Zum Hauptinhalt springen

Petkovic bastelt, Dzemaili trifft

Die Schweiz startet mit einem 1:0 in Griechenland ins Jahr der WM – Coach Vladimir Petkovic probiert einiges aus.

Der Siegtreffer: Blerim Dzemaili und sein spektakuläres Tor in Athen. (Quelle: SRF)

Auf der Verpackung steht: Die Schweiz bestreitet einen WM-Test, Griechenland will allen zeigen, dass es eine WM-Teilnahme verdient hätte.

Das hilft allerdings nicht, diesen Abend im Olympiastadion von Athen gleich zu einem Ereignis zu machen. Griechenland - Schweiz ist eines dieser Spiele, dem keiner unbedingt nachtrauern muss, wenn er es nicht gesehen hat. 0:0 ist ein Resultat, das normalerweise ganz gut dazu passt. In Athen heisst es am Ende 1:0 für die Schweiz.

Das Tor gelingt Blerim Dzemaili in der 59. Minute, es ist ein herrliches, ein Seitfallzieher aus acht Metern nach einer Flanke von Seferovic. Es ist so schön, dass es der einsame Höhepunkt ist.

Einsamer Höhepunkt: Blerim Dzemailis Treffer in der 59. Minute. (Bild: Laurent Gilliéron, Keystone)
Einsamer Höhepunkt: Blerim Dzemailis Treffer in der 59. Minute. (Bild: Laurent Gilliéron, Keystone)

Ein paar Tausend schauen dem Treiben zu. Im Stadion mit seinen 70 000 Plätzen gehen sie verloren und wirken wie ein paar Hundert. Auch Schweizer Nationalteams haben schon reichlich ­Erfahrung gemacht mit derart trostlosen Umgebungen. 1500 waren es einmal in Tunesien, 852 in Luxemburg oder einmal gar nur 50 in Zypern zu Köbi Kuhns Zeiten. In Athen redet Dzemaili von einer «leeren Kulisse». Er findet das nicht so toll, da spielen zu müssen.

Am Vortag hat Stephan Lichtsteiner gesagt: Wer grosse Spiele bestreiten wolle, müsse auch für die kleinen bereit sein. Es ist seine Antwort auf die Frage, wie er den Spagat schaffe zwischen der Champions League mit Juventus und Testspielen mit dem Nationalteam. An der Ernsthaftigkeit des Captains ist nicht zu zweifeln, wenn er auf den Platz geht.

Auch er kann an diesem windigen Abend nicht leugnen, dass er die ganzen Kräfte erst da einsetzt, wo es wirklich lohnenswert ist. Aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Seriosität, mit der die Schweiz die Aufgabe angeht und beendet. «Wir sind nicht hier, um Ferien zu machen», sagt Granit Xhaka, «sondern um zu gewinnen und Vertrauen zu holen.»

Die Schweiz mysteriös machen

Griechenland soll der Schweiz helfen, ein Gefühl für Serbien zu bekommen, das sie am 22. Juni im kapitalen zweiten Gruppenspiel der WM in Nischni Nowgorod erwartet. Dieses Griechenland ist ­allerdings von beschränktem Reiz. Dass es einmal den Europameister stellte, hilft auch nicht weiter. Der aktuellen Ausgabe gelingt es nicht, die Schweiz wirklich ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Zweimal kommt sie zu einer nennenswerten Möglichkeit im Abschluss, zweimal durch Fortounis, der von Fehlpässen von Embolo und Zuber vor dem Strafraum profitiert, aber er verfehlt das Tor in der 12. und 76. Minute.

Coach Vladimir Petkovic nutzt die Gelegenheit, um am System zu basteln und etwas Neues auszuprobieren. Vom gewohnten 4-2-3-1 kommt er auf ein 4-1-2-2-1. Behrami ist der einzige klare defensive Mittelfeldspieler. Xhaka und Freuler bilden ein Pärchen vor ihm. Dzemaili links und Embolo rechts besetzen die Flügel. Seferovic ist die Sturmspitze.

Erfolgreicher Test in Athen: Die Schweiz bezwingt Griechenland 1:0. (23. März 2018)
Erfolgreicher Test in Athen: Die Schweiz bezwingt Griechenland 1:0. (23. März 2018)
Laurent Gillieron, Keystone
Coach Vladimir Petkovic (l.) lässt dabei mehrere taktische Systeme spielen.
Coach Vladimir Petkovic (l.) lässt dabei mehrere taktische Systeme spielen.
Laurent Gillieron, Keystone
Torchancen sind Mangelware: Die erste Halbzeit bietet nur wenig Spektakel.
Torchancen sind Mangelware: Die erste Halbzeit bietet nur wenig Spektakel.
AP Photo/Thanassis Stavrakis
1 / 7

Die Idee dahinter ist, das Mittelfeld zu schliessen und Platz für Vorstösse über die Seiten zu schaffen. Petkovic will seine Mannschaft flexibler machen. Er will sie unberechenbarer machen für die Gegner, dass sie «etwas mysteriös» ist. Dass Shaqiri und Mehmedi fehlen, trägt mit zu dieser veränderten Ausrichtung bei. Shaqiri und Mehmedi sind die Flügelspieler, die dem Team Breite verleihen.

Das Neue ist gewöhnungsbedürftig und mässig erfolgreich, wo es um die ­offensiven Aktionen geht. In der ersten Halbzeit kommen nur Dzemaili und ­Embolo richtig zum Abschluss. Dzemailis Ball fliegt übers Tor, Embolo trifft aus fünf Metern den Aussenpfosten. Gerade Embolos Szene ist Beleg dafür, weshalb sich die Schweizer beim Toreschiessen immer wieder schwertun.

Mit Plan A, B und C

Nach einer Stunde bereitet Petkovic vier Wechsel vor. Darum bekommt er den Treffer von Dzemaili gar nicht richtig mit. Trotz der Umbesetzungen bleibt die Schweiz die bessere Mannschaft und vergibt durch Gavranovic noch die Chance zu einem zweiten Treffer. Ihr sei anzusehen, dass von der Jugend an Wert auf fussballerische Ausbildung gelegt werde, sagt Michael Skibbe. Und weil er am Loben ist, fügt er bei: Die Schweiz sei eine der besseren, gar eine der besten Mannschaften der Welt. Von ihren letzten 19 Spielen hat sie 14 gewonnen und nur eines verloren.

Nach dem Spiel redet Xhaka von den Plänen A, B und C, die sie nun hätten. A steht für das System, mit dem sie sich für die WM qualifizierten. B für den Versuch von Athen, der 80 Minuten anhält. Und C für die letzten zehn Minuten, als Petkovic noch den Basler Frei einwechselt und ihn ins Abwehrzentrum stellt, um auch noch ein 3-5-2 zu versuchen. Petkovic ist zufrieden, wie die Mannschaft auf die vielen Änderungen reagiert hat.

Am Dienstag steht der nächste Test an, in Luzern gegen Panama. «Vielleicht spielen wir da 5-5-5», sagt Petkovic. Es ist seine Anspielung auf eine italienische Komödie mit Lino Banfi, der einen Fussballtrainer spielt und sich beim System ganz leicht vertut. Petkovic ist nicht nur mit der Mannschaft zufrieden, er ist es auch mit seinem Scherz.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch