Das Lachen vergeht ihm nicht so schnell

Seit seiner Rückkehr von Thun nach Bern hat Josef Martinez erst zweimal getroffen. Vor der Partie in Lausanne vom Sonntag wartet der Topskorer der Vorrunde nun schon seit über zwei Monaten auf ein Tor.

Aufgeweckte Persönlichkeit: Josef Martinez geht gerne auf andere Personen zu. Während des Gesprächs stellt er auch gelegentlich Gegenfragen, lacht vor allem aber viel.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Aufgeweckte Persönlichkeit: Josef Martinez geht gerne auf andere Personen zu. Während des Gesprächs stellt er auch gelegentlich Gegenfragen, lacht vor allem aber viel.

(Bild: Andreas Blatter)

Dominic Wuillemin

Wechselte in der jüngeren Vergangenheit ein Spieler von Thun zu YB, musste bald einmal festgestellt werden, dass dieser Akteur in Bern nicht an die Leistungen beim FC Thun anknüpfen kann. Bei Christian Schneuwly war das so. Der Wünnewiler hatte vor seiner Rückkehr zu den Young Boys im Sommer 2012 mit acht Toren und acht Vorlagen zu den produktivsten Akteuren der Schweiz gezählt. Mittlerweile steht er nach einer enttäuschenden letzten Saison wieder im Oberland unter Vertrag. Oder bei Renato Steffen. Im vergangenen Jahr war er in Thun zum Senkrechtstarter der Super League avanciert, bei den Gelb-Schwarzen vermochte er jedoch bisher kaum einmal zu überzeugen und muss sich meist mit der Rolle des Ersatzspielers begnügen.

Bei Josef Martinez ist es hingegen schwieriger, ein zwischenzeitliches Urteil zu fällen.

Einerseits lässt die jüngste Torausbeute vermuten, dass es sich bei ihm ähnlich wie bei Steffen und Schneuwly verhält. Hatte der 20-jährige Venezolaner in der Vorrunde noch acht Treffer erzielt und so die Skorerliste der Super League angeführt, sind es seit seiner Rückkehr nach Bern erst deren zwei. Beide Tore schoss er Mitte Februar beim 5:3 im Stade de Suisse gegen den morgigen Gegner Lausanne. Seit neun Partien wartet Martinez nun schon auf ein Erfolgserlebnis. In der Torschützenliste sind mittlerweile sechs Akteure vor ihm klassiert. «Ich erwarte von mir, regelmässig zu treffen. Diesen Druck erlege ich mir selber auf», sagt Martinez.

Anderseits ist der 12-fache Nationalspieler unter Trainer Uli Forte gesetzt. Und er deutete bereits mehr als einmal sein grosses Potenzial an. Nebst der Partie gegen Lausanne, in der er zweifelsohne der beste Spieler auf dem Platz war, wusste er auch beim Rückrundenauftakt gegen Thun, in St.Gallen und kürzlich im Letzigrund gegen den FCZ zu überzeugen. Martinez tauchte aber auch mehr als einmal unter, als es dem Team nicht lief, wie beim 0:3 in Sion und der Niederlage gegen Aarau. Bei den Young Boys sei der Konkurrenzkampf um einiges grösser, sagt Martinez. Dies führe dazu, dass er flexibler sein müsse. «Nun spiele ich oft links, manchmal aber auch zentral oder sogar auf der rechten Seite.»

Sprachlich talentiert

Der schussstarke Offensivakteur macht während des Gesprächs im Stadionrestaurant Eleven einen erstaunlich abgeklärten Eindruck. Der scheue Jüngling von einst, der bei seiner Ankunft in Bern vor gut zwei Jahren noch etwas verloren im Presseraum herumgestanden war, ist einem selbstbewussten jungen Mann gewichen, der mittlerweile passabel Deutsch spricht. Er möge Sprachen, sagt Martinez, der mit Gonzalo Zarate und Milan Vilotic zweimal die Woche den Deutschunterricht besucht. Mit Berat Sadik, Thuns finnischem Stürmer, unterhalte er sich zudem regelmässig auf Englisch. «Italienisch kann ich auch. Aber Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache. Ich muss noch viel lernen.»

Der persönliche Wandel Martinez’ geht mit seiner fussballerischen Entwicklung einher. Aus dem Ergänzungsspieler, der letzte Saison bei YB nur in der zweiten Mannschaft regelmässig zum Einsatz gekommen war, ist eine Stammkraft geworden. «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Situation. Dank der guten Vorrunde bei Thun konnte ich zu YB zurückkehren. Dem Klub, den ich liebe», sagt Martinez. Er müsse aber weiterhin hart arbeiten, um noch torgefährlicher zu werden.

Gelingt ihm das, dürften bald die letzten Zweifel an seinem Leistungsvermögen beseitigt sein.

Lausanne - YB: Bernerzeitung.ch/Newsnetz berichtet im Liveticker ab 13.45 Uhr.

Berner Zeitung

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