«Das sollte einigen Leuten die Augen öffnen»

YB-CEO Alain Kappeler über den Jahresverlust und die schwierige Sponsorensuche, über den Stadionnamen und das Catering im Stade de Suisse – und über die wirtschaftliche Bedeutung von YB.

Dank an die Fans: YB-Spieler nach dem 2:0 gegen Sparta Prag in der Europa League am 11.Dezember.

Dank an die Fans: YB-Spieler nach dem 2:0 gegen Sparta Prag in der Europa League am 11.Dezember.

(Bild: Andreas Blatter)

Fabian Ruch

Alain Kappeler, die Frage sei erlaubt: Wie hoch ist der Jahresverlust von YB diesmal nach 12 bis 15 Millionen Franken 2012 sowie rund 8 Millionen 2013?
Alain Kappeler: Wir nehmen keine Stellung zu Zahlen, das ist der Wunsch unserer Besitzer, die das in all ihren Unternehmungen so handhaben. Die letzten Jahre waren schwierig, aber wir sind auf Kurs, um bald mit einer schwarzen Null abschliessen zu können.

Man hört, der Verlust betrage 2014 etwa 5 Millionen Franken. Ist es überhaupt möglich, dass ein Sportklub in der Schweiz langfristig kein Minus macht?
Die Zahlen sind reine Spekulation. Das Ziel muss sein, selbsttragend zu sein. Das Sportgeschäft ist zwar relativ unberechenbar, aber ich bin sicher, dass wir unser Ziel erreichen können. Dazu müssen wir die Kosten im Griff haben. Und wir müssen auf der Einnahmeseite zulegen. Das geht über Zuschauererträge, aber auch über Sponsoringeinnahmen sowie Transfererlöse.

Im YB-Kader stehen mit Yvon Mvogo, Florent Hadergjonaj, Sékou Sanogo oder Renato Steffen einige Akteure, die bald ins Ausland wechseln dürften...
...unser Kader ist gut aufgebaut, ja, und wir verkauften ja auch zuletzt immer wieder Fussballer in grössere Ligen, im Sommer beispielsweise Michael Frey nach Lille. Die grosse Kunst besteht darin, bereit zu sein, wenn uns ein guter Spieler verlässt. Sportchef Fredy Bickel und seine Leute machen auch diesbezüglich einen starken Job.

Konkret: Wird Mvogo bei einem 7-Millionen-Angebot verkauft? Das ist eine gute Frage, die wir nicht generell beantworten können. Wir haben sportliche Ziele, aber auch eine wirtschaftliche Verantwortung. Die Schwierigkeit im Fussball besteht darin, die beiden Bereiche zu verbinden. Zudem kommt es bei solchen Offerten auf mehrere Punkte an. Wer ist der Interessent? Wie weit ist der Spieler schon? Stimmt der Transfer für alle Beteiligten?

Zuletzt macht es den Anschein, als sei YB sportlich anständig unterwegs. Wie fällt Ihre Bilanz fürs Jahr 2014 aus?
Wir machten einen Schritt vorwärts. Der 3.Platz letzte Saison war gut, nachdem wir ein Jahr zuvor Siebter geworden waren. Jetzt sind wir wieder in der Spitzengruppe unterwegs. Die sieben Siege zum Abschluss der Vorrunde und vor allem das Überwintern in der Europa League waren sehr versöhnlich. Ich denke, das Ausscheiden im Schweizer Cup in Buochs haben wir damit auffangen können.

Wie reagieren die Besitzer Andy und Hans-Ueli Rihs eigentlich auf die YB-Achterbahnfahrt, die sie ja viel Geld kostet?
Sie registrieren die Fortschritte. Letztlich möchten auch sie Erfolge mit YB feiern. Aber selbstverständlich ist es ihnen wichtig, dass wir finanziell solid arbeiten.

Im Stade de Suisse wurden in den letzten Monaten einige Leute entlassen...
...was damit zu tun hat, dass wir Kosten einsparen müssen. Das passiert in jedem Betrieb.

Gerade im Verkauf muss beinahe jedes halbe Jahr wieder jemand gehen. Zuletzt erhielten der Verkaufsleiter und der Leiter Marketing und Kommunikation die Kündigung. Warum?
Wir bewegen uns bei der Sponsorensuche in einem Umfeld mit starken Mitbewerbern. Bei den grossen Werbepaketen stehen wir in nationaler Konkurrenz mit bekannten Veranstaltungen wie dem Spengler-Cup, den Tennisturnieren, dem Schweizer Eishockey- und Fussballcup und anderen Events. Da müssen wir uns behaupten können.

Der Leiter Marketing war erst vor einem Jahr eingestellt und aus über 120 Bewerbern in einem aufwändigen Evaluationsverfahren ausgewählt worden. Was lief da schief, auch der VIP-Kartenverkauf harzt ja?
Wir sind auch enttäuscht über die Trennung. Aber wir wollen neue Wege gehen. Es ist sehr schwierig, Leute zu finden, die schweizweit gut vernetzt sind. Diese Experten sind gesucht.

Es fällt auf, dass YB kaum neue, grosse Werbepartner findet.
Das stimmt nicht. Es ist auch ein Zeichen des Vertrauens, wenn langjährige Partner ihre Verträge verlängern. Oder wenn sich ein Partner wie Migros wieder vermehrt bei uns engagiert.

Der langjährige Stadionpartner BKW steigt jedoch aus.
Ja, die BKW orientiert sich neu. Das schmerzt uns. Aber wir sind zuversichtlich, neue Unternehmen zu finden, die zu uns passen.

