Bickel: «Wir haben uns auseinandergelebt»

YB trennt sich nicht ganz unerwartet von Uli Forte. Die Young Boys ziehen nach ungenügendem Saisonstart die Notbremse, weil sie nicht mehr an den Trainer glauben.

Video: Michael Bucher
Fabian Ruch

YB liegt mal wieder am Boden. Keine vier Wochen dauerte es, und aus der Vorsaisoneuphorie im Verein entwickelte sich eine Saisonstartkrise. Am Donnerstag zogen die Young Boys die Notbremse und entliessen Trainer UIi Forte. Aus Sicht des Vereins gab es keine andere Möglichkeit mehr nach drei Unentschieden zu Beginn der Super League und dem klaren Ausscheiden gegen Monaco in der Champions-League-Qualifikation (1:7).

Die Trennung von Forte hatte sich in den letzten Tagen abgezeichnet, nach intensiven Gesprächen entschied der Sportausschuss um Fredy Bickel am Donnerstagmittag, dass die Zeit von Forte in Bern zu Ende sei. Der Trainer wurde ins Stade de Suisse beordert und um 15 Uhr informiert. Knapp zwei Stunden später verliess Forte gerade die Arena, als Sportchef Bickel und Präsident Werner Müller vor den eilig herbeigerufenen Medienvertretern Stellung bezogen.

«Es gab Gräben»

Den YB-Verantwortlichen fiel es nicht leicht, die schwer nachvollziehbare Freistellung Uli Fortes zu erklären. Einerseits waren sie darauf bedacht, keine «schmutzige Wäsche» zu waschen, wie Bickel betonte. Andererseits liessen sie überhaupt keine Zweifel offen, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Forte keinen Sinn mehr gemacht hätte. «Wir haben uns auseinandergelebt», sagte Bickel einmal, «es gab Gräben», meinte er später, und dann sprach er von kommunikativen und anderen Problemen zwischen Spielern und Trainer und auch zwischen Trainerstab und Trainer. «Die Probleme waren am Ende leider nicht mehr zu kitten», sagte Bickel.

Es ist äusserst ungewöhnlich, einen Trainer nach drei Partien zu entlassen. Bickel sprach denn auch von einer Entwicklung, die gegen Ende der letzten Saison zu beobachten gewesen sei, als Resultate und Leistungen schon nicht mehr gestimmt hätten. «Wir hofften, dass es nach der Sommerpause einen Aufschwung geben würde», sagte Bickel, «aber das blieb leider aus.»

Bereits in der Vorbereitung habe es weitere Anzeichen dafür gegeben, dass mit Forte kaum der Turnaround zu realisieren sei. «Wir haben alle Fehler gemacht», meinte Bickel, «und ich habe es verpasst, die Strömungen im Sommer richtig zu analysieren.»

Wichtiger Monat August

YB zog am Donnerstag die Reissleine, weil der August der «wichtigste Monat» ist, wie Bickel sagte. «Wir spielen Ende Monat die Playoffs zur Europa League, da geht es um unser erstes Saisonziel, das Erreichen einer europäischen Gruppenphase.» Zudem sei das Cupspiel in Kriens kein Selbstläufer, YB habe sich in den letzten Jahren in diesem Bewerb immer schwergetan. «Und in der Liga können wir es uns nicht leisten, noch mehr Boden gegenüber der Spitze zu verlieren.»

Dummerweise steht YB genau vor diesen wegweisenden Wochen ohne Coach da. Aber möglicherweise wirkt der Trainerwechsel befreiend aufs Team, und die Klasse im teuren Kader sollte ohnehin ausreichend sein, um sich bald wieder hinter Basel einreihen zu können. Harald Gämperle, bisher Assistent, wird als Interimscoach tätig sein, ihm zur Seite steht vorläufig Erich Hänzi, U-15-Trainer der Young Boys.

Fredy Bickel wirkte am Donnerstag müde und gezeichnet von den Ereignissen. Er entlasse ungern Trainer, sagte er. Und: «Das ist auch eine Niederlage für mich. Ich habe Forte vor zwei Jahren angestellt. Er war der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt, brachte uns zuletzt aber nicht weiter.»

Berner Zeitung

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