Zum Hauptinhalt springen

Bitterer Beigeschmack

Nach einem aufwühlenden Spiel und dem 1:1 gegen Zagreb sind die Young Boys leicht enttäuscht. Der junge Berner Grégory Wüthrich spielte stark – und stand beim Gegentor mittendrin.

Moritz Marthaler/lsi
Ein hektischer, heikler Tanz: Grégory Wüthrich (links) gestern Abend gegen Dinamo Zagrebs Mario Gavranovic.
Ein hektischer, heikler Tanz: Grégory Wüthrich (links) gestern Abend gegen Dinamo Zagrebs Mario Gavranovic.
Christian Pfander

Er hebt noch einmal die Hand. Noch einmal den Ball fordern, noch einmal einschalten ins Spiel, es war ein schwieriger Abend, ein hektischer, heikler Tanz für beide Abwehrreihen – und mittendrin: Grégory Wüthrich.

Dinamo Zagreb gehörten Phasen der zweiten, den Young Boys die erste Halbzeit in diesem phasenweise packenden Fussballspiel vor den Toren der Champions League. Und dass Wüthrich, der bullige 23-Jährige aus dem Berner Westen, da mittendrin steht, hätte vor ein paar Monaten viele noch überrascht.

Grégory Wüthrich & Loris Benito nach dem Champions-League Playoff-Spiel gegen Zagreb.

Vergangene Saison musste er sich hinten anstellen, hinter Toptalent Kasim Nuhu, der in diesem Sommer zu Hoffenheim wechselte. Wüthrichs Stunde schlug im Juli, er machte sich gut in den ersten Spielen, eng geführt von Captain Steve von Bergen, der mit ihm in diesen ersten Wochen der Spielzeit das Zentrum in der YB-Abwehr verantwortet.

«Grégy ist ein Töff»

Am Mittwoch erwischte Wüthrich wie alle Young Boys einen vorzüglichen Start in diesen so wichtigen Abend für den Verein. Er war bissig, aggressiv, wach, war oft an der Spielauslösung beteiligt. «Grégy ist ein Töff», so sagt das Goalie David von Ballmoos.

«Ich will ein moderner, aber harter Innenverteidiger sein, einer, der viel fürs Spiel tut», so sagt das Wüthrich selber. Er gibt das Bild eines selbstbewussten jungen Fussballers ab – und muss am Mittwoch Abend dennoch damit leben, dass man ihn am Ende auch ein wenig an dieser einen Szene messen wird.

Es läuft die 40. Minute, fast eine Halbzeit lang haben die Berner wenig zugelassen, vor allem aber haben sie viel kreiert, den Gegner bestens im Griff und das 2:0 wieder und wieder vor Augen. Dann ein Ballverlust, alles geht schnell, der Pass von Izet Hajrovic kommt massgenau, alle schauen, Wüthrich steht. Und zwar weit vorne, er ist unsicher, weil da kein Verteidiger mehr ist, aussen auf rechts, weil Kevin Mbabu weit vorne ist, zu spät für den Rückwärtsgang.

Das ärgerliche Gegentor kurz vor der Pause, bei dem auch Wüthrich nicht gut aussieht.

Und so steht am Ende dieser Aktion: Ausgleich Zagreb und ein unglücklicher Wüthrich. «Das ärgert mich sehr», sagt er, «erst lassen wir kaum etwas zu, dann werden wir so hart bestraft.» YB-Trainer Gerardo Seoane bezeichnet die Szene als «kleinen Schrecken, der zu einem zu dem Zeitpunkt ungerechten Resultat führte».

(K)eine Erinnerung an ZSKA

Vor einem Jahr sagte Steve von Bergen nach dem Antritt an gleicher Stelle gegen ZSKA Moskau, er rede während eines Spiels fast pausenlos auf seinen Partner in der Innenverteidigung ein. Kasim Nuhu produzierte damals mit einem unfassbaren Lapsus ein Eigentor in der Nachspielzeit, YB verlor 0:1.

So schlimm kam es für die Young Boys am Mittwochabend nicht. Das 1:1 lässt mehr Chancen fürs Rückspiel offen, die Leistung war mehr als ansprechend. «Wir haben den Sieg verpasst – aber genau den streben wir nächste Woche an», sagt Wüthrich. Und weiter: «Steve (von Bergen) redet mit allen viel. Und er will vor allem auch, dass ich viel kommuniziere.»

Fürs Rückspiel am nächsten Dienstag in der kroatischen Hauptstadt sind die Young Boys guten Mutes. «Wir haben etwa in Piräus schon in heisser Atmosphäre gespielt», sagt Benito zum Hexenkessel, der YB im Maksimir-Stadion von Dinamo erwarten könnte. «Wir werden bereit sein.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch