«Das ist die Bundesliga»

Vor wenigen Tagen wechselte der talentierte Rechtsverteidiger Florent Hadergjonaj von YB zu Ingolstadt. Im Interview spricht der 22-Jährige über seinen Transfer und die neue Herausforderung in Deutschland.

YB-Talent in Deutschland: Florent Hadergjonaj war Fixkraft in Bern.

YB-Talent in Deutschland: Florent Hadergjonaj war Fixkraft in Bern.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Florent Hadergjonaj, wie haben Sie sich in Ingolstadt eingelebt?Florent Hadergjonaj: Ausgezeichnet. Es ist ein familiärer Klub, die Stimmung gefällt mir, die Leute hier sind enorm fussballverrückt, auch wenn Ingolstadt keine Riesenstadt ist. Ich bin jetzt ein paar Tage hier, bestritt bereits ein Testspiel gegen den Bayernligisten VfB Eichstätt, das wir 7:0 gewannen. Ich durfte Eckbälle treten, gab gleich einen Assist. Und von den Mitspielern wurde ich wie vom Verein wirklich toll aufgenommen.

Sie klingen richtig begeistert. Ja, es macht Spass hier. Dario Leczano, der auch in Thun spielte, kenne ich aus Luzerner Zeiten, er hat mir viel geholfen und auch die Stadt bereits gezeigt. Als ich vor etwa drei Wochen erstmals von Ingolstadts Sportdirektor Thomas Linke kontaktiert wurde und dann auch mit Trainer Markus Kauczinski ausführlich sprach, spürte ich sofort, dass dies der perfekte Klub für meinen nächsten Schritt in der Karriere ist.

Gab es denn viele andere Angebote? Es gab einige Interessenten, ja, auch grössere Klubs. Aber für mich war immer klar, dass ich nur wechsle, wenn ich auch die Perspektive sehe, einen Stammplatz zu erkämpfen. Zweiter, dritter oder vierter Rechtsverteidiger zu sein und dann ausgeliehen zu werden, wie beispielsweise bei Napoli, das wäre nichts für mich gewesen.

Können Sie schon einordnen, was die Unterschiede zwischen Ihrem letzten Verein YB und Ingolstadt sind? Ich bin noch nicht sehr lange hier. Aber das ist die Bundesliga, da ist einfach alles eine Kategorie grösser. Das Interesse ist gewaltig. Das beginnt bei den Leibchen, auf denen das Bundesliga-Logo ist, und endet bei den Stadien, die immer voll sind.

Noch eine Saison bei YB zu bleiben und in der Europa League oder sogar der Champions League zu spielen, war für Sie keine Option? Es war schon ein wenig ein Hin und Her, bis ich mich entschieden hatte. YB wollte meinen Vertrag, der bis 2018 lief, vorzeitig verlängern. Aber ich war nun rund drei Jahre in der Super League, wo wir viermal pro Jahr gegen die gleichen Teams spielten. Es ist definitiv Zeit für eine neue Herausforderung. Ich war bei YB in den letzten Saisons Stammspieler und spielte eigentlich immer.

«Ich war nun rund drei Jahre in der Super League. Es ist Zeit für eine neue Herausforderung.»Florent Hadergjonaj

Die Young Boys brauchen Einnahmen aus Spielerverkäufen und waren gezwungen, einen jungen Spieler zu verkaufen. Sie stehen aber auch vor interessanten Partien. Die Champions-League-Playoffs gegen Gladbach reizten Sie nicht mehr? Doch, klar, das sind für YB grosse Spiele. Aber mit Ingolstadt werde ich auch zweimal gegen Gladbach spielen und sehr oft vor 40 000 oder 50 000 Zuschauern. Das ist in Deutschland normal.

Und von den Mitspielern in Bern konnten Sie sich bereits verabschieden? Ja, ich ging am Sonntagmorgen nach dem Derbysieg gegen Thun in die Kabine, hielt sogar eine Rede und konnte jedem die Hand geben. Das war mir wichtig.

In Ingolstadt ist der erfahrene Tobias Levels Ihr Konkurrent. Wie sehen Sie Ihre Perspektive und jene des Vereins? Junge Spieler können sich bei Ingolstadt und bei Trainer Kau­czinski, der zuletzt in Karlsruhe arbeitete, ideal entwickeln, das gefällt mir. Ich bin ja auch erst 22 Jahre alt. Und ich werde sicher ein wenig Zeit brauchen, um mich an den Rhythmus in der Bundesliga zu gewöhnen. Doch ich habe in dieser Saison bereits einige Ernstkämpfe in den Beinen mit YB und bin bereit. Das erste Ziel von uns ist, nicht abzusteigen. Aber viele Teams kämpfen gegen den Abstieg. Wer hätte denn letzte Saison gedacht, dass Stuttgart oder Zürich absteigen?

Haben Sie mit Xherdan Shaqiri, dessen Bruder Erdin auch Sie berät, ebenfalls über Ihren Transfer gesprochen? Klar, er rief mich an und sagte mir, dass das eine gute Entscheidung von mir sei. Aber ich müsse mir bewusst sein, was auf mich warte, die Bundesliga sei ganz anders als die Super League. Es würde jede Woche um viel gehen, das Niveau sei deutlich höher. Das reizt mich sehr. Xherdan Shaqiri spielte ja bei den Bayern in München, das ist nur 40 Minuten von hier entfernt, und kennt die Gegend ganz gut.

Und wie sehen Sie Ihre Perspektiven in der Schweizer Nationalmannschaft? Ich spiele mit der U-21-Auswahl die EM-Qualifikation, dann sehen wir weiter. Vorerst geht es für mich darum, dass ich mich in der Bundesliga etabliere.

Der albanische Fussballverband wollte Sie unbedingt für die Euro 2016 aufbieten, in Zukunft könnten Sie zudem für den Kosovo spielen. Sind das Alternativen für Sie, falls es in der Schweizer Nationalmannschaft in nächster Zeit nicht weitergeht? Daran denke ich derzeit nicht. Es werden sicher Gespräche stattfinden, aber darum geht es im Moment nicht. Für mich persönlich ist dieser Wechsel nach Ingolstadt eine grosse Sache, ich freue mich enorm, ziehe aber erstmals von zu Hause in Langnau aus. Vieles wird neu und anders sein. Noch lebe ich im Hotel, aber bald werde ich eine Wohnung oder ein Haus haben. Okay, mein Bruder wird zum Glück oft bei mir sein, und die Familie wird mich viel besuchen kommen.

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