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Knall bei YB: Bickel und Kappeler müssen gehen

YB-Sportchef Fredy Bickel und Geschäftsführer Alain Kappeler verlassen das Unternehmen. Das hat der BSC Young Boys am Dienstag bekannt gegeben.

mb
Der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel auf seiner Dachterrasse in der Berner Altstadt. (29.09.2016)
Der ehemalige YB-Sportchef Fredy Bickel auf seiner Dachterrasse in der Berner Altstadt. (29.09.2016)
Screenshot Telebärn
Fredy Bickel war erstmals von 1999 bis 2002 Manager der Berner Young Boys.
Fredy Bickel war erstmals von 1999 bis 2002 Manager der Berner Young Boys.
Keystone
Fredy Bickel und Trainer Marco Schällibaum bewahrten YB vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit und führten die Berner 2001 schliesslich sogar wieder ins internationale Geschäft.
Fredy Bickel und Trainer Marco Schällibaum bewahrten YB vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit und führten die Berner 2001 schliesslich sogar wieder ins internationale Geschäft.
Keystone
2002 musste Bickel gehen.Rund 600 YB Fans demonstrierten für die zurückgetretenen YB-Kadermitglieder Heinz Fischer (Präsident) und Fredy Bickel, (Geschäftsführer und Sportchef)  (21. Dezember 2002).
2002 musste Bickel gehen.Rund 600 YB Fans demonstrierten für die zurückgetretenen YB-Kadermitglieder Heinz Fischer (Präsident) und Fredy Bickel, (Geschäftsführer und Sportchef) (21. Dezember 2002).
Keystone
Heinz Fischer (links) und Fredy Bickel (Hintergrund) waren von Seiten der Betriebs AG wegen ungetreuer Geschaeftsfuehrung angezeigt worden. Hier erläutern sie mit ihrem Anwalt (Mitte) ihre Sicht der Dinge. Sie mussten trotzdem gehen.
Heinz Fischer (links) und Fredy Bickel (Hintergrund) waren von Seiten der Betriebs AG wegen ungetreuer Geschaeftsfuehrung angezeigt worden. Hier erläutern sie mit ihrem Anwalt (Mitte) ihre Sicht der Dinge. Sie mussten trotzdem gehen.
Keystone
FCZ-Präsident Sven Hotz (r.) holte Fredy Bickel (l.) 2003 als Sportchef zum FCZ, wo die beiden mit Trainer Lucien Favre (M.) zweimal die Meisterschaft und einmal den Cup gewannen.
FCZ-Präsident Sven Hotz (r.) holte Fredy Bickel (l.) 2003 als Sportchef zum FCZ, wo die beiden mit Trainer Lucien Favre (M.) zweimal die Meisterschaft und einmal den Cup gewannen.
Keystone
FCZ-Sportchef Fredy Bickel war von Lucien Favre jedoch schliesslich enttäuscht, weil ihm dieser bis kurz vor Vertragsunterzeichnung 2007 bei Hertha Berlin noch versichert hatte, er würde sicher beim FCZ bleiben.
FCZ-Sportchef Fredy Bickel war von Lucien Favre jedoch schliesslich enttäuscht, weil ihm dieser bis kurz vor Vertragsunterzeichnung 2007 bei Hertha Berlin noch versichert hatte, er würde sicher beim FCZ bleiben.
Keystone
Aber auch mit Trainer Bernard Challandes (M.) konnte der FCZ 2009 die Meisterschaft gewinnen. Der Romand feiert mit Sportchef Fredy Bickel (r.) und Torjäger Eric Hassli.
Aber auch mit Trainer Bernard Challandes (M.) konnte der FCZ 2009 die Meisterschaft gewinnen. Der Romand feiert mit Sportchef Fredy Bickel (r.) und Torjäger Eric Hassli.
Keystone
Das Trio Trainer Urs Fischer, Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel (v. l.) funktionierte lange gut, bis Fischer 2012 gehen musste.
Das Trio Trainer Urs Fischer, Präsident Ancillo Canepa und Sportchef Fredy Bickel (v. l.) funktionierte lange gut, bis Fischer 2012 gehen musste.
Keystone
Danach lebten sich FCZ-Trainer Rolf Fringer (l.) und Fredy Bickel ziemlich schnell auseinander.
Danach lebten sich FCZ-Trainer Rolf Fringer (l.) und Fredy Bickel ziemlich schnell auseinander.
Keystone
Bis Urs Meier (M.) als Trainer den FCZ übernahm. Er unterhält sich mit Sportchef Fredy Bickel und dem Basler Alex Frei.
Bis Urs Meier (M.) als Trainer den FCZ übernahm. Er unterhält sich mit Sportchef Fredy Bickel und dem Basler Alex Frei.
Keystone
Im Januar 2013 kehrt Bickel zu den Young Boys und zurück und übernimmt die Position des Sportchefs.
Im Januar 2013 kehrt Bickel zu den Young Boys und zurück und übernimmt die Position des Sportchefs.
Keystone
Martin Rueda wird im Frühjahr 2013 von Bickel entlassen.
Martin Rueda wird im Frühjahr 2013 von Bickel entlassen.
Keystone
Nach der Entlassung von Martin Rueda übernimmt Bernard Challandes, den Bickel aus Zürcher Zeiten kennt. (April 2013)
Nach der Entlassung von Martin Rueda übernimmt Bernard Challandes, den Bickel aus Zürcher Zeiten kennt. (April 2013)
Keystone
Im Juni 2013 verplichtet Bickel Trainer Uli Forte, den er von den Grasshoppers weglotste.
Im Juni 2013 verplichtet Bickel Trainer Uli Forte, den er von den Grasshoppers weglotste.
Keystone
Berns Trainer Uli Forte, links, und Sportchef Fredy Bickel erscheinen im Fussball Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Samstag, 18. Oktober 2014, im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Berns Trainer Uli Forte, links, und Sportchef Fredy Bickel erscheinen im Fussball Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Samstag, 18. Oktober 2014, im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Keystone
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«BSC YB passt seine Organisationsstruktur an»: Die Medienmitteilung, welche die Young Boys am Dienstagvormittag verschicken, ist viel brisanter als die Betreffzeile vermuten lässt. Sowohl Sportchef Fredy Bickel, als auch Geschäftsführer Alain Kappeler müssen gehen. Oder wie es in der Medienmitteilung heisst: «Sie haben sich entschlossen, das Unternehmen zu verlassen.»

