Auf dem Schleudersitz

Uli Forte weg, Urs Meier weg – YB und der FCZ ziehen die Reissleine – zur Unzeit.

Abrupter Abschied: Uli Forte ist bei YB nicht mehr erwünscht. Fredy Bickel übergibt das Traineramt Harald Gämperle.

Abrupter Abschied: Uli Forte ist bei YB nicht mehr erwünscht. Fredy Bickel übergibt das Traineramt Harald Gämperle.

Sebastian Rieder@RiederSebastian

Das gab es noch nie in der Super League. Nach drei Runden sind zwei Trainer bereits arbeitslos. Uli Forte hat nach drei Unentschieden gegen Zürich, Luzern und St.Gallen und zwei Niederlagen gegen Monaco bei den Young Boys bereits ausgedient und sein Büro im Stade de Suisse wutentbrannt verlassen. Urlaub hat auch Urs Meier, Zwangsferien, denn er darf beim FC Zürich bleiben, den Job als Cheftrainer ist er aber los. Zwei Punkte aus drei Spielen genügen auch den Ansprüchen in Zürich nicht.

Der Sog der Negativspirale hat beiden Vereinen schon früh die Illusion geraubt, dem Leader FC Basel endlich den Titel streitig zu machen. Die Ambitionen sind ehrenwert, aber nicht realistisch. Der FCB ist mit seiner monetären Macht, der Kraft seiner Kompetenz und der Qualität im Kader der Konkurrenz weit voraus. Es würde dem FCZ und YB gut anstehen, die Strukturen im Club zu kopieren und den Serienmeister mit Kontinuität statt mit Panik die Stirn zu bieten.

Der Zeitpunkt für die Freistellung von Forte und Meier ist mehr als fragwürdig und fördert nur die Verunsicherung im Verein. Zumal Fredy Bickel und Ancillo Canepa bereits vergangene Saison an ihren Trainern zweifelten, den beiden Machthabern aber der Mut fehlte, während der Sommerpause den entscheidenden Schnitt zu machen. Eine Entlassung kurz nach dem Saisonende wäre medial zwar auch auf Kritik gestossen, der Moment für eine Korrektur hätte hingegen besser nicht sein können.

Gefordert sind nun also die alten Assistenztrainer Harald Gämperle und Massimo Rizzo, nach neuen Gesichtern suchen die Clubs bisher vergebens. Ein Umbruch oder eine Neuausrichtung sieht anders aus. Es ist absolut ehrenwert, den potenziellen Nachfolger erst nach der Bereinigung vorzuladen, geholfen ist damit aber niemandem.

Vorerst stehen also Gämperle und Rizzo in der Pflicht, ihre Mannschaft wieder zum Erfolg zu führen. Gelingt ihnen das, könnte sich ihre Lebensdauer auf dem Schleudersitz der Trainerbank unverhofft verlängern. Vorgestellt wurden sie diese Woche als interimistische Cheftrainer, der Begriff kommt aus dem Latein, heisst so viel wie zwischenzeitlich, und ist eine Bezeichnung, die eigentlich für jeden Trainer zutrifft. Auch beim FC Basel, nur ist da die Verantwortlichkeit auf verschiedene Schultern verteilt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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