Binggeli: Knacknuss in der 43. Saison

Fritz Binggeli ist wieder Cheftrainer. Der Coach strebt mit dem U-21-Team des FC Thun in der 1. Liga den Klassenerhalt an.

In seiner 43. Saison als Trainer steht Fritz Binggeli eine schwierige Mission bevor.
Peter Berger@PeterBerger67

«Ich habe das nicht gesucht», sagt Fritz Binggeli. «Ich bin auch mit der Rolle als Assistenztrainer zufrieden, aber selbstverständlich bin ich bereit zu helfen.» Sportchef Andres Gerber beförderte Binggeli nach 2013 zum zweiten Mal zum Chef der U-21, nachdem Pascal Cerrone in den Staff der 1. Mannschaft geholt worden war. «Fritz hat enorm viel Erfahrung. Er kennt alle Klubs und Trainer der Region. Und beim FC Thun war er auch schon für die U-18 zuständig. Er kennt also auch die Jungs und deren Geschichte. Das ist sehr wertvoll», begründet ­Gerber.

Deshalb ist Assistent Binggeli jetzt wieder Cheftrainer. Dabei hatte er im Sommer 2010 seine Trainerkarriere nach 35 Jahren ohne Unterbruch im Amateurfussball schon als beendet erklärt. Rückblickend heisst das: 1 Jahr Schwarzenburg, 18 Jahre Lerchenfeld (Junioren und Aktive), 3 Jahre Interlaken, 8 Jahre Spiez und zuletzt 5 Jahre Allmendingen. «Das letzte Jahr beim FC Allmendingen war eigentlich meine Abschiedstournee», erzählt Binggeli. Doch zwei Wochen nach dem Rücktritt klopfte schon der FC Thun an. Der Ausgang der Gespräche ist bekannt: Mittlerweile steht Binggeli in Thun in seiner 8. und insgesamt in seiner 43. Saison.

Wann ist denn nun Schluss mit Fussball? «Wenn ich keinen Spass mehr habe oder es die Gesundheit nicht mehr zulässt», sagt Binggeli. Vor 7 Jahren setzte ihn eine Herzoperation kurzfristig ausser Gefecht. Im Sommer 2017 liess er sich die rechte, im vergangenen November die linke Hüfte operieren. Jetzt ist er kurz vor seinem 72. Geburtstag gerüstet für den Abstiegskampf mit Thuns U-21-Equipe.

Ziel Ligaerhalt

«Das wird nicht einfach. Wenn wir Drittletzter bleiben, haben wir erfüllt.» Am Samstag beginnen die Thuner die Rückrunde mit einem Heimspiel gegen Schlusslicht Düdingen. «Der Start ist wichtig», weiss Binggeli. «Aber es wird wohl bis zum Ende knapp bleiben.» Im Gegensatz zur Konkurrenz konnten die Thuner nicht aufrüsten. Vielmehr verloren sie mit Verteidiger Timo Righetti einen Leistungsträger an die 1. Mannschaft. «Unsere Spielerdecke ist dünn. Aber wenn einer den Sprung nach oben schafft, ist das ja auch immer schön.» Der Ligaerhalt bleibt trotzdem das Ziel. «Existenziell ist er jedoch nicht. Überlebenswichtig für den Klub ist, dass das Fanionteam nicht aus der Super League absteigt.»

Aufstieg als Highlight

In seiner Karriere ist Binggeli nur einmal abgestiegen. Am Schluss seiner Zeit im Lerchenfeld. Beim FCL hatte der gebürtige Schwar­zenburger seine Aktivkarriere wegen einer schweren Schulterverletzung beenden müssen. Mit «Lerchu» feierte er danach aber auch sein Highlight als Trainer. «Es war 1989. Schon das Entscheidungsspiel um den Gruppensieg gegen das von Bidu Zaugg trainierte Bümpliz war denkwürdig gewesen. Aber wie wir danach beim favorisierten Biasca 1:0 gewonnen und den Aufstieg in die 1. Liga geschafft haben, war unglaublich.»

Gleich hinter diesem Erlebnis folgt in Binggelis persönlicher Rangliste das Aufstiegsspiel zur 2. Liga mit Spiez gegen den FC Bern. «Es war die letzte Partie im altehrwürdigen Wankdorf. Wir spielten am Sonntag, am Montag wurde das Stadion abgebrochen.»

Schweizer Meister geformt

Selbstredend hat Binggeli manchen Spieler trainiert. Obwohl er mit den Akteuren per Du sei, habe er nie ein Autoritätsproblem gehabt. «Ich habe einen guten Draht zu den Spielern», sagt Binggeli. Nie habe in all den Jahren ein Spieler den Klub seinetwegen verlassen. Den Besten, den er trainiert hat, nennt er, ohne zu zögern: «Andy Häsler.» Binggeli hatte diesen von Interlaken zu Lerchenfeld geholt. Dort wurde er von GC-Sportchef Erich Vogel beobachtet und schliesslich verpflichtet. Häsler wurde danach mit den Grasshoppers und mit Aarau Schweizer Meister.

Favre-Fan

Als Inspirationsquelle für seine Trainertätigkeit nennt Binggeli zuerst Peter Haldemann, seinen Coach und Mentor bei Lerchenfeld. «Als Roy Hodgson dann bei Xamax war, besuchte ich viele seiner Trainings. Von der jüngeren Generation beeindruckt mich vor allem Lucien Favre. Ich bin ein grosser Fan von ihm.»

Betreffend Trainer hat Binggeli noch eine Episode auf Lager: «Marc Schneider kam zu mir ins Fördertraining, als er noch ein kleiner Knirps war.» Heute ist Schneider Trainer des FC Thun. Die Super League war für Binggeli, der neben dem Fussball immer berufstätig gewesen war, nie ein Thema. «Das würde ich mir nicht zutrauen. Ich besitze auch bloss das A-Diplom.» Den Ligaerhalt mit den Reserven traut er sich hingegen durchaus zu. Zuversichtlich sei er.

Und danach? «Solange ich noch Spass habe und die FCT-Verantwortlichen mich brauchen können, mache ich weiter – auch als Assistenztrainer. Ich schaue von Jahr zu Jahr. Einen anderen Verein werde ich jedoch nicht mehr trainieren.» Aber nach Aussage von Gerber steht einer 44. Saison nichts im Wege.

Berner Zeitung

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