Und weiter: «Die Trennung folgt in gegenseitigem Einvernehmen.» Dass diese personellen Wechsel freiwillig erfolgen, wirkt jedoch eher unglaubwürdig. Zumal auch geschrieben steht: «Die Besitzer und Investoren Andy und Hansueli Rihs begrüssen die Massnahmen, um die Strategie mit den Hauptzielen wirtschaftlicher und sportlicher Erfolg effizienter umzusetzen.»

Viel Aufwand, zu wenig Ertrag

Der anhaltende sportliche Stillstand – der Gewinn der letzten Trophäe liegt über 29 Jahre zurück – dürfte die ehrgeizige Investoren-Familie Rihs ebenso beunruhigt haben wie die Sockelverluste auf der Fussball-Bühne. Schon im Sommer haben die YB-Besitzer eine schlankere (Transfer-)Linie vorgeben, nun folgt die nächste Bereinigung.

Angesichts des für Schweizer Verhältnisse stattlichen finanziellen Aufwands bewegt YB im Tagesgeschäft seit geraumer Zeit zu wenig. Die Stagnation in der Super League missfällt den Geldgebern. Der Rückstand gegenüber dem Branchenprimus Basel ist trotz hohen Ausgaben nicht kleiner geworden - im Gegenteil. Nach drei Fehltritten innerhalb der ersten sieben Runden ist der Rückstand in der neuen Saison bereits auf neun Punkte angewachsen.

