«... dann würde ich auf Italien setzen»

Adi Hütter verfolgt die Euro intensiv. Der YB-Trainer spricht über Granit Xhaka und Denis Zakaria, seine Lieblingsspieler an der EM und über sein bisher schwaches Heimatland Österreich, das am Mittwoch gegen das Ausscheiden kämpft.

Hütters Siegertipp: Die italienischen Spieler freuen sich nach dem 1:0-Sieg gegen Schweden.

Hütters Siegertipp: Die italienischen Spieler freuen sich nach dem 1:0-Sieg gegen Schweden.

(Bild: Keystone)

Welchen Spieler der Euro hätten Sie gerne bei YB?Adi Hütter:Jene, die ich gerne haben würde, sind leider für uns nicht finanzierbar.

An wen denken Sie?Die Franzosen Dimitri Payet und Paul Pogba zum Beispiel sind aussergewöhnliche Fussballer, die mich faszinieren. Sie müssten natürlich auch ins Team passen (schmunzelt), aber das dürfte bei den beiden kein Problem sein.

An dieser Europameisterschaft fallen extrem wenig Tore. Worauf führen Sie das zurück?Es gibt mehrere Gründe. Auch die kleineren Nationen verteidigen mittlerweile sehr effizient, da wird gute Arbeit geleistet. Zudem sind die Unterschiede zwischen den Topländern und den Aussenseitern generell kleiner geworden. Dann geht es um viel, man hat nur drei Partien Zeit, da will man zuerst einmal gut stehen und wenig zulassen. Und ich habe den Eindruck, dass einige Starspieler nicht in Bestform sind nach einer langen Saison. Ich denke etwa an Cristiano Ronaldo und Zlatan Ibrahimovic.

Die Schweiz passt mit dem Torverhältnis von 2:1 perfekt ins Bild. Wie haben Ihnen die Auftritte der Schweizer Nationalmannschaft gefallen?Ich verfolge das Team besonders intensiv, weil ich bei YB arbeite und zudem eine Kolumne für eine österreichische Zeitung über die Schweiz schreiben darf. Sie hat sich verbessert, von Spiel zu Spiel, das ist ein gutes Zeichen. Man spürt das gestiegene Selbstvertrauen, ich fand die Schweiz gegen Frankreich beim 0:0 ins­gesamt sogar das stärkere Team, auch wenn die Franzosen die besseren Chancen und Pech bei den Lattenschüssen hatten.

Granit Xhaka gehört zu den besten Spielern der EM. Ist er auf dem Weg in die Weltklasse?Er ist bestimmend, spielstark, souverän, er macht das wirklich sehr gut. Er ist tatsächlich einer der auffälligsten Spieler. Wenn er sein Niveau halten kann, darf sich die Schweiz auf die weiteren Spiele an der Euro freuen.

Sind Sie eigentlich froh, wird YB-Youngster Denis Zakaria bei der Schweiz nicht eingesetzt?Warum sollte ich das sein?

Weil so die Gefahr kleiner ist, dass er schon im Sommer in eine grosse Liga wechselt.Ich gehe davon aus, dass er bei uns bleibt. Ich finde seine Entwicklung fantastisch, wenn man überlegt, wo er vor einem Jahr stand. Da war er Challenge-League-Spieler bei Servette. Wir dürfen auch als Verein stolz auf den Weg von Zakaria sein. Er ist ja erst 19 Jahre alt. Und es würde mich enorm freuen für ihn, wenn er an der EM noch eingesetzt würde. Aber die Konkurrenz ist stark, Granit Xhaka, Valon Behrami und Blerim Dzemaili spielen gut, es hat andere wie Gelson. Zakarias Zeit im Nationalteam wird noch kommen.

Ihr Heimatland hat in den ersten zwei Auftritten schwer enttäuscht. Uns war bis zum Spiel gegen Portugal nicht bekannt, dass die Österreicher vor allem den Car im eigenen Strafraum parken und äusserst destruktiv verteidigen . . .. . . ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Idee war. Bei uns sind einige Leistungsträger nicht in Form, vor allem in der Offensive. Und nach der 0:2-Niederlage zum Start gegen Ungarn war es ja klar, dass Österreich gegen das starke Portugal in erster Linie würde verteidigen müssen. Wir erkämpften uns dort einen Punkt, mit viel, viel Glück, aber dieses 0:0 war ein wertvolles Resultat. Wir sind noch im Rennen.

Ist die Euphorie in Österreich ein bisschen verflogen, auch um den Schweizer Trainer Marcel Koller?Überhaupt nicht. Das Team hat in den letzten Jahren viel Werbung betrieben, es ist gut besetzt, aber es leidet an der Verfassung einiger Schlüsselspieler. Marcel Koller hat in Österreich enorm viel bewegt. Und gegen Island hat das Team ja nun am Mittwoch die Gelegenheit, mit einem Sieg noch den Achtelfinal zu erreichen. Das wird nicht einfach, weil Island ein unangenehmer Gegner ist.

Wie gut kennen Sie eigentlich Marcel Koller?Wir haben uns ein paar Mal ausgetauscht, ich war ja bis letzten Sommer Trainer von Red Bull Salzburg, da waren einige Nationalspieler dabei. Ich denke, der gegenseitige Respekt ist gross.

Setzt Koller den Bayern-Starspieler David Alaba nicht falsch ein? Gegen Portugal fand er sich im offensiven Mittelfeld überhaupt nicht zurecht.Nein, das finde ich nicht. Er ist eben auch nicht in Topform, das spürt man. Und Koller wollte gegen Portugal das zentrale Mittelfeld verdichten mit laufstarken, kämpferischen Akteuren, Alaba rückte eine Reihe nach vorne. Der Plan war, dass er mit guten Pässen Torchancen kreieren oder selber in den Abschluss gehen kann. Leider kam Österreich überhaupt nicht dazu, nach vorne Akzente zu setzen.

Und wer wird denn nun Europameister?Eine Prognose ist bei diesem Turnier noch schwieriger als sonst. Klar, es gibt Italien, Deutschland und Spanien, auch Kroatien ist richtig stark, wenn Luka Modric nicht verletzt ausfällt, den Polen traue ich viel zu.

Wenn Sie 100 Franken setzen müssten ...... dann würde ich auf Italien ­setzen.

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