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«Das ist eine Jahrhundertleistung»

Der Fussballexperte Marcel Reif schwärmt vom Schweizer Fussball. Ottmar Hitzfeld und den Nationalspielern bescheinigt er eine «Jahrhundertleistung».

Kleines Land ganz gross: Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner (v. l.) stehen für den Höhenflug des Schweizer Fussballs und dessen erstklassiges Nachwuchssystem.
Kleines Land ganz gross: Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner (v. l.) stehen für den Höhenflug des Schweizer Fussballs und dessen erstklassiges Nachwuchssystem.
Keystone

«Für mich sind die Schweizer schon Weltmeister, weil sie sich für Brasilien qualifiziert haben. Man muss die Grösse des Landes sehen, die Möglichkeiten. Man muss sehen, was die Schweiz aus ihren Möglichkeiten gemacht hat», schreibt Marcel Reif in einem Beitrag für die Juni-Ausgabe des «Red Bulletin». Reif, der in der Nähe von Zürich lebt und inzwischen die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt, schreibt die Schweizer Erfolge zu einem grossen Teil dem ausgezeichneten Juniorenkonzept des Schweizerischen Fussballverbands zu: «Die besten Trainer zur Jugend. Das ist die Voraussetzung dafür, dass in diesem so kleinen Land mit seinen gerade mal acht Millionen Einwohnern kein Talent unentdeckt bleibt.»

Auch die Verhältnisse in der Super League kämen der Entwicklung des helvetischen Fussballs entgegen. «Etwas zugespitzt könnte man sagen: Die Schwäche der Schweizer Liga ist ein Mitgrund für die Stärke der Schweizer Nationalmannschaft. Es ist eine Liga, in der Talente spielen können. Talente, die in stärkeren Ligen als zu jung, zu grün gelten würden», so Reif. «Hier dürfen sie früh Erfahrungen sammeln, Spiele machen, gehen dann ins Ausland und reifen zu Spielern heran, die eine Nationalmannschaft voranbringen können.» Der 8. Platz, den die SFV-Fussballer derzeit belegen, sei eine «Jahrhundertleistung».

Deutschland ist für Reif erster WM-Favorit

Den Deutschen traut Reif an der WM eine Menge zu, Platz 2 in der Weltrangliste unterstreiche die Stärke der Equipe von Bundestrainer Joachim Löw. «Im Moment gibt es keine Mannschaft, die stärker ist. Nicht einmal die Brasilianer, auch wenn in Brasilien durchaus etwas Besonderes entsteht. Brasilien macht stark, dass aus super Einzelspielern jetzt eine Mannschaft wächst. Das kann unangenehm werden für den Rest der Welt. Sehr unangenehm sogar. Aber erster Favorit ist für mich dennoch Deutschland. Nur muss die deutsche Mannschaft ihre Favoritenrolle leben und ausleben», führt Reif aus.

Deutschland profitiere vom nach der erfolglosen EM 2000 eingeleiteten Umbau des zuvor antiquierten und zu sehr auf blosse physische Qualitäten ausgelegten Fussballs: «Es ist kein Geheimnis, dass die Schweizer eine Zeitlang Vorbild der Deutschen waren. Das ist den Schweizern hoch anzurechnen, aber noch mehr den Deutschen. Weil sie damals nicht nur begriffen haben, dass andere etwas richtig gemacht haben und sie selbst etwas falsch.»

Copyright Text: The Red Bulletin, Marcel Reif

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