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«Auch die gehen morgens pinkeln»

Die Spannung steigt: Am Mittwoch trifft YB auf Manchester United. Die Berner zeigen Freude und Respekt – sind aber bemüht, nicht zu viel Ehrfurcht zu zeigen.

Steve von Bergen (links) und David von Ballmoos.
Steve von Bergen (links) und David von Ballmoos.
Raphael Moser

Es ist dieser Tage rund ums Stade de Suisse schwierig, so zu tun, als wäre alles wie immer. Einige bei den Young Boys versuchen es, sie sind um Normalität bemüht, und natürlich versuchen sie auch, das Spiel vom Mittwoch so vorzubereiten wie jedes andere.

«Es bringt nichts, wenn wir jetzt alles über den Haufen werfen, was uns so weit gebracht hat, nur weil wir in der Champions League spielen», sagt etwa YB-Goalie David von Ballmoos. Doch schon das Lächeln, das er sich nicht verkneifen kann, als er die zwei Zauberwörter ausspricht, zeigt, dass sich wohl doch kaum einer diese Normalität bewahren kann.

Blau schlägt Gelb-Schwarz

Und das durchwegs im positiven Sinne. Wenn es am Mittwoch losgeht für die Berner in der Champions League, dann geschieht das ja auch nicht irgendwie, sondern gleich mit einem der grössten Heimspiele, das die Young Boys je ausgetragen haben: gegen Manchester United. Schon am Montagmittag, zwei Tage vor dem Spiel, hat die Uefa rund ums Stadion das Sagen.

Sternenbanner schmücken die Tribünen, und die blauen Sponsorenwände des grossen Players verdecken in den Katakomben alles Herkömmliche – auch das YB-Logo. Wer zahlt, befiehlt – und die Young Boys nehmen sich bei solchen Dingen gerade gerne zurück, um dafür auf der grossen Bühne mit auftreten zu können.

«Nach dem Meistertitel ist das bisher der Höhepunkt meiner Karriere», gibt Djibril Sow zu. Der 21-Jährige trifft am Mittwoch auf Spieler, die er bislang eher von der Playstation her kannte: Romelu Lukaku, der massige Stürmer, Paul Pogba, der elegante Ballverteiler, Alexis Sanchez, der feurige Flügel.

Gegen alle drei hat einer bei YB schon gespielt, und natürlich ist es in diesen Tagen noch wichtiger, dass er vorangeht. Steve von Bergen ist Captain bei den Young Boys, das ist er nicht zuletzt auch seiner internationalen Erfahrung wegen. Auf Pogba traf er einst mit Palermo, der Franzose spielte damals noch für Juventus, in zwei Spielen gab es zwei knappe 0:1-Niederlagen.

Auf Sanchez traf er ebenfalls in der Serie A und mit der Nationalmannschaft an der WM 2010, auch gegen den Chilenen gab es noch keinen Punktgewinn. Und Lukaku schliesslich kennt von Bergen aus dem Sechzehntelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Everton vor drei Jahren, als der Belgier beim 4:1 gegen YB gleich drei Tore erzielte. Dennoch sagt von Bergen: «Angst, Komplexe, Ehrfurcht – das alles müssen wir ablegen. Manchester hat viel Qualität, aber diese Spieler sind nicht anders als wir. Auch die stehen morgens auf und gehen erst einmal pinkeln.»

Egal, was sie am Mittwoch nach dem Aufstehen als Erstes tun – abends um 21 Uhr müssen die Young Boys bereit sein, wollen sie gegen die Engländer nicht untergehen. «Motivation ist kein Thema im Moment», sagt Christian Fassnacht. Sein internationaler Startkontakt beschränkte sich bislang auf Testspiele.

Als er noch bei Tuggen im Amateurfussball spielte, trat er am Rande eines Trainingslagers einmal gegen Hoffenheim an – und traf dort auf den heutigen Liverpool-Stürmer Roberto Firmino. «Es wird schon speziell, solche Ka­liber am Mittwoch im Kabinengang zu begrüssen», sagt Fassnacht. «Aber wir haben nichts zu verlieren. Und gerade in den Heimspielen erhoffen wir uns schon den einen oder anderen Punkt.»

«Was, wenn wir führen?»

Seit sich die Young Boys Ende August in Zagreb in extremis für die Königsklasse qualifiziert haben, hat der Trubel zwar stetig zugenommen. Die Spieler selbst haben seither jedoch auch Zeit erhalten, sich auf das Abenteuer einzustellen. Und es kamen ja sowohl in Meisterschaft als auch Cup ausschliesslich Siege dazu.

Das Selbstvertrauen ist da. «Wir haben uns das nicht alles erarbeitet, um jetzt schon zufrieden zu sein. Es liegt vielleicht mehr drin, als man uns zutraut», sagt Goalie von Ballmoos. Und Captain von Bergen will trotz grosser Namen einfach ein Fussballspiel vorbereiten. «Wir diskutieren auch das Szenario: Was ist, wenn wir in Führung gehen?» Spätestens dann jedenfalls wäre nicht mehr alles wie ­immer.

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