Das Team ist erfolgreich, aber nicht so gut, wie die Fussballer glauben

Der Kommentar von Sportredaktor Fabian Ruch zur WM-Qualifikation der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft.

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Die Schweiz hat sich die WM-Teilnahme verdient. Sie hat in zwölf Qualifikationspartien inklusive Playoffs zehnmal gewonnen und einzig auswärts gegen den Europameister Portugal verloren. Und das Nationalteam hat in den Begegnungen gegen Nordirland auch den Mentalitätstest bestanden und bemerkenswerten Kampfgeist bewiesen. Aber es hat sich trotz deutlich höherer Klasse letztlich nur dank eines geschenkten Elfmeters in Belfast und damit wenig souverän durchgesetzt.

Als Erkenntnis bleibt deshalb auch: Die Nationalmannschaft ist relativ erfolgreich und auf einem guten Weg, aber noch nicht so stark, wie die Fussballer selber glauben. Ihre Basis ist eine solide, eingespielte Defensive, den Aufbau prägen mit Stratege Granit Xhaka und Wirbelwind Xherdan Shaqiri zwei Akteure, die nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt sind. Und mit Manuel Akanji, Denis Zakaria sowie Breel Embolo stossen drei sehr hoffnungsvolle Grosstalente nach.

Die letzten Tage aber legten die Schweizer Defizite in der Offensive schonungslos offen. Es fehlt ein Angreifer von internationaler Klasse. Und die Pfiffe in Basel gegen den glücklosen Haris Seferovic mögen brutal sein und deplatziert – aber sie spiegeln das zuweilen ambivalente Verhältnis des Publikums zu dieser sehr selbstbewussten Multikultigeneration Schweizer Fussballer.

Diese WM-Qualifikation jedenfalls darf für die begabte Auswahl nur ein Zwischenschritt sein. Sie will endlich den Achtelfinal an einem Turnier überstehen. Das ist eine ambitionierte, aber nicht unrealistische Zielsetzung. Die Schweiz wird an der WM-Auslosung am 1. Dezember im zweiten Topf liegen, im Achtelfinal würde eine schwierige Aufgabe warten. Wie 2014 gegen Argentinien.

Bis dahin bleibt reichlich Zeit dafür, eine Euphorie in der Fussballschweiz zu entfachen. Die Selbstverständlichkeit, mit der die WM-Qualifikation vielerorts aufgenommen wird, ist das Resultat von guten Leistungen und forschen Sprüchen der Nationalspieler. Hinter den hohen Erwartungen verblasst ein wenig, was für ein toller Erfolg es für ein kleines Land wie die Schweiz trotz vergrössertem Teilnehmerfeld ist, sich zum vierten Mal in Serie für die Weltmeisterschaft qualifiziert zu haben. Es ist der Beleg für die hervorragende Nachwuchsarbeit im Land. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.11.2017, 21:56 Uhr

Fabian Ruch, Sportredaktor.
Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch (Bild: Christian Pfander)

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