«Bitte bloss nicht die Schweiz»

In Tirana als Held empfangen, spricht mit FCZ-Spieler Burim Kukeli erstmals ein Schweiz-Albaner über die «historische» EM-Qualifikation.

Als hätten sie bereits den EM-Titel geholt: Albaniens Premier Edi Rama empfängt die Spieler in Tirana nach der Rückkehr vom letzten Qualifikationsspiel. (12. Oktober 2015)

Als hätten sie bereits den EM-Titel geholt: Albaniens Premier Edi Rama empfängt die Spieler in Tirana nach der Rückkehr vom letzten Qualifikationsspiel. (12. Oktober 2015)

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Burim Kukeli, was bedeutet für Sie persönlich diese EM-Qualifikation?
Sie bedeutet mir unheimlich viel, weil wir mit der erstmaligen Qualifikation für ein grosses Turnier Historisches geleistet haben. Das wird in die Geschichte unseres Landes eingehen. Darauf bin ich echt stolz. Der albanische Fussball musste im Weltfussball lange genug unten durch. Aber so richtig realisiert habe ich es trotzdem noch nicht.

Wie meinen Sie das?
Ich kann diese EM-Qualifikation wirklich noch nicht ganz einordnen. Wir werden es alle wohl erst in Frankreich realisieren, wenn wir in grossen Stadien gegen die ganz grossen Europas antreten.

Sie haben in den Qualifikationsspielen mit Portugal einen ganz Grossen schon mal besiegt. War das der Schlüssel zum Erfolg?
Wir hatten eine sehr schwere Gruppe und konnten uns trotzdem durchsetzen. Niemand hat an uns geglaubt, ausser wir selbst und die albanische Bevölkerung. Wir sind zum ersten Gruppenspiel nach Portugal gereist und haben uns vor dem Spiel gesagt: Wir holen dort etwas. Und mit diesem unerschütterlichen Glauben an uns selbst haben wir das Spiel dann tatsächlich auch mit 1:0 gewonnen. Das war schon so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn es die Auslosung so will, könnten Sie in Frankreich in der Gruppenphase möglicherweise auf die Schweiz stossen. Wäre das Ihr Wunsch?
Nein, bitte bloss nicht die Schweiz. Erstens hat die Schweiz eine sehr starke Mannschaft, in der erst noch einige Spieler mit albanischen Wurzeln spielen. Und zweitens habe ich einen grossen Bezug zu diesem Land. Wenn wir an der EM schon auf die Schweiz treffen sollten, dann bitte erst im Final.

Mit Berat Djimsiti (FCZ), Naser Aliji (Basel), Taulant Xhaka (Basel), Migjen Basha (Luzern), Shkelzen Gashi (Basel), dem ehemaligen FCB-Spieler und zurzeit vereinslosen Arlind Ajeti, Ermir Lenjani (Nantes), Amir Abrashi (Freiburg), Armando Sadiku (FCZ), Captain Lorik Cana (Nantes) und ihnen standen beim 3:0-Sieg am Sonntag in Armenien elf Spieler in Albaniens Kader, die in der Schweiz geschult wurden und zu Profis reiften. Wie gross ist der Anteil der Schweiz an eurer EM-Qualifikation?
Sehr gross sogar. Wir alle haben eine hervorragende Ausbildung genossen und haben davon unheimlich profitiert. Und das ist jetzt auch dem albanischen Fussball zugute gekommen. Aber wir haben den Schweizer Clubs mit Leistung auch vieles zurückgegeben.

Mit Berat Djimsiti, Armando Sadiku und Ihnen reisen drei FCZ-Spieler an die EM in Frankreich, die in der Super League zurzeit in den Kampf gegen den Abstieg involviert sind. Es kann doch nicht sein, dass drei Challenge-League-Spieler an eine EM fahren?
Sicher nicht. Der FCZ wird nicht absteigen. Dazu haben wir viel zu viel Qualität in der Mannschaft. Schon beim letzten Spiel gegen Meister Basel haben wir beim 2:2 gezeigt, zu was wir fähig sind. Berat, Armando und ich werden nicht als Absteiger nach Frankreich reisen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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