«Bern ist das Beste, was mir passieren konnte»

FCZ-Trainer Uli Forte lobt vor dem morgigen Duell mit YB seinen früheren Klub. Der 43-Jährige sagt, wie ihn die Hochzeit mit der Bernerin Caroline Müller verändert hat. Und warum er Michael Frey unbedingt verpflichten wollte.

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Was war bisher Ihr Highlight des Jahres?
Uli Forte: Die Hochzeit mit meiner Frau natürlich! Hätte ich mir vorher ausgemalt, wie das Fest werden würde, es wäre nie so gut herausgekommen. Es hat alles gepasst, das Wetter, die Gesellschaft mit rund dreihundert Personen. Wir waren noch tagelang wie in Trance.

Waren auch Personen von den Young Boys dabei?
Natürlich. Ich sage jeweils: Bern ist mit Abstand das Beste, was mir in meiner Karriere passieren konnte. Dann schauen mich die Leute mit grossen Augen an.

Weil Sie entlassen wurden?
Ich habe in Bern die Frau meines Lebens kennen gelernt. Das überragt alles. Und deshalb wird mir die Zeit bei YB auch immer in ­guter Erinnerung bleiben.

Hat Sie die Heirat verändert?
Als ich vor acht Jahren als junger Trainer mit St. Gallen in die Super League aufstieg, da war ich nervös, stets unter Strom. Seit ich meine Frau kennen gelernt habe, habe ich einen ruhenden Pol an meiner Seite. Ich bin viel gelassener geworden. Das merke ich persönlich. Das sagen mir aber auch Leute aus meinem Umfeld.

Die Hochzeit war also der ­Höhepunkt. Was folgt danach?
Der Aufstieg mit dem FCZ, ganz klar. Für mich begann dieser Aufstieg bereits mit dem Cupsieg im Jahr vorher.

Inwiefern?
Ich sagte damals, ein enorm wichtiger Moment sei nun gekommen, weil er den Start in eine neue Ära einleiten könne.

Das Jahr in der Challenge League scheint dem Klub gutgetan zu haben.
Das kann man so sehen. Herr und Frau Canepa haben die Strukturen verändert, Neubesetzungen getätigt wie etwa die Ernennung von Thomas Bickel zum Sportchef. Manchmal muss man einen Schritt rückwärts machen, um zwei vorwärts zu machen. Das gilt auch für den Fussball.

Mit Bickel verbrachten Sie im Frühling ein paar Tage auf ­Mallorca. Wäre das bei YB mit Namensvetter Fredy Bickel auch möglich gewesen?
Nein, eher nicht (schmunzelt). Ich habe mit Thomi ein sehr gutes Verhältnis. Er ist ein ruhiger Typ, der im Hintergrund wirkt. Wir ­ergänzen uns bestens.

Ist das nicht eine heikle Vermischung von Geschäftlichem und Privatem?
Das Wichtigste ist doch, dass man offen und ehrlich miteinander ist, ob man sich nun privat gut versteht oder nicht. Unsere Frauen waren auch mit dabei. Das schafft ein Vertrauensverhältnis.

Und dann sprachen Sie die ganze Zeit über ­Fussball?
Wir sprachen über alles. Mit den Frauen am Tisch konnten wir nicht den ganzen Abend über Fussball reden. Das wäre für sie langweilig gewesen.

Welche Rolle hat Präsident ­Ancillo Canepa in diesem ­Dreiergespann inne?
Er wirkt vor allem im Hintergrund. Wir sitzen jede Woche in der Sportkommission zusammen, gleich nach diesem Interview haben wir eine Sitzung.

Wird es um potenzielle ­Neuverpflichtungen gehen?
Klar. Solange das Transferfenster offen ist, muss man stets wachsam sein. Und man muss in der Lage sein, reagieren zu können, sollte ein Spieler gehen.

