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Bernasconis düstere Prognose für Xamax

Xamax empfängt am Sonntag YB – und hat wieder einmal grosse Sorgen. Präsident Sylvio Bernasconi hat seinen Rückzug per 17.November angekündigt, das Team kommt nicht richtig vom Fleck.

Im September bekam Sylvio Bernasconi Post vom Kanton Neuenburg, die nachhaltig Wirkung haben sollte. Es handelte sich um eine Rechnung über 4000 Franken, die Neuchâtel Xamax begleichen sollte, die Bernasconi als Präsident des Klubs aber in Rage versetzte. Den Betrag forderte der Kanton für Sicherheitsaufwendungen ausserhalb des Stadions anlässlich des Spiels Xamax - Vaduz ein. Wofür die 4000 Franken sind, bleibt ein Fragezeichen: Die Liechtensteiner hatten keine Fans mitgebracht.

Leidenschaft mit Grenzen

Bernasconi wertete die Post als weiteren Angriff und zog die Konsequenzen. Er stellt sein Amt per Generalversammlung am 17. November zur Verfügung, seine vier Kollegen aus dem Verwaltungsrat ziehen mit. Der Bauunternehmer hat «keine Lust, für Dinge aufzukommen, die Sache der Stadt und des Kantons sind». Im Klartext: Er ist nicht bereit, weiterhin 5 Prozent des Gesamtbudgets von gut 15 Millionen Franken an Steuern und in die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Maladière zu berappen. Der angekündigte Rückzug wirft Fragen auf und schürt auch Existenzängste. Bernasconi, der den Neubau des Stadions forcierte, griff zuweilen selber in sein Portemonnaie, wenn es einen finanziellen Engpass zu überwinden gab. «Xamax», sagt er, «Xamax ist meine Leidenschaft.

Aber irgendwo hat auch diese Liebe ihre Grenzen.» Für ihn ist das, was Stadt und Kanton an Abgaben verlangen, reine Schikane, die er sich künftig nicht mehr antun will. Allerdings hat er das Problem, einen adäquaten Ersatz zu finden. Er drückt es drastisch aus: «Wenn niemand meinen Platz übernimmt, bedeutet es das Ende von Xamax.» Was klingt wie eine Drohgebärde, ist für Sylvio Bernasconi bitterer Ernst. «Jedes Heimspiel ist für uns ein Verlustgeschäft», sagt er, «wir können uns das schlicht nicht mehr leisten. Es lohnt sich nicht, in Neuenburg solche Anlässe zu organisieren.» Und weil er nicht glaubt, dass die Regierung zu einer Kompromisslösung bereit ist, rechnet er damit, dass er bei seinem Rücktritt bleibt. Es stellt sich angesichts der Zuschauerzahlen ohnehin die Frage nach der Verankerung. Der Besucherschnitt in der Maladière beträgt 4778. Das ist der drittschlechteste Wert in der Liga vor den Aufsteigern Bellinzona und Vaduz.

Verständnis von Clausen

Daneben gibt es die sportliche Situation, die belastet. Xamax kommt nicht vom Fleck, wenngleich nach der jüngsten Niederlage in Aarau durchaus zu Recht gehadert wurde, weil Rogerio für die Aargauer ein Tor mit der Hand erzielt hatte, was das Schiedsrichtertrio aber übersah. «Ich erwarte mehr, das ist klar. Mit Platz sechs kann ich nicht glücklich sein», betont Bernasconi, «wir verlieren in Aarau gegen einen Verein, der zwei bis drei Mal weniger Budget hat.»

Bernasconi ist bekannt dafür, fordernd zu sein, speziell auch seinen leitenden Angestellten gegenüber. Dass sein Unmut demnächst Trainer Nestor Clausen treffen könnte, stellt er in Abrede: «Clausen muss keinen Stress haben, ich bin mit seiner Arbeit sehr zufrieden.» Der Argentinier selber bringt Verständnis für Bernasconis Haltung auf: «Er ist der Präsident, investiert viel Geld, und zurück bekommt er sehr wenig. Das gibt schon zu denken.» Was den bisherigen Verlauf der Saison angeht, glaubt Clausen aber auch, dass sich einiges gegen Xamax verschworen hat, sprich: «Zu viele Schiedsrichterentscheide fielen gegen uns aus. Wir sind zu oft bestraft worden. Was zuletzt in Aarau passiert ist, hat sich auf unser Spiel ausgewirkt.»

Chancen: 20 zu 80 Prozent

Nun kommt YB, der Tabellennachbar, und Clausen fordert seine Spieler dazu auf, die negativen Momente auszublenden. «Wenn wir das schaffen, sind wir zu einem guten Resultat fähig», sagt er. Was die Existenz des Vereins angeht, kann Clausen nur hoffen, dass eine Wende eintritt: «Vieles hängt von der Stadt ab. Ich glaube leider nicht, dass es Leute gibt, die Geschenke machen werden.» Bernasconi wiederum malt schwarz, wenn er die Xamax-Zukunft skizziert: «Nach heutigem Stand der Dinge stehen die Chancen bei 20 zu 80 Prozent, dass es weitergeht.»

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