Atlético setzt auf dubiose Wunderheilerin

Vor dem Champions-League-Final am Samstag gegen Stadtrivale Real flog der verletzte Atlético-Stürmer Diego Costa nach Belgrad zu einer Ärztin, um sich mit Pferdeplazenta behandeln zu lassen.

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David Wiederkehr@DavidWiederkehr

27 Tore hat er in der vergangenen Saison geschossen und so massgeblich zu den sensationellen Erfolgen von Atlético Madrid beigetragen. Ohne Diego Costa, den 25-jährigen Stürmer, hätte der kleine Club aus der Hauptstadt nicht erreicht, was er erreicht hat: den ersten Meistertitel in Spanien seit 1996 und den Final der Champions League vom Samstag. «El Atléti» hat nicht nur in der Primera División das Duopol von Real Madrid und Barça durchbrochen, sondern auch in der Königsklasse: In den Viertelfinals eliminierte es den FC Barcelona. Am Samstag nun fordert es im Final in Lissabon den Stadtrivalen.

Atlético bangt aber um den Einsatz von Costa, dem Torschützen vom Dienst. In der Finalissima am vergangenen Samstag gegen Barcelona fiel der Angreifer wegen einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel aus. Seine Teamkollegen erkämpften sich wohl ein 1:1 bei den Katalanen und damit den Meistertitel, Costa jedoch war trotzdem lange untröstlich und weinte bittere Tränen, ehe er doch noch jubeln durfte. Er ahnte wohl: Was den Final der Champions League betrifft, wird es mehr als knapp. Zu knapp vielleicht. Anfangs hiess es gar, seine WM-Chancen seien dahin. Spaniens Nationaltrainer hatte den gebürtigen Brasilianer ins provisorische Kader berufen.

Er werde trainieren, sagte er

Costa kämpft aber wie ein Stier um die Teilnahme am Endspiel von Lissabon. Oder besser: wie eine Stute. In Belgrad fand er eine Wunderheilerin, die Verletzungen von Muskelgewebe mithilfe einer Flüssigkeit zu behandeln versteht. Diese enthält Zellen von Pferdeplazenta und könne entweder gespritzt oder einmassiert werden, schreibt «El Mundo». Laut der Zeitung habe die Ärztin, Marijana Kovacevic, schon zahlreiche Fussballprofis mit dieser Methode behandelt. Robin Van Persie etwa, Frank Lampard oder Yossi Benayoun. Am Dienstag war Costa mit einem Privatflugzeug nach Belgrad geflogen, heute Donnerstag kehrte er zurück.

Ob es reicht für das grosse Spiel vom Samstag? Schwer zu sagen. Costa hat jedenfalls die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Er werde am Donnerstag trainieren, rief er nach seiner Ankunft Journalisten der Sportzeitung «Marca» am Flughafen zu. Offizielle Clubangaben fehlen allerdings noch, Erfolgstrainer Diego Simeone wird sich wohl erst am Freitag erstmals äussern. Klar scheint: Für Costa wird es ein Kampf um jede Minute werden.

Lange Dopingsperre wegen Plazentazellen

Angst vor unliebsamen Nebenwirkungen scheint Costa nicht zu haben. Dabei geniesst die Ärztin in Fachkreisen einen zweifelhaften Ruf. Wie das serbische Magazin «Blic» im November 2009 schrieb, sei Kovacevics Praxis bei den Gesundheitsbehörden nicht registriert. Ausserdem, berichtete «Daily Mail», habe in jenem Jahr auch die Steuerbehörde gegen die Heilerin ermittelt. Etwa 3000 Euro verlangt sie von ihren Kunden für eine Behandlung, ohne dieses Geld zu versteuern. Sie wolle damit ihre Kunden schützen, argumentierte sie.

Die Behandlung mit Plazenta-Zellen ist darüber hinaus auch aus Dopingsicht nicht unproblematisch. Plazenta enthält das Hormon Choriongonadotropin (CG), das dazu benutzt werden kann, den Konsum von Steroiden zu verschleiern. Unter anderem wurde dem dominikanischen Baseballer Manny Ramirez der Einsatz von hCG nachgewiesen. 2009 war er von der Major League Baseball 50 Spiele gesperrt worden.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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