Bei YB gibt es den Fall Yoric ­Ravet, der mit einem Wechsel zum SC Freiburg liebäugelt. Bei Ihnen ist Stürmer Raphael ­Dwamena umworben.
Für ihn lag ein grosses Angebot aus der Premier League auf dem Tisch. Der Präsident hat abgelehnt, weil der Spieler zu wichtig sei. Ich bin sehr erfreut darüber, weil das nicht selbstverständlich ist. Ich möchte Dwamena unbedingt behalten.

Und Dwamena hat sich ob des vielen Geldes nicht den Kopf verdrehen lassen?
Er ist zum Glück sehr vernünftig. Er weiss, dass er weiter an sich arbeiten muss. Er ist noch lange nicht am Ende seines Weges. Aber die englischen Vereine locken mit extrem viel Geld. Doch Geld ist nicht sein wichtigstes Kriterium. Das ehrt ihn.

Das viele Geld im Fussball, es wird ja nicht weniger. Letztes Beispiel ist der Brasilianer ­Neymar, der für 222 Millionen Euro von Barcelona zu ParisSt-Germain gewechselt ist.
In Neymars Vertrag war eine Ablösesumme festgeschrieben, die, so glaubte man, nie bezahlt werden würde. Und dann kommt Paris mit Katar im Rücken und kauft ihn mal eben. Reals Spanier Isco hat soeben seinen Vertrag verlängert mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von 700 Millionen Euro. Auch das ist eine Summe, die als Abschreckung dienen soll. Aber wer weiss schon, ob nicht dereinst ein Klub kommt und die 700 Millionen auf den Tisch legt.

Was halten Sie von diesen ­Auswüchsen?
Es ist verrückt. Aber wie soll man diese Entwicklung stoppen können? Es ist wie überall in der Marktwirtschaft eine Frage von Angebot und Nachfrage. Man kann darüber staunen oder sich aufregen oder es einfach zur Kenntnis nehmen, ändern kann man es nicht.

Ihr Königstransfer ist bisher der frühere YB-Stürmer Michael Frey, der unter Ihnen aufzu­blühen scheint.
Ich hatte schon zu meiner Zeit in Bern einen guten Zugang zu ihm.

Ich weiss, dass er bei YB Probleme hatte. Michi ist manchmal sehr emotional. Das ist einerseits eine Schwäche von ihm, anderseits aber auch eine Stärke.

Stärke?
Er ist auch der, der auf dem Platz marschiert bis zum Gehtnichtmehr. Derjenige, der nie aufgibt. Als Trainer muss man in der Lage sein, mit ganz verschiedenen Typen von Menschen umgehen zu können. Ich habe mit Michi immer ein super Einvernehmen gehabt. Als wir erfahren haben, dass Michi auf dem Markt ist, habe ich gesagt: Den müssen wir holen, ­sofort! Ein Spieler wie er hatte uns noch gefehlt.

Und er brauchte nach einem schwierigen Jahr in Bern eine Luftveränderung.
YB ist in der Offensive sehr gut besetzt, der Konkurrenzkampf ist enorm. Für Michi war es der optimale Schritt, nach Zürich zu kommen.

In der Tabelle aber liegen Sie mit Ihrem Team nach vier Spieltagen vor YB an der Spitze.
Ich habe den Spielern gesagt: Vier Schwalben machen keinen Sommer. Aber es war ein guter Start. Von YB weiss ich, dass intern das Ziel definiert wurde, Meister zu werden. Der Klub hat ja auch das Potenzial dazu. Das Kader ist so stark wie lange nicht mehr. Sportchef Christoph Spycher macht bisher eine sensationelle Arbeit.

Zu Ihrer Zeit hat man den Titel noch öffentlich als Ziel aus­gegeben.
Ich habe Fredy Bickel und dem damaligen Präsidenten Werner Müller gesagt, macht das ja nicht, das bringt nur unnötig Druck. Ich konnte mich damit überhaupt nicht identifizieren. In Deutschland sagt ja ausser Bayern München auch kein Klub öffentlich, er wolle Meister werden.

Wer wird denn diese Saison Meister in der Schweiz?
Ich tippe auf YB. Sie haben nun die Mischung zwischen jung und alt im Kader, die es braucht.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 18.08.2017, 07:59 Uhr

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