Bickels Zukunft hängt vom Erfolg Hütters ab

BZ-Sportredaktor Fabian Ruch über den YB-Sportchef und seinen neuen Trainer

Fabian Ruch

Am Mittwoch, am Tag, als Alexander Mandziara, der letzte YB-Meistertrainer, starb, bestimmten die Young Boys Adi Hütter zum neuen Coach. Er ist der 25. Trainer seit Mandziara, und auch mit seinem Engagement ist die Hoffnung verbunden, dass YB bald erstmals seit 1986 einen Meistertitel feiern kann.

Unerklärlich ist, warum die Trainersuche so lange dauerte. Vor 29 Tagen wurde Uli Forte entlassen, in der Zwischenzeit ist YB kläglich in der Europa-League-Qualifikation an Karabach gescheitert, hat den Anschluss an Serienmeister Basel verpasst und jede Menge Vertrauen verspielt.

YB steckt in einer Riesenkrise mit mehreren Baustellen. Und der ohnehin nicht nachvollziehbare Zeitpunkt der Freistellung Fortes wirkt heute, vier Wochen später, noch viel konzeptloser. Wenn Sportchef Fredy Bickel sagt, er habe schon im Frühling gespürt, dass es mit Forte kaum gut komme, hätte er Anfang August zwingend einen PlanB aus der Schublade ziehen müssen.

Bickel setzte auf Assistent Harald Gämperle, das ging schief. Und auch wenn der Sportchef beteuert, es sei nie seine Idee gewesen, Gämperle zu befördern, bleibt doch genau dieser Eindruck haften. Warum sonst hätte man erst nach dem Ausscheiden im Europacup endlich die Trainersuche intensiviert?

Die Wahl Hütters überrascht. Weil er einerseits das von Bickel nach Fortes Rauswurf skizzierte Anforderungsprofil überhaupt nicht erfüllt. Er ist nicht mit dem Schweizer Fussball vertraut. Und er sieht sich nicht als Ausbildungstrainer. Hütter verliess Salzburg, weil die besten Kräfte ständig verkauft worden sind.

YB ist wegen der finanziellen Misere gezwungen, mehrere Stammspieler zu veräussern. Und weil er andererseits nicht die beste Lösung ist, die der Trainermarkt hergab. Das wäre Murat Yakin gewesen, zumal der frühere Basler Meistercoach dank seiner Persönlichkeit, der Aura und seiner Souveränität jede Menge Druck von YB genommen hätte.

Yakin war einigen Vertretern im Verwaltungsrat nicht genehm, weil er und seine Entourage zu viel Zirkus in den Verein getragen hätten. Mit Verlaub: Ist noch mehr Zirkus als zuletzt bei YB überhaupt möglich? Vielleicht wäre Yakin auch nicht finanzierbar gewesen – aber dass man sich nicht näher mit ihm befasst hat, ist schwer verständlich.

Dennoch könnte Adi Hütter zu YB passen. Letztlich wird er an den Resultaten gemessen, und diese können nur besser werden. Wenn die verletzten Spieler zurück sind, steht Hütter ein starkes Super-League-Team zur Verfügung.

Der Österreicher gilt als Pragmatiker, man hört gute Dinge über ihn, er feierte als Trainer Erfolge und geht die Arbeit in Bern unbelastet an. Hütter wird im zuweilen lethargischen YB-Betrieb frischen Wind entfachen. Und möglicherweise wird er die eine oder andere Änderung im Staff vornehmen.

Fredy Bickel ist immer noch die starke Figur bei YB, seine Vertrauten sind geblieben. Und im Verwaltungsrat fehlt es weiter an Fussballkompetenz, um korrigierend einzugreifen. Der Sportchef aber hat zuletzt an Reputation eingebüsst, nachdem er zweieinhalb Jahre gut gearbeitet hatte. Wie das teure Team steht Bickel nun unter grossem Druck.

Nur wenn sich Adi Hütter als gute Trainerwahl für YB erweist, hat der Sportchef eine Zukunft in Bern.

Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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