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Bloss nicht die Schweden

Heute erfährt die Schweiz ihren Gegner in den WM-Playoffs. Auf das Nationalteam warten Mitte November zwei Partien gegen eine bissige Mannschaft.

Schwede mit Sonderklasse: Emil Forsberg (vorne) von Leipzig ist der beste Fussballer der vier möglichen Schweizer Gegner in den WM-Playoffs.
Schwede mit Sonderklasse: Emil Forsberg (vorne) von Leipzig ist der beste Fussballer der vier möglichen Schweizer Gegner in den WM-Playoffs.
Keystone

Die 0:2-Niederlage in Portugal vor einer Woche nach einer Qualifikation mit neun Siegen in ­Serie hat das Schweizer Nationalteam zurück in die Realität geholt. Heute erfährt es an der Auslosung der Playoffs seinen letzten Gegner auf dem Weg an die WM 2018. Die zwei schweren Partien werden zeigen, ob die Auswahl am Widerstand wächst – oder am Druck zerbricht.

Es ist eine Reifeprüfung, ein Charaktertest auch für diese talentierten Fussballer, die so sehr davon überzeugt sind, an einem Turnier den Coup landen zu können. Unmittelbar nach der Niederlage in Portugal sagte Captain Stephan Lichtsteiner: «Nun geht es zweimal um alles, wir werden und müssen bereit sein. Es gibt keine Ausreden.»

Zwei leidenschaftliche Teams

Die Schweiz hat es verdient, an der WM dabei zu sein. Das wird in den Playoffs Mitte November aber keine Rolle spielen, im Gegenteil, der Siegdruck liegt auf dem Team von Vladimir Petkovic. Der Trainer drehte in den letzten 18 Monaten kompetent an manchen Schrauben, die Schweiz wird Favorit sein. Gegen Irland. Oder Nordirland. Oder Griechenland. Oder Schweden.

Die Schweiz ist gesetzt wie Italien, Kroatien und Dänemark, entscheidend ist die Fifa-Weltrangliste, und da ist die Schweiz zwar auf Rang 11 abgerutscht – aber immer noch bester der acht Playoff-Teilnehmer. Die vier möglichen Gegner haben in den 10 Qualifikationspartien 19 Punkte geholt – 8 weniger als die Schweizer (in einer allerdings ziemlich schwach besetzten Gruppe).

All das wird in den zwei Begegnungen mit Finalcharakter keinen kümmern. Es geht um mehr als um Spielstärke, um die mentale Verfassung etwa. Oder um Leidenschaft, Kampfkraft, Willen. Es sind Eigenschaften, die Irland und Nordirland im Überfluss besitzen. Von den Einzelspielern her sind diese zwei Nationen deutlich schwächer als die Schweiz. Es sind spielerisch bescheidene Teams, aber sie erreichten letztes Jahr wie die Schweiz an der aufgeblähten Euro 2016 den Achtelfinal. Irland führte gegen Gastgeber Frankreich 1:0 und verlor 1:2, Nordirland scheiterte an Wales 0:1. Die Schweizer müssten bereit sein, den harten Kampf anzunehmen.

Starke griechische Defensive

Bestimmt intensiv würde es auch gegen Griechenland zugehen. Der Europameister 2004 ist nach schwierigen Jahren des Umbruchs wieder im Aufwind, Mittelfeld und Sturm allerdings sind nicht herausragend, Angreifer Konstantinos Mitroglou von Marseille ist der gefährlichste Akteur – und in guter Verfassung.

Herausragend ist die Innenverteidigung mit Konstantinos Manolas (AS Rom) und Sokratis (Dortmund), wobei Manolas noch bis Anfang November verletzt ausfällt. Auch Kyriakos Papadopoulos vom HSV ist ein unangenehmer Abwehrspieler von gehobener Klasse. Und mit Panagiotis Retsos (Leverkusen) steht ein erst knapp 19-Jähriger im Team, der als eines der grössten Defensivtalente Europas gilt.

Forsberg lenkt die Schweden

Auf dem Papier sicher der stärkste Schweizer Gegner wäre Schweden. An der Euro 2016 enttäuschte die Auswahl zwar mit nur einem Punkt (1:1 gegen Irland). Und seither ist der ohnehin verletzte Superstar Zlatan Ibrahimovic nicht mehr dabei. Und wie die Griechen sind die Schweden in der Offensive nicht von furchterregender Qualität.

Aber sie sind ausgezeichnet organisiert, die Defensive wird von Victor Lindelöf (Manchester United) angeleitet und ist ebenfalls eher stärker als jene der Schweiz. Im Aufbau stehen bissige, fleissige Arbeiter – und vor allem mit Emil Forsberg von Leipzig ein technisch brillanter, feiner Individualist. Forsbergs Klasse hebt die Schweden noch von den Griechen ab.

Nordirland? Irland? Griechenland? Schweden? Touristisch gesehen haben alle vier Destinationen ihren besonderen Reiz. Das interessiert die Schweizer nicht. Auf sie warten zwei wegweisende, zwei grosse Partien, in denen enorm viel auf dem Spiel steht.

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