Baustelle Brügglifeld

Neuer Trainer, neue Spieler – beim FC Aarau hätte diese Saison alles besser werden sollen. Wurde es aber nicht. Der Club ist noch immer punktlos.

Die Ratlosigkeit wächst mit jedem Gegentor: Die Aarauer Peralta, Nikolic und Zverotic (von links) können die Krise kaum fassen. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Die Ratlosigkeit wächst mit jedem Gegentor: Die Aarauer Peralta, Nikolic und Zverotic (von links) können die Krise kaum fassen. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

In einer perfekten Welt hätten sie sich in Aarau in der Nationalmannschaftspause ein erstes Mal auf die Schultern klopfen können. Der Saisonstart wäre geglückt, das neu zusammengesetzte Team vorne dabei. Goalie Steven Deana wäre die unbestrittene Nummer 1, Zuzug Elsad Zverotic ein souveräner Abwehrchef. Gianluca Frontino spielte als Captain gross auf, und der neue Stürmer Marco Schneuwly führte die Torschützenliste der Challenge League an.

Weil die Welt im Aargau aber im Moment alles andere als perfekt ist, sagt Vizepräsident Roger Geissberger: «Ich bin ratlos.» Sein FC Aarau steht nach sechs Runden bei null Punkten, istTabellenletzter. Goalie Deana war erst kein Rückhalt, dann verletzte er sich. Zverotic wirkt unsicher, Frontino ist mit seiner Führungsrolle überfordert, und Hoffnungsträger Schneuwly traf nicht, sondern wurde selbst getroffen – vom Verletzungspech. Das Brügglifeld ist eine Baustelle. Mal wieder.

Es kam nicht gut

Dabei hätte nach der verkorksten letzten Saison und dem Missverständnis mit Trainer Marinko Jurendic alles besser werden sollen. Der junge Sportchef Sandro Burki konnte im Sommer erstmals Spieler und Trainer seiner Wahl installieren. Der 32-Jährige holte Super-League-Erfahrene wie Schneuwly, Zverotic und Schindelholz. Dazu Talente aus Basel, Bern und Sitten, allen voran den hoch gehandelten jungen Portugiesen Mickael Almeida.

Mit Patrick Rahmen kam ein sturmerprobter Trainer, der 2017 beinahe vom FC Basel engagiert worden wäre. Und so war man sich nach der ansprechenden Vorbereitung in Aarau einig: Es muss gut kommen. Die Lokalpresse jubelte vorsorglich in den höchsten Tönen.

Es kam aber nicht gut. Das Auftaktspiel gegen Servette war zwar noch ansprechend, ging aber verloren. Genau wie die folgenden Partien. Obendrauf leisteten sich diverse Spieler Undiszipliniertheiten. Der verletzte Captain Patrick Rossini wurde nach Dissonanzen mit einer Bademeisterin aus dem Freibad verbannt. Almeida erschien 30 Minuten zu spät zum Mittagessen vor einem Match.

«Ich kann mit der Krise umgehen. Dass Diskussionen entstehen, ist normal.»Sandro Burki, Sportchef

Die Mannschaft enttäuscht, ist in der Abwehr unsicher, im Sturm ungefährlich. Vor allem aber ist sie mental anfällig. Trainer und Sportchef wurde vor der Nationalmannschaftspause dennoch das Vertrauen ausgesprochen. Vizepräsident Geissberger sagt: «Die Situation ist unbefriedigend, aber der Vorstand liess sich davon überzeugen, dass die Mannschaft vollends hinter Rahmen steht. Und Burki hat ein gutes Team zusammengestellt, das haben ihm vor der Saison auch alle Experten attestiert.»

Burki, dem in diesem Sommer für Aarauer Verhältnisse überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung stand, musste zuletzt nochmals handeln. Er holte mit Goran Karanovic und Stefan Maierhofer zwei routinierte Stürmer. Burki wirkt wie der ­Ruhepol im Brügglifeld. Er sagt: «Ich kann mit der Krise umgehen. Dass Diskussionen entstehen, ist normal.» Trotz cooler Fassade kreisen die Gedanken. Er hinterfragt sich und den Zeitpunkt gewisser Transferaktivitäten. Er lerne jeden Tag dazu, sagt der junge Sportchef. «Gerade in diesen unschönen Zeiten.»

Eine letzte Stadionfrage

Burki glaubt an den Turnaround – mit Patrick Rahmen als Trainer. Weil der Basler sich auch schon in Biel oder Hamburg mit misslichen Lagen konfrontiert sah. Weil er Klasse zeige, indem er die Fehler nicht bei anderen suche. Und weil die Haltung der Mannschaft stimme. Sowohl Burki als auch Geissberger unterstreichen, dass die Leistungen im Training stark mit jenen in den Spielen kontrastieren. Deshalb glaubt der Vizepräsident: «Wir brauchen nur ein Erfolgserlebnis, ein Fünkchen, dann explodiert diese Mannschaft.»

In Aarau stecken sie viel Hoffnung in den morgigen Cup-Sonntag: Xamax kommt ins Brügglifeld. Doch es geht in dieser Saison um mehr als nur den sportlichen Erfolg. Im kommenden Jahr stimmt das Aarauer Stimmvolk über eine neue Bau- und Nutzungsverordnung ab. Nur wenn diese angenommen wird, kann das neue Stadionprojekt weiterverfolgt werden. Es ist der letzte Versuch in dieser ­Sache. Ein konkurrenzfähiger FC Aarau wäre als Argument mehr als förderlich.

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