Zum Hauptinhalt springen

Mit Teamspirit und Kampfbereitschaft gegen das starke YB

Der Stadtberner Maurizio Jacobacci trainiert seit letzten Herbst den FC Lugano. Er spricht über seine Arbeit und die Schwierigkeiten,über eine Zusammenarbeit der Tessiner Vereine und den nächsten Gegner YB.

Fabian Ruch
Maurizio Jacobaggi fordert Verstärkung für sein Team. Foto: Freshfocus
Maurizio Jacobaggi fordert Verstärkung für sein Team. Foto: Freshfocus

Was läuft beim FC Lugano?

Sie haben unsere drei Resultate nach der Winterpause doch auch gesehen.

1:3 in St. Gallen, 1:1 gegen Xamax, 2:3 in Thun…

… ja, und damit können wir natürlich nicht zufrieden sein.

Aber total schlecht waren die Auftritte Luganos ja nicht.

Nein, aber wir haben es nicht gut genug gemacht. Es kann nicht sein, dass wir wie am Sonntag in Thun zwei Gegentore innert kürzester Zeit auf die genau gleiche Art nach einem Eckball erhalten. Das hatten wir zuvor eigentlich immer stark verteidigt. Es regt mich sehr auf, wenn wir uns da nicht klug verhalten.

Als Sie Lugano nach 12 Spieltagen übernahmen, lag das Team auf Rang 9. Nun ist Lugano Siebter, mit sieben Punkten Vorsprung auf den neunten Platz. Sind Sie grundsätzlich trotz der letzten Ergebnisse zufrieden mit der Entwicklung?

Es ist uns gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren. Und wir waren in der Winterpause zu­versichtlich, den nächsten Schritt gehen zu können. Leider haben uns zuletzt mit Stürmer Carlinhos und Balint Vecsei zwei wichtige Spieler verlassen. Und wir haben grosses Verletzungspech, es fehlen wichtige Akteure wie Jonathan Sabbatini und Linus Obexer. Andere wie Alexander Gerndt und Marco Aratore sind wegen Trainingsrückstands noch nicht in Bestform, Fran­cisco Rodriguez hat mit ge­sundheitlichen Problemen zu kämpfen. Das alles können wir schlechter wegstecken als die Topteams.

«Unser Problem ist, dass wir zu wenig gefährlich sind. Wir benötigen noch einen Stürmer.»

Lugano hat wie Meister YB 26 Gegentore erhalten…

… aber zuletzt waren es eben sieben in drei Begegnungen. Nach der Vorrunde waren es in 18 Spielen erst 19 gewesen, wir müssen diese Solidität sofort wieder finden. Aber unser Problem ist vor allem, dass wir offensiv zu wenig gefährlich sind. Wir benötigen unbedingt noch einen Stürmer, doch viele Tage bleiben uns nicht mehr, bis der Transfermarkt Mitte Februar schliesst.

Man hört, Lugano sei am in Luzern umstrittenen Blessing Eleke interessiert, der enormes Potenzial besitzt, aber immer wieder mit Undiszipliniertheiten auffällt. Möglicherweise könnte er seine Karriere im Tessin mit einem leihweisen Engagement neu lancieren und seinen Marktwert steigern.

Eleke ist ein sehr starker Stürmer, und unser Präsident weiss, dass wir etwas machen müssen. Ich weiss aber nicht, wie es bei Eleke genau aussieht. Da gibt es sicher auch andere Interessenten.

Luganos Präsident Angelo Renzetti fällt regelmässig mit Kritik am Team in der Öffentlichkeit auf und versucht seit langem, einen Käufer für den Verein zu finden. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Äusserst angenehm, wir haben alle zwei, drei Tage Kontakt. Als ich im Herbst hier anfing, sagte er mir, dass er mir nur einen Vertrag bis Ende Saison vorlegen könne, da er den FC Lugano verkaufen wolle. Das war immer alles transparent. Dann erwiesen sich die angeblichen Investoren als Luftschlösser, das war bitter für ihn. Es hat sich nichts daran geändert, dass Renzetti einen Käufer sucht. Aber wir haben nun immerhin die Gewissheit, dass er bis Ende Saison dabei ist, das sorgt für eine gewisse Ruhe. ­Leider war er zuletzt gesundheitlich etwas angeschlagen, weil es nach einer Hüftoperation kurz vor Weihnachten Komplikationen an der Wirbelsäule und im Nackenbereich gab.

Sie arbeiteten unter Sions Christian Constantin und sind nun bei Luganos Renzetti. Welcher der machtbewussten Präsidenten ist verrückter?

