Auf die harte Tour

Die Oberländer unterliegen in der Stockhorn-Arena dem FC Lugano 0:2. Der Rückschlag zum Jahresende passt ins Bild, das der FC Thun in diesem Halbjahr abgab.

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Dominic Wuillemin

Als das letzte Spiel des Jahres absolviert ist und die 0:2-Heimniederlage gegen den FC Lugano feststeht, ist beim FC Thun vor ­allem eines zu spüren: Ärger.

Stürmer Simone Rapp tritt in den Katakomben, nicht sicht-, aber gut hörbar, gegen einen Gegenstand. Und die Freistossdummies, die etwas ungünstig beim Eingang des Kabinentrakts platziert sind, bekommen von anderen Thunern einige Schläge ab. «Was mich enorm ärgert», sagt Trainer Marc Schneider, der die Kontrolle nicht verliert, «ist, dass dieser Auftritt unsere starke Reaktion nach dem bitteren Cup­ausscheiden in Zürich trübt. Schliesslich ist es der letzte Eindruck, der bleibt.»

Was auch bleibt: Immer wenn es die Oberländer in diesem Halbjahr einfacher hätten haben können, folgte ein Rückschritt. Aber standen sie mit dem Rücken zur Wand, gelang ihnen der Befreiungsschlag. Die Thuner mögen es, ganz masochistisch, auf die harte Tour.

Zwischen Bern und Lugano

Anfang August gastierte der FC Thun mit null Punkten und nur einem Tor aus drei Partien beim verlustpunktlosen Leader YB. Die Thuner siegten 4:0. Sie bezwangen den Stadtberner Tabellenersten auch Anfang Dezember, nachdem sie vier Tage zuvor beim FC Zürich in extremis aus dem Cup ausgeschieden waren. Doch als der FCT hätte Fahrt aufnehmen können, waren die Oberländer im August nach zwei siegreichen Partien in Lugano 1:4 unterlegen. Und am Samstag verlor das Team von Schneider gegen denselben Gegner, ebenfalls nach zuvor zwei erfolgreich gestalteten Spielen.

So lässt sich das Thuner Dilemma auf fünf Ergebnisse verdichten: Gegen YB holte der FCT sechs Punkte, gegen Lugano in drei Partien nur einen. «Haben wir das Messer am Hals, können wir reagieren. Aber wir sind noch nicht so weit, einen Schritt vorwärtszumachen, wenn sich uns die Chance bietet», sagt Schneider. Sein Captain Dennis Hediger formuliert es so: «Die Kunst ist es, bei guter Ausgangslage genau so dominant und aktiv zu agieren wie unter Druck. Das gelingt uns nicht.»

Zu keiner Reaktion fähig

Dabei verlief die Anfangsphase am Samstagabend in der Stockhorn-Arena vor nur 4088 Zuschauern wunschgemäss. Nach zwanzig Minuten verzeichnete das Heimteam 70 Prozent Ballbesitz. Und es kam auch zu Gelegenheiten: Dejan Sorgic verzog einmal fürchterlich, Moreno Costanzo zirkelte einen Freistoss an die Latte. Wenig später verpasste Simone Rapp den zehnten Saisontreffer aus guter Position.

Danach fanden die Luganesi besser in die Partie. Nach der Halbzeit agierten sie deutlich überlegen, der sehenswerte Führungstreffer durch den Brasilianer Carlinhos Junior verschob die Gewichte endgültig. Den Thunern bot sich durch den eingewechselten Matteo Tosetti nur eine Gelegenheit zum Ausgleich, mit dem Schlusspfiff gelang Joker Alexander Gerndt das 2:0. «Wir waren schlicht zu wenig gut», sagt Marc Schneider. Dass sein Team zu keiner Reaktion imstande gewesen sei, gebe ihm zu denken, meinte der Trainer. «Das ist wieder ein Schritt zurück.»

Mental anstrengend

Der Rückschlag zum Jahresende passt ins Bild, das die Thuner während der Vorrunde abgaben. Hochs und Tiefs wechselten sich innert kurzer Zeit ab, mehr als zweimal in Folge blieb der FCT nicht ungeschlagen. Auch deshalb spricht Hediger von einer mental enorm intensiven Zeit. «Wir bekamen einige Schläge ins Gesicht, beklagten Verletzte, verloren unnötig oder knapp.» Mehr als einmal habe er am Wochen­anfang seinen Teamkollegen zurufen müssen: «Jungs, wir stehen wieder auf.» Diesmal erübrigt sich das. Die Oberländer weilen nun bis zum 4. Januar in den Ferien. Sie können Kopf und Körper erholen.

Am Samstagabend, nachdem er einiges bemängelt hatte, beschliesst Hediger das erste Halbjahr doch noch mit einer posi­tiven Note: «Auf Tiefschläge ­fanden wir häufig die richtige Antwort», sagt der 31-Jährige. «Das dürfen wir ruhig mit­nehmen.»

Berner Zeitung

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