Dann zitterten die Schweizerinnen doch noch

1:1 – das Nationalteam eliminiert Belgien im Barrage-Halbfinal dank der Auswärtstore. Nun spielen sie gegen Holland um das letzte WM-Ticket.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Ein kurzes Stossgebet. Ein tiefer Atemzug. Dann der Dank ans Publikum: Martina Voss-Tecklenburg war die Erleichterung anzusehen nach dem Schlusspfiff. Und sie war ihr anzuhören, als sie sich zum 1:1 ihrer Schweizerinnen im Barrage-Rückspiel gegen Belgien äusserte: «Es war am Ende eine Zitterpartie, aber wir sind verdient weiter.»

Dank der beim 2:2 im Hinspiel erzielten Auswärtstore eliminierte die Schweiz Belgien und erspielte und erkämpfte sich den Barrage-Final um das letzte verbliebene Ticket für die WM 2019 in Frankreich. Um «dieses verdammte letzte Ticket», wie die Nationaltrainerin sagt. Niemand Geringerer als Europameister Holland ist allerdings der Gegner. Die Spiele finden am 5. und am 13. November statt, zuerst auswärts. Es werden für Voss-Tecklenburg die zwei letzten Spiele mit der Schweiz sein.

Ein Rekord, aber...

Das Rückspiel gegen Belgien hatte reichlich Interesse geweckt. Nachdem im Vorverkauf lediglich 1200 Karten verkauft worden waren, hatte Verteidigerin Lia Wälti gegenüber dieser Zeitung noch bedauert, dass es in der Schweiz scheinbar schwierig sei, auch den Frauenfussball als Fest zu zelebrieren. Ganz im Gegensatz zu Belgien, wo zum Hinspiel über 6000 gekommen waren.

In Biel waren es schliesslich 2650, immerhin Rekord für ein Spiel des Frauen-Nationalteams – für jeden anderen Gegner als Deutschland. Und dieser Andrang erwischte den Fussballverband als Organisator auf dem falschen Fuss: Bei Spielbeginn reichte die Schlange vor den zwei einzigen Kassen noch immer rund 50 Meter weit, viele Zuschauer verpassten den Anpfiff.

Fabienne Reutelers Tor lässt die Nati weiter von einer WM-Teilnahme träumen. Video: SRF

Drinnen im Stadion begannen die Schweizerinnen konzentriert, zielstrebig und fehlerlos, ganz anders als vier Tage zuvor im Hinspiel also, wo sie behäbig aufgetreten waren und sich zahlreiche Schnitzer geleistet hatten. Ramona Bachmann und Fabienne Reuteler, die schnellen Stürmerinnen, zeigten grosse Spielfreude. Und es war in der 23. Minute Reuteler, die nach einem Freistoss von Lara Dickenmann mit dem Rücken zum Tor sehenswert zum 1:0 traf.

Diese erstmalige Führung nach 113 Minuten im Duell mit den Belgierinnen wirkte als Beruhigungspille bei der sichtlich angespannten Voss-Tecklenburg, die wieder und wieder das Publikum ermunterte, Lärm zu machen. Die Ambiance war stimmungsvoll wie selten.

Bachmann fehlt im Hinspiel

Für übermässige Nervosität gab es allerdings kaum Gründe: Die Schweizerinnen hatten alles im Griff, die taktischen Anpassungen wirkten. Allerdings verpasste es das Team, ein zweites oder drittes Tor zu erzielen. Die Chancen hierfür hätte allen voran Bachmann gehabt. Ihren enorm starken Auftritt trübte eine strenge Gelbe Karte für ein Foul im Mittelfeld, wegen der sie das ­Hinspiel gegen Holland verpassen wird.

Und es kam, wie es kommen musste: Aus dem Nichts gelang Belgien 13 Minuten vor dem Ende nach einer Mondflanke und einem Stellungsfehler von Lia Wälti der Ausgleich. In den verbleibenden Minuten zitterte Voss-Tecklenburg, und ihre Spielerinnen wirkten plötzlich nervös. Aber sie hielten dicht.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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