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Das erste grosse Zeichen gegen Blatter

Der Engländer David Gill verlässt aus Protest gegen Präsident Sepp Blatter das Fifa-Exekutivkomitee. Luis Figo fährt schweres Geschütz auf.

«Dieser Schritt fällt mir nicht leicht»: David Gill hat genug von der Fifa.
«Dieser Schritt fällt mir nicht leicht»: David Gill hat genug von der Fifa.
Reuters
«Heute ist ein weiterer dunkler Tag. Die Fifa hat verloren, vor allem aber hat der Fussball verloren. Und jeder, dem er etwas bedeutet, ebenfalls», urteilt Portugals Fussball-Legende Luis Figo.
«Heute ist ein weiterer dunkler Tag. Die Fifa hat verloren, vor allem aber hat der Fussball verloren. Und jeder, dem er etwas bedeutet, ebenfalls», urteilt Portugals Fussball-Legende Luis Figo.
Keystone
Blatter selbst sieht das natürlich ganz anders. «Ich bin nicht perfekt. Aber ich werde die Fifa meinem Nachfolger in einem sehr guten Zustand übergeben», gab er zu Protokoll.
Blatter selbst sieht das natürlich ganz anders. «Ich bin nicht perfekt. Aber ich werde die Fifa meinem Nachfolger in einem sehr guten Zustand übergeben», gab er zu Protokoll.
Keystone
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David Gill, früherer Club-Direktor von Manchester United, hat nach der Wiederwahl von Präsident Sepp Blatter seinen sofortigen Rückzug aus dem Fifa-Exekutivkomitee erklärt. «Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees zu sein», sagte Gill am Samstag in Zürich. Er hatte den Platz als Fifa-Vizepräsident übernehmen sollen, der laut Statuten für die vier britischen Verbände reserviert ist. Wer sein Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest.

Der portugiesische Ex-Nationalspieler Luis Figo übte mit Blick auf den Korruptionsskandal scharfe Kritik. Der Schweizer dürfe nicht länger für den Weltfussball Verantwortung tragen: «Herr Blatter wusste und weiss von den Akten der Korruption, Einflussnahme und Gaunereien. Falls nicht, wie er behauptet, ist das so, weil er nicht in der Lage ist, die Fifa zu leiten. Anders lässt sich das Problem nicht analysieren.»

Trotz der wohl schlimmsten Krise im Weltfussballverband seit dessen Gründung hatte Blatter am Freitag die Wiederwahl geschafft. Sein einziger Herausforderer, Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien, zog seine Kandidatur vor dem zweiten Wahlgang zurück. Blatter hatte im ersten Durchgang 133 Stimmen erzielt, sein Gegner überraschende 73.

Luis Figo war bereits vergangene Woche aus dem Rennen um den Fifa-Chefposten ausgestiegen. Der Fussball-Weltverband funktioniere wie eine Diktatur, erklärte er.

«Vorhersehbar und deprimierend»

Der frühere englische Nationalstürmer Gary Lineker forderte das eurpäische Fussball-Establishment auf, endlich Farbe zu bekennen: «Nur wenn sich die grossen Verbände aus der Fifa zurückziehen, wird sich diese ändern.» Auf Twitter schreibt Lineker: «Es war vorhersehbar und ist deprimierend. Alle Fifa-Mitglieder, die für Blatter gestimmt haben, haben das Spiel betrogen, dass sie lieben sollten.»

«Nach den Ereignissen der letzten Woche ist ein Gegenwind zu spüren gewesen, der am Ende aber nicht stark genug war, um auch den von uns gewollten Wechsel herbeizuführen», erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Dass sich Blatter gross ändern werde, glaube er nicht. «Meine grösste Sorge ist, dass es nicht gelingt, Ruhe reinzubekommen. Wir brauchen eine starke Fifa, das ist unglaublich schwierig.»

Weit drastischer äusserte sich in der BBC Greg Dyke, der Präsident des englischen Verbands: «Die Idee, dass Blatter die Fifa reformieren könnte, ist abwegig. Ich wäre überrascht, wenn er in zwei Jahren noch im Amt ist.»

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