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«BSC Hollywood» übertrifft sich selber

YB steht mal wieder vor einer Neuausrichtung: CEO Alain Kappeler und Sportchef Fredy Bickel müssen gehen, der Verein will sparen und noch stärker auf den Nachwuchs setzen.

Der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel auf seiner Dachterrasse in der Berner Altstadt. (29.09.2016)
Der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel auf seiner Dachterrasse in der Berner Altstadt. (29.09.2016)
Screenshot Telebärn
Sportchef Freddy Bickel musste am Dienstag seinen YB-Sessel räumen (13.09.2016)
Sportchef Freddy Bickel musste am Dienstag seinen YB-Sessel räumen (13.09.2016)
Keystone
Mit Trainer Adi Hütter, den Fredy Bickel  im Herbst 2015 zu YB holte, kann er die Arbeit nicht mehr fortsetzen.
Mit Trainer Adi Hütter, den Fredy Bickel im Herbst 2015 zu YB holte, kann er die Arbeit nicht mehr fortsetzen.
Keystone
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Der Titel der Medienmitteilung am Dienstagmorgen liest sich harmlos: «BSC YB passt seine Organisationsstruktur an». Der Inhalt des Schreibens aber ist sehr brisant, es ist mitten in der Saison mal wieder ein grosser Knall beim «BSC Hollywood», der sich diesen Spitznamen seit Jahren konsequent erarbeitet.

Aus wirtschaftlichen Gründen werden die Bereiche Sport und Kommerz wieder zusammengelegt, diese Restrukturierung hat zur Folge, dass CEO Alain Kappeler und Sportchef Frey Bickel den Verein verlassen. Die Trennung erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, heisst es.

Alain Kappeler kam der Freistellung mit seiner Kündigung zuvor. Bild: Andreas Blatter
Alain Kappeler kam der Freistellung mit seiner Kündigung zuvor. Bild: Andreas Blatter

Das ist natürlich glatt gelogen, selbst wenn Kappeler seiner Entlassung mit einer Kündigung zuvorkam. Beide müssen gehen, neuer CEO wird Wanja Greuel, bisher Leiter Marketing und Verkauf im Betrieb. Der neue Leiter Sport ist bestimmt, wird aber erst im Oktober vorgestellt ...

Kaum Informationen

Es ist, nicht zum ersten Mal, eine merkwürdige YB-Pressemitteilung, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Zumal nicht Stellung bezogen wird. «Der Verwaltungsrat hat entschieden, dass es über die Medienmitteilung hinaus keine weiteren Informationen gibt», sagt YB-Pressechef Albert Staudenmann.

Die Besitzer Andy und Hansueli Rihs stehen gemäss Medienbotschaft weiter mit Leidenschaft hinter dem Klub: «YB will ein Spitzenklub der Super League mit Erfolgen auch auf dem internationalen Parkett bleiben. Wir erwarten aber, dass sich die sportlichen Ziele nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten.»

Nach sechs Jahren voller Millionenverluste soll bei YB gespart werden. Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger wird zitiert, man sei froh und stolz, weiter auf die Investoren zählen zu dürfen. Und YB werde in Zukunft noch konsequenter auf den eigenen Nachwuchs setzen. «Wir sind überzeugt, dass dieser Weg für eine Ausbildungsliga wie die Super League richtig ist.»

«Wir sind überzeugt, dass dieser Weg für eine Ausbildungsliga wie die Super League richtig ist.»

Hanspeter Kienberger, Verwaltungsratspräsident

Fredy Bickel schliesslich, der nach seiner Rückkehr zu YB vor dreieinhalb Jahren lange Zeit als Hoffnungsträger des Klubs galt, will und darf nicht öffentlich Stellung nehmen. Sein Arbeitspapier ist noch gültig. Er unterschrieb Anfang Jahr einen unbefristeten Vertrag mit langfristiger Kündigungsfrist ­– was sich nun als günstiger für YB erweist, als wenn Bickel bis 2018 oder 2019 unterzeichnet hätte.

Viel Geld ausgegeben

Fredy Bickel hatte im Januar 2013 angekündigt, bis 2016 einen Titel gewinnen zu wollen. Und obwohl sich YB Schritt für Schritt steigerte und sich klar als zweitbestes Team der Schweiz positionierte, gelang es nie, Basel her­auszufordern.

Im Cup leisteten sich die Young Boys mehrere Peinlichkeiten, sie qualifizierten sich aber auch zweimal (2014 und 2016) für die Europa League. Bickel baute den Nachwuchs erfolgreich um, mehrere junge Fussballer schafften den Sprung in die erste Mannschaft, Talente wie Yvon Mvogo und Denis Zakaria versprechen Millioneneinnahmen, wenn sie verkauft werden.

Insgesamt aber ist das Personal immer noch sehr teuer, es gab umstrittene Vertragsverlängerungen, einige Löhne sind enorm hoch, in Verhandlungen mit anderen Klubs soll Bickel nicht knausrig gewesen sein. Zudem gab es mit Ausnahme von Florent Hadergjonaj (für rund zwei Millionen Franken zu Ingolstadt) keinen lukrativen Verkauf.

Vor einem Jahr sagte Andy Rihs noch, Fredy Bickel sei der «beste Sportchef der Liga». Bild: Andreas Blatter
Vor einem Jahr sagte Andy Rihs noch, Fredy Bickel sei der «beste Sportchef der Liga». Bild: Andreas Blatter

Dennoch ist der Rauswurf für Fredy Bickel sehr bitter. Aber er kommt nicht unerwartet. Nachdem Urs Siegenthaler Ende Mai im Verwaltungsrat Einsitz genommen hatte als sportlicher Berater, zeichnete sich das Ende Bickels immer stärker ab. Die beiden sprachen kaum zusammen, nun hat sich Siegenthaler durchgesetzt.

Und gehen muss Bickel, der von Andy Rihs noch vor einem Jahr als «bester Sportchef der Liga» bezeichnet worden war. Damals, im Sommer 2015, meinte Rihs, man müsse halt noch mehr investieren, um Basel angreifen zu können.

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