Stefan Niedermaier, einer Ihrer Vorgänger, meinte damals, wenn YB einen Zuschauerschnitt von 22000 habe, sei das gut fürs Geschäft. Wie sieht das heute aus?
Wir sind derzeit mit 17500 Besuchern deutlich unter dieser Marke. Der Markt hat sich aber verändert, ich denke, 20000 Zuschauer sind für uns ein realistisches Ziel. Das wäre auch finanziell gesehen ein ordentlicher Schnitt im Stade de Suisse.

Ist der Stadionname eigentlich tabu?
Es ist fast nichts tabu, wenn es uns gelingt, neue Erträge zu erzielen (lacht). Aber auch hier gilt: Ein kommerzieller Stadionpartner müsste zu YB passen. Wir verkaufen nicht einfach den Stadionnamen, nur damit wir höhere Einnahmen haben.

Man hört, in Luzern (Swissporarena) und in St.Gallen (AFG-Arena) würden die Sponsoren rund 1 Million jährlich zahlen. Also wären bei Ihnen 1,5 bis 2 Millionen Franken möglich...

... (lacht erneut) so einfach ist diese Rechnung nicht. Erstens kann ich zu anderen Unternehmen nichts sagen, und zweitens kommt es stark darauf an, was für weitere Werberechte dieser Partner erhält. Es ist auch eine Frage, wie wir das Stadion positionieren wollen. Das Stade de Suisse ist eine multifunktionale Arena. Es gibt ja jetzt eine Unterschriftensammlung der Fans, das Stadion wieder auf Wankdorf umzutaufen. Dieses Anliegen nehmen wir ernst. Aber aus wirtschaftlicher Sicht ist dieser Wunsch nicht umsetzbar, es sei denn, es findet sich ein Sponsor, der diesen Namen kaufen will. Nochmals: Wir müssen die Erträge steigern, damit wir mit YB in eine erfolgreiche Zukunft gehen und weiterhin erstklassigen Fussball bieten können. Das ist das Wichtigste. Also müssen wir alle Optionen prüfen.

Sie übernehmen ab nächster Saison das Catering im Stadion. Welche Vorteile sehen Sie, zumal durch den Verlust der langjährigen Partner in diesem Bereich viel Wissen verloren geht?
Wir möchten näher an den Kunden rücken, seine Bedürfnisse kennen und direkten Kontakt zu ihm haben. Und letztlich erhoffen wir uns höhere Einnahmen. Der Know-how-Transfer ist gewährleistet, indem wir Personal des jetzigen Caterers übernehmen. Einige Verkaufsstellen betreiben wir schon in der Rückrunde. So erhalten wir einen besseren Überblick. Zudem planen wir im Stadionbereich einige Innovationen, es wird mehr digitale Anzeigen geben. Und wir wollen mit den Zuschauern auch ausserhalb des Stadions noch besser interaktiv kommunizieren können, zum Beispiel bei der Bestellung oder bei Promotionsaktionen.

Wie sehen Sie YB insgesamt aufgestellt? Mit dem FC Basel gibt es ja in der Schweiz einen alles überragenden Konkurrenten.
Der FCB liefert bemerkenswerte Ergebnisse, das ist stark. Ich denke, wir haben uns stabilisiert, es herrscht Ruhe im Betrieb, die Leute arbeiten konstruktiv. Man darf nicht vergessen, wie turbulent es in den letzten Jahren teilweise zu und her ging. Letztlich steht und fällt auch bei uns alles mit den Resultaten und Leistungen auf dem Rasen. Und ich höre oft, dass unser Team wieder Freude bereite, weil wir auf den eigenen Nachwuchs setzen würden und richtig starke Transfers getätigt hätten.

Wie sieht es denn bezüglich eines Campus aus, der vieles vereinfachen würde?
Ein zentraler Trainingscampus ist unser Wunsch. Wir würden immer noch am liebsten auf der Allmend zwei, drei Plätze haben, aber das ist offensichtlich sehr schwierig zu realisieren. Diesbezüglich waren auch schon meine Vorgänger immer wieder am Diskutieren mit den Behörden. Wir haben nicht zuletzt deshalb, weil es an Plätzen fehlt, bei uns wieder Kunstrasen verlegt. So können immerhin mehrere Teams im Stadion trainieren.

Die Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Fussballklubs, welche die Swiss Football League herausgab, förderte erstaunliche Zahlen hervor. Hätten Sie gedacht, dass YB in der Saison 2013/14 für einen landesweiten Umsatz von 115 Millionen gesorgt hat?
Nein. Ich war überrascht, wie hoch diese Zahl ist. Das erfüllt uns natürlich auch ein wenig mit Stolz, zumal davon ja alleine mehr als 80 Millionen auf den Kanton Bern entfielen. Und es ging erst noch um eine Saison, in der wir nicht europäisch spielten. In der aktuellen Spielzeit wird der Umsatz noch höher sein. Zudem geht aus der Studie auch hervor, dass die Aktivitäten von YB ein Arbeitsvolumen von 530 Stellen in der Schweiz schafften. Das ist eine gewaltige Zahl, finde ich.

Sind das nicht Fakten, welche Sie bei Verhandlungen mit der Stadt Bern, etwa wenn es um Sicherheitskosten geht, selbstbewusst ins Feld führen können?
Solche Diskussionen besitzen, gerade wenn es um Sicherheitsabgaben geht, immer eine emotionale Komponente. Es gibt immer noch Leute, die finden, wir würden zu wenig zahlen, andere sagen, wir würden viel zu viel abgeben müssen. Bis vor einem Jahr zahlten wir ja 60000 Franken jährlich, jetzt sind es 1.50 Franken für jeden Zuschauer, was insgesamt einige Hunderttausend Franken im Jahr sind. Doch es ist jetzt zumindest wissenschaftlich belegt, welche Bedeutung YB für Bern hat. Und das sollte einigen Leuten die Augen öffnen.

Berner Zeitung

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