Auf europäischer Ebene hat die Nummer 2 des Schweizer Klub-Rankings dank dem Coup gegen Schachtar Donezk das Minimalziel erreicht und qualifizierte sich für die Europa-League-Gruppenphase. Haften bleibt indes, wie hilf- und konzeptlos sich YB im Champions-League-Playoff gegen Mönchengladbach vorführen liess.

Das 1:6-Debakel im Rückspiel im Borussia-Park dürfte in der internen Analyse durchaus die eine oder andere Frage aufgeworfen haben. Stimmt der Kurs noch? Weshalb ist eine nach wie vor teure Mannschaft international nur in Ausnahmefällen konkurrenzfähig? Wie sind Fehltritte gegen Lugano (1:2) und die in jenem Moment angezählten Grasshoppers (1:4) mit der immer wieder propagierten Leistungskultur zu vereinbaren?

Die generell schleppende Entwicklung fällt im Kernbereich nun direkt auf Bickel zurück. Der frühere FCZ-Meistermacher hat nach Einschätzung der Klubbesitzer seit seinem Comeback in Bern im November 2012 zu wenig bewegt. Der FCB blieb ausnahmslos ausser Reichweite und im Cup leistete sich YB während der zweiten Ära Bickels mehrere blamable Auftritte.

Bickels Nachfolger noch geheimgehalten

Bickels Nachfolger als Leiter Sport sei bestimmt, werde aber erst im Verlauf des Oktobers bekanntgegeben. In der Zwischenzeit führt die Sportkommission des Verwaltungsrates die Geschäfte – deren Leiter ist Urs Siegenthaler. Das Verwaltungsratsmitglied, das beim DFB zum Weltmeisterstab Jogi Löws gehört, zählt zu möglichen Kandidaten innerhalb des Vereins, genau wie etwa Talentmanager Christoph Spycher.

Die bis anhin getrennten Bereiche Sport und Kommerz werden zusammengelegt. Kappeler, seit über vier Jahren im operativen YB-Geschäft engagiert und Anfang 2014 zum CEO aufgestiegen, spielt in den neuen Plänen keine Rolle mehr. Anstelle des entmachteten Geschäftsführers wird Wanja Greuel befördert. Der studierte Betriebswirtschafter leitete vor dem erheblichen Umbau in der Teppich-Etage die Marketing- und Verkaufsressorts der Young Boys.

Fokus auf Nachwuchs

Die Gebrüder Rihs stünden «nach wie vor mit Leidenschaft» hinter dem Verein. «Wir erwarten aber, dass sich die sportlichen Ziele von YB nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten richten», lassen sie sich in der Mitteilung zitieren.

Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger deutet an, dass damit auch gemeint ist, künftig noch mehr auf Eigengewächse zu setzen: «Wir sind überzeugt, dass dieser Weg für eine Ausbildungsliga wie die Super League der richtige ist.»

Geschichte wiederholt sich

Nicht der erste abrupte Führungswechsel beim Berner Stadtklub: Im August 2010 sorgte die Absetzung von CEO Stefan Niedermaier für Schlagzeilen. Damals war auch die Rede von einer einvernehmlichen Vertragsauflösung. Sein Nachfolger wurde an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz ebenfalls präsentiert: Ilja Kaenzig.

Der vormalige Manager der Bundesligisten Bayer Leverkusen und Hannover 96 konnte sich jedoch nur zwei Jahre bei YB halten: Im Oktober 2012 war für ihn Schluss, weil er trotz Millioneninvestitionen die Erwartungen der Geldgeber nicht erfüllen konnte.

Mit Fredy Bickel übernahm per 1. Januar 2013 ein alter Bekannter die sportlichen Geschicke, war er doch von 1999 bis Ende 2002 schon einmal YB-Sportchef. In diesem Zeitraum schafften die Young Boys mit Trainer Marco Schällibaum den Wiederaufstieg ins Oberhaus, damals noch die Nationalliga A. «Wir freuen uns sehr. Bickel war unser Wunschkandidat», sagte Vereinspräsident Werner Müller im November 2012. Knapp vier Jahre später sieht die Welt anders aus.

(SDA)

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