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Contes Jammern

Chelseas Coach beklagt, dass sein Club bei Transfers sparsam war. Trotz Investitionen von 316 Millionen Franken.

Nur 316 Millionen Franken Ausgaben? Antonio Conte ist nicht zufrieden.
Nur 316 Millionen Franken Ausgaben? Antonio Conte ist nicht zufrieden.
Keystone

Sechs Jahre ist es her, dass Chelsea letztmals in Barcelona antrat. Es war ein Halbfinal in der Champions League, Roberto Di Matteo war der Trainer und seine Taktik einfach gestrickt: Er verbarrikadierte mit allen Mitteln den eigenen Strafraum. Der Erfolg gab ihm recht, Chelsea erarbeitete das gewünschte Remis und gewann später den Final.

Damals waren die «Blues» mit einem 1:0 als Vorgabe aus dem Hinspiel ins Nou Camp gereist, jetzt, im Achtelfinal, tun sie es mit einem 1:1. Das macht das Rechnen für sie nicht komplizierter, aber die Aufgabe schwieriger. Antonio Conte ist als Trainer gefordert. Darum hat er sich mit seinen Spielern besprochen, welche Taktik am besten ist: Angreifen? Verteidigen? Auf Konter hoffen?

Die Saison in der Champions League retten

Die Antwort wird es heute Abend geben. Sie wird wesentlich dafür sein, wie die Saison Chelseas beurteilt wird. Es ist die zweite unter dem Italiener Conte, und bislang ist sie ziemlich durchwachsen verlaufen. Seit Montag und dem 2:0 von Manchester City in Stoke gibt es auch rechnerisch keine Möglichkeit mehr, den Meistertitel zu verteidigen. Acht Runden vor Schluss liegt Chelseas bereits 25 Punkte hinter Leader City.

Gut, im FA-Cup lockt noch ein Titel, am Sonntag steht der Viertelfinal in Leicester an. Aber diesen Wettbewerb zu gewinnen, wäre nur ein schwacher Trost für Chelsea und für Conte. Nur in der Champions League können sie darum die Saison retten.

«Wenn du einen guten Trainer hast und wenn du viel Geld investieren kannst, dann hast du möglicherweise eine erfolgreiche Saison», sagt Conte. «Es ist sehr wichtig, dass der Club und der Trainer die gleichen Ambitionen haben.» Er lässt keinen Zweifel an seinen Ambitionen, er sagt auch: «Ich mache eine grossartige Arbeit.» Er betont das so sehr, dass das nur eines heissen kann: Im Verein denken nicht alle so wie er.

Conte wollte letzten Sommer Romelu Lukaku, er bekam Alvaro Morata. Er wollte Leonardo Bonucci, er bekam Antonio Rüdiger. Er wollte vieles und wurde doch nicht erhört. Er hat seither mehr als einmal betont, dass ihm das Geld fehle, um die Transfers zu tätigen, die für eine gute Saison nötig gewesen wären. Einen wie Conte würde Thuns früherer Trainer Hanspeter Latour «Gränni» nennen, einen «Jammeri». Denn Conte konnte diese Saison acht Spieler verpflichten – für 316 Millionen Franken. Nur City war spendabler.

«Verbrechen am Fussball»

Chelsea war letzte Saison Meister geworden, weil es mit einer Intensität, Seriosität und Konstanz spielte wie niemand sonst. Conte bewies, ein Meister seines Fachs zu sein, wie vorher bei Juventus, das er zu drei Titeln in Serie führte, und beim Nationalteam Italiens. Und mit dem Titel in der Tasche begann er ein erstes Mal zu wehklagen: Die 8,6 Millionen Franken pro Saison waren ihm als Salär zu wenig. Er war erst zufrieden, als es auf 12,5 Millionen angehoben wurde.

Diese Saison hat Chelsea ein paar vernichtende Niederlage einstecken müssen: Gleich zum Start war es das 2:3 gegen Burnley, jüngst ein 0:3 gegen Bournemouth und dann das 1:4 in Watford. Und da war Anfang März noch das 0:1 bei Manchester City. Das Resultat ging ja an, aber für die Kritiker nicht akzeptabel war der Antifussball von Contes Team. Sky-Experte Jamie Redknapp redete darum von einem «Verbrechen am Fussball». Conte rechtfertigte sich, er sei nicht so dumm gewesen, ein 0:3 oder 0:4 zu riskieren. Es wird umso spannender zu verfolgen sein, wie die «Blauen» heute in Barcelona spielen. Destruktiv? Mutig? Auf jeden Fall sind sie Aussenseiter.

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