in der Offensive derzeit an Breite.

Auch, um während eines Spiels angemessen reagieren zu können. Die Joker Schick und Duah traten ihren Dienst erst in der 81. Minute an. Und so reisen die Young Boys zwar stolz aus Kasachstan nach Hause, weil sie «gegen einen starken Gegner wenig zugelassen haben», wie Hütter sagt. Aber sie tun es im Wissen, eine Chance verpasst zu haben, auswärts ein Ausrufezeichen zu setzen.

Überzeugender YB-Start

Dabei begann der Abend in Astana für die Young Boys erfreulich. Sie prägten das Geschehen zu Beginn deutlich, weil sie solidarisch agierten, kampfstark auch, gut organisiert waren und überlegt vorgingen.

Und sie besassen mit Yoric Ravet den stärksten Einzelspieler, der immer wieder gefährliche Aktionen inszenierte. Beispielsweise nach vier Minuten, als Michael Frey den Ball verstolperte. Oder nach 10 Minuten, als Ravet mit präzisem Weitschuss die erste Parade von Goalie Nenad Eric provozierte.

Oder, das war Mitte der ersten Hälfte, als sich Ravet erneut unwiderstehlich durchdribbelte, schliesslich von Frey mit einem Absatztrick bedient wurde und es alleine vor Eric mit einem Heber versuchte. Der Ball strich über die Latte.

Die Gastgeber hinterliessen vorerst einen schwachen Eindruck, sie wirkten unsicher am Ball und wenig zielstrebig in ihren Bemühungen. Erst nach rund einer halben Stunde Spielzeit legten sie zu, nun kämpften sie aggressiver, sie waren entschlossener, ohne aber auch nur einen Hauch von Brillanz zu versprühen.

Der FC Astana ist, das zumindest war der Eindruck am Donnerstagabend, eine ziemlich biedere, bissige Arbeitertruppe.

Fallrückzieher an den Pfosten

Und doch wäre Astana beinahe noch vor der Pause in Führung gegangen. Dazu benötigte der kasachische Meister, wenig überraschend, einen langen Einwurf, der im YB-Strafraum unbehelligt von den Berner Defensivspielern landete und Djordje Despotovic zu einem spektakulären Fallrückzieher animierte.

Es wäre bestimmt eines der schönsten Tore der Europacupwoche geworden, doch der Abschluss in der 38. Minute prallte an den Pfosten.

Nun wankten die Young Boys leicht, nun verloren sie die Bälle zu schnell wieder, nun traten sie nicht mehr mit dem frechen Selbstverständnis auf, das sie vorher ausgezeichnet hatte.

Und doch gehörte die letzte Szene der ersten Halbzeit ihnen. Ravet trat den scharfen Freistoss von der Seite, Abzal Beysebekov verlängerte mit dem Kopf – wenige Zentimeter neben das eigene Tor.

Schwache zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel passierte nicht mehr viel. Astana tat sich in der langweiligen zweiten Halbzeit schwer, YB kämpfte beherzt und blieb stabil, gelang nach vorne aber ebenfalls nicht mehr viel.

Und weil die Ersatzbank personell eben nicht viel hergab, dau­erte es sehr lange, bis Trainer Hütter der Offensive frische Impulse gab. Schick und Duah hätten den Trip nach Astana am Ende fast mit dem Siegtor gekrönt.

So aber steht YB mit einem Punkt aus zwei Partien unter Druck. Nun folgen die zwei Spiele gegen den überraschenden Aussenseiter Nikosia, der am Donnerstag in Piräus 1:0 gewann und dank des 2:1-Startsiegs gegen Astana sechs Zähler auf dem Konto hat.

Zum Glück für YB wird dann Torjäger Guillaume Hoarau wieder im gegnerischen Strafraum anzutreffen sein.

Berner Zeitung

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