Ich erlebe Renzetti nicht als verrückt. Er tut alles für den FC Lugano, der Club holte in den letzten Jahren das Optimum aus seinen Möglichkeiten heraus, wurde 2017 und 2019 überraschend Dritter, nahm diese Saison erneut an der Europa League teil. Das ist überhaupt kein Vergleich zu den Verhältnissen beim FC Sion.

Stimmt es, dass Sie sich mit Christian Constantin nach Ihrem Rauswurf bei Sion im Herbst 2018 immer noch nicht finanziell geeinigt haben?

Das stimmt. Aber ich möchte und kann dazu nichts sagen.

Weil es um viel Geld geht?

Weil es immer noch ein juristisches Problem ist.

Ausserhalb des Tessins werden die Leistungen des FC Lugano oft wenig gewürdigt. Er gilt stets als Abstiegskandidat.

Das verstehe ich nicht. Stehen uns alle Spieler zur Verfügung, können wir irgendwo zwischen Rang 5 und 7 eingeordnet werden. Der FC Lugano ist ein ordentlich geführter Verein im Mittelfeld der Super League.

Wenig Interesse – und viel Tristesse: Zuletzt erschienen zu den Heimspielen des FC Lugano nur etwas mehr als 2000 Zuschauer. Foto: Andy Müller (Freshfocus)
Wenig Interesse – und viel Tristesse: Zuletzt erschienen zu den Heimspielen des FC Lugano nur etwas mehr als 2000 Zuschauer. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Und warum sind die Zuschauerzahlen derart schlecht? Zuletzt kamen nur etwas mehr als 2000 Leute an die Heimspiele.

Selbst als es dem Verein sehr gut lief, erschienen kaum mehr als 4000 Zuschauer. So ist es nun einmal, daran kann man wenig ändern. Der italienische Fussball ist wegen seiner Nähe zum Tessin enorm präsent, jeder hat seinen Lieblingsverein in der Serie A, die intensiv verfolgt wird. Daneben gibt es den HC Lugano, der einen hohen Stellenwert geniesst. Deshalb ist es schwierig für uns.

Sie sind Stadtberner mit italienischen Wurzeln. Ihnen dürfte es im Tessin sehr gefallen.

(lacht) Es ist wunderschön hier. Aber mir gefällt es immer dort am besten, wo ich gerade arbeite. Privat habe ich den Vorteil, dass meine zwei erwachsenen Kinder und damit auch meine drei Enkelkinder im Tessin wohnen. So bin ich näher bei ihnen. Aber ich bin nicht deswegen zu Lugano gekommen, sondern weil ich eine interessante Aufgabe bei einem Super-League-Club habe.

«Das wäre wie eine Fusion zwischen dem HC Lugano und Ambri im Eishockey.»

Von aussen betrachtet erscheint es sehr sinnvoll und notwendig, dass die Tessiner Vereine endlich gemeinsam als AC Ticino unterwegs wären. Ist das wirklich nicht umsetzbar?

(energisch) Nein, das wird niemals geschehen. Schade, aber das ist unvorstellbar. Die Rivalität ist viel zu gross. Es ist unmöglich, Lugano, Locarno, Bellinzona und Chiasso und alle Anhänger zu vereinen. Das wäre wie eine Fusion zwischen dem HC Lugano und Ambri im Eishockey.

Am Sonntag trifft Lugano zu Hause auf die Young Boys. Wer wird eigentlich in dieser Saison Schweizer Meister?

Es ist schön für die Liga, sieht es nach einem Dreikampf aus. Eine Prognose ist sehr schwierig. Ich würde den FC Basel nicht abschreiben. Sind dort alle Spieler fit, ist das eine richtig starke Truppe. Über die Young Boys müssen wir nicht reden, sie sind der Favorit. Und St.Gallen hat momentan einen Lauf, die Spieler sind jung, gehen auf den Platz, geben Gas und überlegen nicht viel. Die Spielweise der St.Galler gefällt mir, zudem ist das Wettkampfglück in entscheidenden Situationen bei ihnen.

Wie zum Rückrundenstart gegen den FC Lugano, als Ihr Team zur Pause eigentlich mindestens 2:0 und nicht 1:0 hätte führen müssen.

Zum Beispiel. Und dann kassierten wir in der 55. Minute mit dem ersten ernsthaften Schuss auf unser Tor gleich das 1:1 und verloren 1:3. Das war hart, weil unsere Leistung lange Zeit ausgezeichnet war. Gegen Xamax und in Thun aber waren wir zuletzt nicht mehr so homogen. Es ist deshalb sehr wichtig, am Sonntag gegen das starke YB Teamspirit, Kampfbereitschaft, Entschlossenheit, Ehrgeiz und Winnermentalität zu zeigen.

----------

Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Hier finden Sie alle Folgen an einem Ort.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch